Sommersaison

Konfliktlotsen schlichten in weiteren Berliner Bädern Streit

Mit dem Konzept „Bleib cool am Pool“ sollen im Sommer wieder Konflikte in Freibädern verhindert werden. 35 Freiwillige haben sich in Neukölln und Kreuzberg gemeldet. Nun folgt auch Pankow.

Foto: Reto Klar

„Bleib cool am Pool“ heißt das Projekt, mit dem auch in diesem Sommer Konflikte in Freibädern verhindert werden sollen. Die Streitschlichter, auch Konfliktlotsen genannt, werden erstmals auch in der Gropiusstadt und in Pankow dafür sorgen, dass aus Pöbeleien und Provokationen nicht mehr wird. Seit 2011 sind sie im Einsatz, in den Sommerbädern in Kreuzberg an der Prinzenstraße und in Neukölln am Columbiadamm, in den Ferien auch im Kreuzberger Hallenbad am Spreewaldplatz.

„Wir sind ein Team und arbeiten mit dem Präventionsstab der Polizeidirektion 5 aus der Friesenstraße eng zusammen, der auch in Migrantenverbänden und Schulen sehr engagiert ist“, sagt Hartmuth Kurzhals von der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit, die das Projekt „Bleib cool am Pool“ verantwortet. Bäderchef Ole Bested-Hensing nannte das Projekt „eine fantastische Sache“. Es sei Prävention und Deeskalation, um Konflikte zu vermeiden. Das Sicherheitskonzept sei sogar „einmalig in Deutschland“.

Bei den Konfliktlotsen in Neukölln und Kreuzberg handelt es sich beispielsweise um Schüler, auch um ehemalige Schulverweigerer. Viele hatten selbst mal eine „problematische Vita“, wie Kurzhals sagt. Alle seien freiwillig und ehrenamtlich im Einsatz, sie würden gegen eine Aufwandsentschädigung in den Bädern unterwegs sein – inhaltlich begleitet von Sozialpädagogen und Polizeibeamten des Präventionsstabs. Der Vorteil sei, dass alle im Kiez verankert seien und die Jugendlichen kennen würden.

Auch die Neuköllner „Kiez-Väter“ seien für das Projekt gewonnen worden. „In den vergangenen drei Jahren gab es keine Gewaltvorfälle in den Bädern, in denen wir unterwegs sind“, bilanziert Kurzhals. Auseinandersetzungen zwischen zwei ethnischen Gruppen im Columbiabad seien durch den Einsatz der Konfliktlotsen verhindert worden, sich anbahnende Streitigkeiten friedlich beigelegt worden.

„Verschwindend kleine Minderheit“ sucht Streit

Seiner Einschätzung nach ist nur eine „verschwindend kleine Minderheit“ auf Streit aus und provoziere. „Wir sind nicht die Polizei, wir sind nicht die Security. Wir sind im Vorfeld“, stellt Kurzhals dabei klar.

30 bis 35 Helfer sollen bei „Bleib cool am Pool“ in Kreuzberg und Neukölln in diesem Sommer im Einsatz sein. Für das Sommerbad Pankow, wo es vergangenen Sommer zu massiven Streitigkeiten kam, ist ein Konfliktlotsenteam im Aufbau. Dort werden die Streitschlichter auch in Zusammenarbeit mit der Polizei ausgebildet. In Pankow sollen sie allerdings laut Bäderchef Bested Hensing zunächst einmal nur an den „hochfrequentierten Tagen“ tätig sein.

Im vergangenen Jahr führte dort der Ärger mit randalierenden Jugendlichen zu Hausverboten und der umstrittenen Entscheidung, das Bad am Wochenende nach den Zwischenfällen nur für Familien zu öffnen. In der Folge forderten Sportpolitiker und Polizei den Einsatz von mehr Konfliktlotsen und ein Sicherheitskonzept für die Freibäder.