Sponsoring

Wofür landeseigene Unternehmen fünf Millionen Euro spendeten

Zwischen 2000 Euro und 1,5 Millionen Euro haben Berlins Unternehmen im Jahr 2013 für wohltätige und gemeinnützige Zwecke gegeben. Dabei verlieren sie ihr Kerngeschäft nicht aus den Augen.

Foto: Tim Brakemeier / dpa

Berlins landeseigene Unternehmen haben 2013 zusammen mindestens 5,3 Millionen Euro in die Förderung sozialer und kultureller Projekte investiert.

Spitzenreiter war die Degewo. Das Wohnungsbauunternehmen gab allein ungefähr 1,5 Millionen Euro für Initiativen im Bereich der Bürger-, Jugend- und Seniorenarbeit und für kulturelle Unternehmungen aus.

Auch die Wohnungsbaugesellschaften Howoge und Gesobau engagierten sich im siebenstelligen Bereich. Das Schlusslicht bildete die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) mit 2000 Euro im Jahr 2013.

Zusammengestellt hatte die Senatsfinanzverwaltung die Daten von 18 Wirtschaftsunternehmen, an denen das Land beteiligt ist, auf Anfrage des Lichtenberger Abgeordneten Danny Freymark (CDU). Allerdings umfasst die Liste nicht alle Landesbeteiligungen. 2013 war Berlin an 46 Unternehmen privaten Rechts und acht Anstalten öffentlichen Rechts unmittelbar beteiligt. 18 von ihnen finden sich in der Beantwortung der schriftlichen Anfrage wieder, von denen wiederum nur 14 auch Angaben zur Summe ihrer Spenden und Sponsoringtätigkeit machten.

Minderheitsbeteiligungen wie der Zoo, wo Berlin lediglich 0,03 Prozent der Anteile hält, seien gar nicht abgefragt worden, sagt der Sprecher von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), Jens Metzger. Von den großen Landesunternehmen fehlten lediglich die Messe Berlin sowie der Gesundheitskonzern Vivantes. Metzger: „Ich bin mir aber sicher, das sich auch die fehlenden Unternehmen sozial engagieren.“

Ballonkino bis Tierpark

Gefördert wurden viele Initiativen und Institutionen, von lokalen Kleinstprojekten wie dem Hellersdorfer Ballonkino bis hin zum Tierpark Berlin, wo die Howoge als einer der Hauptsponsoren auftritt.

Gerade die städtischen Wohnungsbaugesellschaften verweisen bei der Auswahl ihrer Wohltaten stets auf die Umfeldverbesserung in den Wohngebieten, wo sie angesiedelt sind.

Das Kerngeschäft wird aber auch in anderen Unternehmen nicht aus dem Auge verloren. Die Bäderbetriebe (BBB) fördern Schwimmkurse, die Verkehrsbetriebe (BVG) spenden Fahrscheine für ehrenamtlich Tätige und besorgen den Bus-Shuttle für das Obdachlosen-Weihnachtsessen von Frank Zander.

Den Stadtgütern liegt der Umweltschutz am Herzen. Das Spenden- und Sponsoringkonzept der Investitionsbank Berlin (IBB) nimmt unter anderem den Bereich Wissenschaft und Forschung in den Blick. In den Regularien des Landes Berlin ausgeschlossen ist lediglich das Sponsoring zugunsten von politischen Parteien oder Mandatsträgern.

Wie wesentlich die Geldflüsse aus Landesbeteiligungen zum Erhalt gemeinnütziger Angebote beitragen, war offenbar selbst der Finanzverwaltung nicht bewusst. Die Wohnungsbaugesellschaften stehen dabei an der Spitze der Spender. Das könnte sich allerdings bald ändern, da das vom Senat verkündete Wohnungsbauprogramm der nächsten Jahre im Wesentlichen die Wohnungsbaugesellschaften finanzieren sollen.

Die Sprecherin des Landesjugendrings Berlin, Marion Kleinsorge, sieht darin ein grundsätzliches Manko im System Wohltätigkeit. „Wichtig für die Verlässlichkeit der Arbeit, die in Vereinen und Verbänden gemacht wird, ist vor allem eine strukturelle Förderung durch die öffentliche Hand, damit Personal, Miete und andere Fixkosten bezahlt werden können“, sagt sie. Das Problem sieht auch Danny Freymark, der soziale Verantwortung aber nicht nur bei der Politik verorten möchte. „Auch die Landesunternehmen sollten sich dem stellen“, sagt er.