Die DDR hat eine große Ausreisewelle in Gang gesetzt. Wie der Staatssekretär im Innerdeutschen Ministerium, Walter Priesnitz, am 28. April 1989 bestätigt, durften in den Tagen zuvor Hunderte Übersiedlungswillige kurzfristig ausreisen. Übersiedler berichteten von chaotischen Zuständen bei den DDR-Genehmigungsbehörden. Nach Ansicht westlicher Beobachter will die DDR so kritische Aktionen vor den Kommunalwahlen am 7. Mai verhindern.

Die Bundesregierung rechnet wegen der jüngsten Entwicklung 1989 mit 65.000 DDR-Übersiedlern. Bereits vor der Kommunalwahl 1985 hatte die DDR großzügig Ausreisegenehmigungen erteilt. Die jährliche Zahl der Ausreisen stieg von damals sonst knapp 8000 auf fast 35.000 an. Die für 1989 erwarteten Übersiedler wären mehr als eine Verdopplung der Zahlen von 1987, als 29.033 DDR-Bürger ausreisen durften.