Der 19-jährigen Aminata aus Bergisch-Gladbach ist in letzter Zeit einiges zugemutet worden – wenn auch vielleicht nicht in der Reihenfolge, in der es der Zuschauer erlebt hat. Für den gab es zuerst die Sache mit der rassistischen Hetze gegen die junge Frau, die an der Elfenbeinküste zur Welt kam.

Pro7 hatte in einer Ankündigung der letzten Sendung ein Bild des weinenden Mädchens auf seine Internet-Seite gestellt (“Was ist bloß mit Aminata los?“) und war daraufhin von anonym verfassten Kommentaren überflutet worden, unter denen sich einer wie „Germany’s next Baumwollpflückerin“ noch vergleichsweise harmlos ausnahm. Ähnliches passierte auf der Facebook-Fanseite der Kandidatin, wo sie offenbar aus dokumentarischen Gründen stehen bleiben – als interessantes Zeugnis dafür, wie eng Rassismus und Dummheit miteinander verwandt sind.

Mit dieser Vorgeschichte im Kopf sah man also die gestrige Folge, die natürlich schon vor einiger Zeit aufgezeichnet worden war. Die Sendung folgte zunächst den altbekannten, mehr oder minder ausgetreteten Pfaden. „Topmodel“-Gouvernante Heidi Klum erklärte Aminata anfangs zwar im Vieraugengespräch, man sehe sie eher als „internationales Model“ – was tröstend gemeint war, in einer Sendung mit dem Titel „Germany’s next Topmodel“ allerdings auch eine vergiftete Kehrseite hat. Doch erst am Ende sollte sich die Sendung wieder auf Aminata fokussieren.

Nathalies Zicken-Performance

Zuvor durften wir noch den üblichen Nathalie-Quatsch miterleben. Die 16-jährige Schülerin aus Soltau wird ja schon seit einigen Folgen als Nervtante vorgeführt, und auch diesmal durfte sie wieder einige denkwürdige Sätze sagen (“Ich habe so viel in diesem Leben durchgemacht“) und hin- und herpendeln zwischen Arroganz und dem Leiden unter ihrer Außenseiterposition. Die Mädchen mussten vor der Kamera improvisieren (was eigentlich nur der 18-jährigen Betty aus Lüdersdorf gelang), sich für den Werbepartner in historischen Kostümen fotografieren lassen, mit Kindern herumtollen, solche Dinge eben. So schaukelte man sich ins Finale, wo es dramatisch werden sollte.

Aminata trug ein weißes Kleid mit fixierter Schulterpartie, in dem sie sich eigentlich gar nicht bewegen konnte. Und so trippelte sie der strengen Jury entgegen, als habe sie einen Kleiderbügel verschluckt. Deren Urteil fiel entsprechend vernichtend aus: „Wenn ich Designer wäre, hättest Du mir die Show versaut“, sagte Wolfgang Joop unverblümt. Aminata weinte ein paar Tränen, wie man sie in der Sendung häufiger mal sieht. Doch nach ihrem Abgang kollabierte sie hinter der Bühne mit einem asthmatischen Anfall.

Joop rang die Hände

Es ergibt eigentlich keinen Sinn, dass ausgerechnet Wolfgang Joop, der bislang die größte Sensibilität im Umgang mit den Models hat erkennen lassen, nun den Auslöser für den Kollaps lieferte. Der war auch nach einiger Aufregung dann erst einmal ausgestanden. Aber den händeringenden Modeschöpfer sich selbst erklären und entschuldigen zu sehen, weil ihm die anderen Mädchen seine Worte vorwarfen – das hatte etwas Rührendes. Soviel Größe hätte man sicher nicht von jedem Jurymitglied erwarten können.

Besänftigend wirkte in all der Aufregung auch, dass alle Kandidatinnen eine Runde weiterkamen und fröhlich mit ihrem Foto wedeln konnten. Aber das ist natürlich trügerisch. Denn jetzt muss in den letzten Folgen umso heftiger gesiebt werden.