Hat ein Berliner Polizist Rocker vor einer bevorstehenden Razzia gewarnt? Diese Frage beschäftigt Polizei und Staatsanwaltschaft seit knapp zwei Jahren. Nun soll ein ehemaliges Führungsmitglied der Hells Angels, das zurzeit als Kronzeuge der Sicherheitsbehörden bei Ermittlungen zu Rocker-Straftaten aussagt, einen Beamten belastet haben. Der Kronzeuge soll behauptet haben, der Polizist habe Informationen nicht nur an Journalisten, sondern auch an Rocker weitergegeben. Diese Aussage wurde der Berliner Morgenpost am Sonnabend aus Sicherheitskreisen bestätigt, nachdem die „Bild-Zeitung“ zuvor über den Vorgang berichtet hatte.
Rückblick: Im Mai 2012 erließ Innensenator Frank Henkel (CDU) eine Verbotsverfügung gegen den mächtigsten Berliner Rockerklub Hells Angels MC Berlin City. Der wirkungsvolle Schlag gegen die Rockerkriminalität sollte mit einer Razzia in deren Vereinsheim in Reinickendorf einhergehen.
Doch der Großeinsatz der Polizei geriet zur peinlichen Panne. Vertrauliche Informationen waren vorzeitig an die Öffentlichkeit und offenbar auch an die Hells Angels gelangt. Die Razzia erwies sich weitgehend als ergebnislos, weil der Rockerklub kurz zuvor seine Auflösung bekannt gegeben hatte und sich auf die Durchsuchung des Vereinsheimes vorbereiten konnte. Es seien Konten leer geräumt, Dokumente vernichtet und Motorräder umgemeldet worden, hieß es damals. So konnte die Polizei neben Schlagwaffen, Messern und einem Gewehr nur noch einige wenige Motorräder und das Inventar beschlagnahmen.
Umfangreiche interne Ermittlungen
Ende 2012 wurde ein Polizist vom Dienst suspendiert, weil er im Verdacht stand, geheime Informationen der Polizei an die Presse weitergegeben zu haben. In Folge dieses Verfahrens kam es auch zu Ermittlungen gegen einen Reporter der Berliner Morgenpost. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.
„Wir haben immer gesagt, dass wir ermitteln, ob Dienstgeheimnisse ausschließlich an Journalisten oder auch direkt an Rocker verraten wurden. Die Vernehmungen des Kronzeugen erbrachten dafür bisher keine weiteren Neuigkeiten“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich am Sonnabend. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich am Sonnabend nicht.
Nach der fehlgeschlagenen Razzia wurden bei der Polizei umfangreiche interne Ermittlungen eingeleitet, ob Dienstgeheimnisse einerseits an Medien und andererseits an Rocker weitergegeben wurden. Dabei hätten sich für eine direkte Weitergabe von Informationen an die Hells Angels zunächst keine Spuren ergeben, hieß es am Sonnabend aus Sicherheitskreisen. Es müsse nun geprüft werden, wie stichhaltig die Angaben des Kronzeugen seien.
Bei diesem Mann handelt es sich nach Informationen der Berliner Morgenpost um einen ehemaligen Vertrauten des türkischen Ex-Boxers Kadir P., der als Chef der Berliner Hells Angels galt. Dem Vertrauten mit dem Spitznamen „Syrer“ droht eine lebenslängliche Gefängnisstrafe, weil er an dem Mord an einem 26-jährigen Türken in einem Reinickendorfer Wettbüro beteiligt gewesen sein soll.




