Für die Berliner Hells Angel-Rocker um den türkischen Ex-Boxer Kadir P. wird die Luft eng: Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll sich ein ranghohes Führungsmitglied der berüchtigten Gruppe als Kronzeuge den Sicherheitsbehörden angedient haben. Dem aus Persien stammenden Mann mit dem Spitznamen „Syrer“ droht eine lebenslängliche Gefängnisstrafe, weil er an dem Mord an einem Türken in einem Wettbüro an der Residenzstraße in Reinickendorf beteiligt gewesen sein soll.

Tatvorwurf: gemeinschaftlicher Mord. Wie berichtet waren am 10. Januar 13 Personen in das Lokal gestürmt, wenig später brach Tahir Ö. tödlich getroffen zusammen. Elf Haftbefehle wurden inzwischen vollstreckt. Kadir P. war nicht am Ort, er wird mit dem Mordauftrag in Verbindung gebracht, sein Bruder hat sich in die Türkei abgesetzt.

Der Kronzeuge, der durch seine Aussagen laut Paragraf 46b Strafgesetzbuch seine Strafe erheblich verringern könnte, kam vor drei Jahren aus Hamburg in die Hauptstadt. Er befindet sich nach Morgenpost-Informationen im Zeugenschutzprogramm. Er wird an einem geheimen Ort vernommen, seine Familie wurde in Sicherheit gebracht. Es sei laut einem Experten nicht ausgeschlossen, dass er nach Abschluss des Verfahrens eine neue Identität bekommt.

Sein Wissen könnte nun für die Berliner Hells Angels zum Alptraum werden - der „Syrer“ hat seit einem Jahr den Status des Vollmitglieds, gilt als rechte Hand von Kadir P. Dieser Gruppierung werden Drogengeschäfte, Schutzgelderpressung und räuberische Erpressung nachgesagt. Denkbar ist laut einem Ermittler, dass er nicht nur diese Machenschaften erhellt, sondern für weitere Verhaftungen im Wettbüro-Mordfall sorgen könnte. Denn die Polizei geht davon aus, dass 13 Personen in das Lokal eindrangen, sich davor aber 25 weitere Männer befanden. „25 weitere Verdächtige, das wäre ein donnerndes Signal an die Szene“, so der Ermittler.

Der Kronzeuge dürfte interessant für zahlreiche Staatsanwaltschaften sein, denn Kadir P. und seine Gefolgsleute gelten deutschlandweit als das härteste Hells Angels Charter. Möglicherweise könnte auch ein brutaler Angriff auf die Hells Angels im brandenburgischen Finowfurt vor einigen Jahren aufgeklärt werden. Damals war Kadir P. noch bei den Bandidos, bevor er die Seiten wechselte. Mehrere Hells Angels waren in dem kleinen Dorf in ihren Autos ausgebremst worden, einem Führungsmitglied war mit einem Beil beinahe ein Bein abgetrennt worden. Bis heute gelten die damaligen Bandidos als Drahtzieher. Zwar wurden zwei Verdächtige in der Folge freigesprochen, der BGH eröffnete auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Verfahren erneut.