Die Nachfolge für das Dezernat zur Bekämpfung der Rocker- und Rotlichtkriminalität im Landeskriminalamt (LKA) ist geregelt. Den Posten hat der Kriminaloberrat Stephan Strelow übernommen. Das bestätigte die Polizei der Berliner Morgenpost. Er folgt auf Heike Rudat, die als zuständige leitende Ermittlerin nach der Polizei-Panne vor einem Auftragsmord in der Berliner Rockerszene versetzt wurde. Die Polizei hatte Ermittlungsfehler in diesem Fall bereits Anfang Februar eingeräumt. Wie berichtet, ist Rudat künftig für Umwelt- und Verbraucherschutzdelikte zuständig. Stephan Strelow hatte früher die für den Personenschutz zuständige Abteilung beim Landeskriminalamt geleitet. Zuletzt führte der hochrangige Kriminalbeamte das Dezernat für Umwelt- und Gewerbedelikte, dem nun Heike Rudat vorsteht.

Erst vor Kurzem hatte die Polizei eine interne Untersuchung eingeleitet, um zu klären, warum das spätere Mordopfer im November 2013 nicht gewarnt wurde. Die Polizei wusste damals, dass der Mann sich in Berlin aufhielt und von Rockern der Hells Angels verfolgt wurde. Die Gefährdungslage sei aber „falsch eingeschätzt“ worden, gab die Polizei inzwischen zu. LKA-Chef Christian Steiof hatte das zunächst anders dargestellt. Er war von seinen Mitarbeitern falsch informiert worden.

Verratene Polizeirazzia

Offenbar war es bei der Kommunikation zwischen Ermittlern zu einem folgenschweren Fehler gekommen. Während nach Informationen der Berliner Morgenpost einige Beamte der Behörde davon ausgingen, dass sich das spätere Opfer in der Türkei befinde, wohin sich der 26-Jährige abgesetzt hatte, lagen offenbar bereits Wochen vor dem Mordsanschlag Informationen darüber vor, dass Tahir Ö. nach Berlin zurück gekehrt war. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht. Es wurden indes seitens der Polizei Untersuchungen angekündigt, die derzeit noch andauern.

Der 26 Jahre alte Ex-Rocker Tahir Ö. war am 10. Januar 2014 in dem Wettspielcafé „Expekt“ in der Residenzstraße in Reinickendorf niedergeschossen und tödlich verletzt worden. Die Tat war von Überwachungskameras erfasst worden, wodurch schnell feststand, dass es bei dem Gewaltverbrechen insgesamt 13 Tatbeteiligte gegeben hatte. Nach deren Identifizierung wurden zahlreiche Haftbefehle gegen Tatverdächtige aus dem Rockermilieu wegen gemeinschaftlichen Mordes beantragt, die innerhalb kurzer Zeit nach und nach vollstreckt werden konnten. Die Polizei nahm inzwischen zehn Verdächtige der Hells Angels fest. Zudem konnte der ehemalige Chef der 2012 verbotenen Rockergruppe „Hells Angels Berlin City“, Kadir P., verhaftet werden, der nach den vorliegenden Ermittlungsergebnissen als Auftraggeber für den Mordanschlag gilt.

Im Zusammenhang mit dem Verbot der Rockergruppierung im Frühjahr 2012 war es bereits einmal zu einer folgenschweren Panne gekommen. Vertrauliche Informationen waren vorzeitig an die Öffentlichkeit und an die Hells Angels gelangt. Die groß angelegte Razzia erwies sich nahezu als Schlag ins Wasser, weil der Rockerklub kurz zuvor seine Auflösung bekannt gegeben hatte und sich auf die Durchsuchung des Vereinsheimes in Reinickendorf vorbereiten konnte. So konnten seinerzeit beispielsweise nur wenige Fahrzeuge und Waffen und wenige Vermögenswerte beschlagnahmt werden.

dpa/pol/sei