Hells Angels

Nach verratenem Rocker-Einsatz rumort es bei der Polizei

Offiziell gibt es laut Berlins Polizei keine Hinweise, dass ein Beamter den Einsatz gegen die Hells Angels verriet. Polizeiführer finden das "vorschnell".

Wegen des offenbar im Vorfeld verratenen Großeinsatzes gegen die Rockergruppe Hells Angels Berlin City rumort es in der Polizei. Das Polizeipräsidium bleibt weiter bei der Darstellung, es gebe keine Hinweise darauf, dass Polizisten die Rocker gewarnt hätten. Vielmehr sei der Einsatz offenbar nur an Medien durchgesteckt worden. Polizeiführer dagegen sagten, es sei „schwierig“, wenn das Präsidium „vorschnell“ verkünde, es gebe keine Hinweise darauf, dass Beamte den Einsatz an das „polizeiliche Gegenüber“ – also an die Rocker – verraten hätten.

Das Internet-Nachrichtenportal Spiegel Online und die TV-Produktionsgesellschaft Spiegel TV hatten am Tag vor dem Einsatz über die bevorstehende Aktionen berichtet und behauptet, die Rocker seien durch eine undichte Stelle bei den Behörden informiert gewesen.

13 Verfahren wegen Verrats von Dienstgeheimnissen

Nach Angaben von Polizeiführern hat es Vorfälle solcher Art in der Vergangenheit mehrfach gegeben. Wie die Berliner Polizei am Wochenende mitteilte, gab es seit 2011 insgesamt 13 Verfahren wegen Verrats von Dienstgeheimnissen gegen Polizeibeamte gegeben hat. Zwei davon hatten „Rockerbezug“. Unter anderem gegen einen Beamter ermittelt worden, weil er Razzien an Rocker verraten hatte. Gegenleistung: ein Motorradhelm zum Sonderpreis.

Nach Ansicht mehrerer Ermittler habe die Berliner Polizei insgesamt zu unflexibel reagiert. Bereits am Pfingstmontag hatten Angehörige einer Hundertschaft 62 Hells Angels vor einer Unterkunft der Bandidos in Weißensee angetroffen und kontrolliert. Die Beamten bemerkten, dass die Stimmung zwischen den Rockern – Bandidos und Hells Angels gelten als Erzfeinde - nicht aggressiv war. Daraus hätte man Rückschlüsse ziehen können, so ein Ermittler: „Für ein solches Aufeinandertreffen gibt es dann nur einen Grund: Die einen laufen zu den anderen über oder planen dies zumindest.“ Der Polizist weiter: „In jedem Fall hätten sofort Maßnahmen durchgeführt werden müssen, wenn man als Polizeiführung weiß, dass zwei Tage später ein Verbot durchgesetzt werden soll.“

Durchsuchungsbeschlüsse lagen nicht vor

Doch nach Angaben von Berlins Polizeisprecher Stefan Redlich lagen die Durchsuchungsbeschlüsse des Verwaltungsgerichts am Pfingstmontag noch nicht vor. Aber auch am Dienstag, nach Veröffentlichung von Spiegel Online und Spiegel TV, wurde die Lage möglicherweise falsch eingeschätzt. Erst nach Hinweis von Morgenpost-Reportern, wonach sich die Hells Angels unter Kadir P. aufgelöst haben, wurde der Einsatz vorgezogen. „Normalerweise hätten an einem solchen Tag spezialisierte Aufklärer vor den Klubhäusern unterwegs sein müssen, um die Szene zu beobachten“, sagte ein Beamter.

Auch der Umstand, dass öffentlich das Vorgehen einer Kriminaldirektorin diskutiert wird, stößt innerhalb des Polizei auf Kritik. Man lasse sich nicht vorschreiben, wer an welcher Stelle sitze. Der Dezernatsleiterin war laut Medienberichten aus Polizeikreisen Verschleppung des Einsatzes und Unfähigkeit vorgeworfen worden.

Unklar ist bislang, wie es nach dem Verbot der Hells Angels Berlin City mit dem Rocker-Anführer Kadir P. weitergehen wird. P. hatte seine Truppe im Vorfeld des Verbotes aufgelöst. Doch die entsprechende Verbotsverfügung erlaubt es nicht, eine Folgeorganisation gleichem Personal zu gründen. „Der Klub kann sich also nicht einfach eine neue Bezeichnung auf die Kutte nähen, er müsste eine völlig neue Struktur bilden, um einem erneuten Verbot zu entgehen“, sagte ein Polizeisprecher.