Fennpfuhl, Weißensee, Britz, Kreuzberg, Friedenau, Buch, Gropiusstadt, Mitte, Friedrichsfelde und Lichtenrade – das sind die Ortsteile, die im Finale des ersten Berlin Song Contests (BSC) am Sonnabend aufeinander trafen. Denn beim kleinen Berliner Bruder des großen Eurovision Songs Contests (ESC) traten nicht Ländervertreter, sondern Musiker verschiedener Ortsteile im SchwuZ an der Neuköllner Rollbergstraße gegeneinander an.
Für Buch trat eine Straßensängerin auf, für Mitte eine bildende Künstlerin im Latexoutfit und zwei rappende Brüder aus Friedrichsfelde sangen das Hohelied des Hip-Hop. Alles was in Berlin an Musikalischen Stilrichtungen vertreten ist, trat auf der Bühne auf.
Manches wirkte fast schicksalshaft. Lili Sommerfeld, Publikumsliebling des Halbfinales schrieb ihren Song „The war is over when we dance“ im SchwuZ. Dabei ist der Berlin Song Contest weniger lokaler Abklatsch des Eurovision Songs Contests, als ein durchaus komisch gemeinter Gegenentwurf zum europäischen Spektakel.
Und der war – wie sollte es in Berlin sonst sein – natürlich schrill, laut und vor allem bunt gemischt. Für Berlin schien das die richtige Mischung zu sein. Am Abend des Finales drängten sich schon lange vor Programmstart die Gäste vor der Tür des SchwuZ. 700 Fans waren gekommen, um Berlins beste Stadtteil-Band zu wählen. Junge, Alte, Hippe und Konservative - die Zielgruppe war leicht zu beschreiben: Berliner eben.
Kriss Rudolph, Initiator des BSC, moderierte den Abend im pink glänzenden Sakko. Dass der Wettbewerb ein solcher Erfolg werden würde, hätte er sich nicht träumen lassen.
Kreuzberg und Gropiusstadt haben die besten Songs
50 Sängerinnen und Sänger waren es anfangs, die ihre Songs einschickten, um die Gunst des Publikums zu ergattern. „Allein das zeigt, wie viel Talent es in dieser Stadt gibt“, sagte Kriss Rudolph. „Wir hatten mit vielleicht einem Dutzend Bands gerechnet – und dann meldeten sich mehr als doppelt so viele.“ 20 Teilnehmer erreichten nach eingehender Begutachtung durch eine Jury das Halbfinale, das am 10./11. April stattfand. Zehn Teilnehmer erreichten als Finalisten die letzte Runde.
Nach Mitternacht stand dann Ergebnis fest: "Stay" von Carmen Underwater für Gropiusstadt gewann den Preis der Jury. Die Fans stimmten allerdings beim Hauptpreis für einen anderen Song: Lili Sommerfeld aus Kreuzberg lag in der Zuschauergunst ganz weit vorn, gefolgt von "I don't know" (Maitri) für Friedenau und "Ich Seh Dich" (Naëma) für Fennpfuhl.
Die Idee eines musikalischen Duells der Berliner Ortsteile kam dem Buchautoren und Opern-Librettisten Rudolph beim ESC im vorigen Jahr: „Da war es im SchwuZ rappelvoll. Das Event ist beliebt, da dachte ich mir, es wäre schön am Ende zu hören: Schöneberg, zwölf Punkte?“
Ob Berlin im Jahr 2015 eine Wiederholung des Song Contest erlebt, ist noch nicht sicher. Es fehlt noch ein Sponsor. Rudolph ist da aber zuversichtlich: „Ich bin auf jeden Fall für eine Neuauflage bereit.“




