„Mit der Musik in meinem Ohr fahr’ ich los“, heißt es im Song von Flaex und Sero, mit dem die beiden Hip-Hop-Künstler es bis ins Halbfinale des Berlin Song Contest (BSC) geschafft haben. Mit Musik im Ohr sind die Brüder aufgewachsen, schon lange arbeiten sie künstlerisch zusammen. Am 11. April wird sich beim BSC-Halbfinale im Kreuzberger O-TonArt-Theater herausstellen, ob die Jungs die Jury mit ihrem Song „Richtung Horizont“ so weit beeindrucken können, dass sie unter die besten zehn Teilnehmer kommen und ins Finale einziehen können.
Der Berlin Song Contest ist ein Wettbewerb zwischen Sängern und Bands, die für einen Kiez antreten. Angelehnt ist die Veranstaltung an den Eurovision Song Contest – nur eben halt ohne große Show. Was zählt, ist die Musik.
Flaex und Sero vertreten beim BSC Friedrichsfelde
Aufgewachsen sind Flaex und Sero in Neukölln, „das damals noch schön war“, meint Christopher Siefert alias Sero. „Neukölln ist immer noch schön“, protestiert sein jüngerer Bruder Felix Siefert, der unter dem Namen Flaex rappt und immer noch im Heimatbezirk wohnt. Sero aber zog mit Frau und Kind nach Friedrichsfelde, den Stadtteil, für den die Musiker beim BSC auch antreten. „Eigentlich gab es gar keine Bedingungen, jeder konnte sich für jeden Stadtteil bewerben“, erinnert sich der 21-jährige Flaex. „Aber wir hatten schon die Bedingung an uns selbst, dass wir einen persönlichen Bezug zum Stadtteil haben. Für Neukölln gab es so viele Bewerber, dass wir uns dann für Friedrichsfelde entschieden haben.“ Sero erfuhr in der Zeitung vom BSC, oder besser gesagt, seine Freundin.
„Dann hast Du mir eine WhatsApp-Nachricht geschickt: ‚Haste Bock?‘, und dann haben wir uns beworben“, erzählt Flaex. Er war es, der den älteren Bruder wieder zur Musik brachte. Schon Mitte der 90er kam der mittlerweile 29-jährige Sero mit HipHop in Berührung, fing dann mit Kumpels an, sich selbst am Mikro auszuprobieren. Doch so richtig verfolgte er diesen Weg nicht. Sein kleiner Bruder Flaex hingegen schrieb schon mit elf Jahren Texte, die eher Gedichten glichen, viel habe er damals Gedichte und alte Literatur gelesen. „Dann hab’ ich zur Probe mal meine Stimme aufgenommen und es Sero gezeigt. Der fand es geil.“
Maitris startet für Friedenau, wohnt aber nicht dort
So entstand das erste Mixtape der beiden, mittlerweile geben sie Gigs auf der Little Stage in Neukölln, letztes Jahr konnte man sie auch in der Wabe im Prenzlauer Berg hören. Ihren Song „Richtung Horizont“, eine Liebeserklärung an die Musik, werden sie beim Halbfinale erneut zum Besten bringen, blicken dem aber gelassen entgegen. „Wir sind froh, dass wir es überhaupt so weit geschafft haben. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zubrot“, findet Sero. So sehen das auch die Musiker der Band Maitri. Als Soloprojekt von Viola Bornmann existiert Maitri, das im BSC für Friedenau antritt, schon einige Jahre, erst seit einem Jahr musiziert die Sängerin und Pianistin gemeinsam mit Cellistin Janna Fuhlbom und Schlagzeuger Robert Memmler.
„Irgendwann fand ich es zu einsam. Sowohl menschlich als auch musikalisch“, erzählt die gebürtige Baden-Württembergerin Viola Bornmann. „Janna und Robert kenne ich aus der Uni, die habe ich dann gefragt.“ Alle drei haben Musik auf Lehramt an der Universität der Künste studiert, Lehrer will allerdings keiner von ihnen werden. Zwar geben sie nebenbei Musikunterricht, ihr Herz aber schlägt für ihre eigene Kunst. Die BSC-Jury haben Maitri mit ihrem nachdenklichen, emotionalen Indie-Pop überzeugt, den die Band gern als „soulful“ bezeichnet.
Denn es ist kein Soul im herkömmlichen Sinne, den Violas tiefe Stimme und das Cello hervorbringen, aber trotzdem voller Leben. „Der Song ‚I don‘t know’ entstand nach der Lektüre von Maarten’t Harts ‚Ein Schwarm Regenbrachvögel‘, es ist ein Lied aus der Perspektive des einzelgängerischen Protagonisten“, erklärt Viola, die Maitris Texte schreibt. Zwar wohnt keines der Bandmitglieder in Friedenau, zur Musik passe der Stadtteil aber gut, findet Janna Fuhlbom. „Es ist ruhig und beschaulich, außerdem passt der Altersdurchschnitt zu unserer Zielgruppe.“
Lili Sommerfeld möchte im BSC-Halbfinale erstmals tanzen
Die ist bei Lili Sommerfelds Song „The war is over when we dance“ eher jünger. „International“ sei ihre Musik, und das verwundert beim Lebenslauf der 26-Jährigen kaum. Die Halbisraelin wurde in Charlottenburg geboren und wuchs in Rom und München auf, studierte Musik in Boston und Tel Aviv. Nun lebt sie seit vier Jahren in Kreuzberg, für das sie beim BSC auch antritt, und widmet sich ihrer Soulkarriere. „Eigentlich würde ich meinen Stil als New Soul bezeichnen, aber das BSC-Lied ist auf jeden Fall Dance Soul und ein bisschen 70er-Disco. Ich werde nämlich im Halbfinale das erste Mal tanzen!“, sagt Lili und lacht. Ihre Gewinnchancen schätzt sie gut ein, wegen „schicksalhafter Fügungen“, der Song wurde nämlich im SchwuZ geboren, dort, wo am 19. April das Finale stattfinden wird.
„Ich war mit meinem besten Freund tanzen und hatte diese Zeile im Kopf: ‚The war is over when we dance‘“, erzählt Lili. Ihr Song handelt von Freiheit, von Kraft durch Freundschaft und der bedingungslosen Liebe für das, was man ist. Kreuzberg habe Lili da sehr inspiriert, denn hier gebe es diese Freiheit. Allerdings kein Geld. „In Berlin gibt es diese Mentalität: Livemusik gern, aber das darf bitte nichts kosten“, sagt die Soulsängerin. An einem musikalischen Überangebot liege das aber nicht, denn: „Es gibt immer noch eine Note mehr zu singen.“
Berlin Song Contest
1. Halbfinale: am 10. April 2014 um 20 Uhr im BKA-Theater, Mehringdamm 34, Kreuzberg. Eintritt: 15-18 Euro, erm. 10-12 Euro
2. Halbfinale: am 11. April 2014 im Theater O-TonArt, Kulmer Str. 20A, Schöneberg. Eintritt: 15 Euro (bei Vorlage von Halbfinal-Eintrittskarten 10 Euro)
Finale: am 19. April 2014 um 20 Uhr im SchwuZ, Rollbergstr. 26, Neukölln. Eintritt: 15 Euro, erm. 12 Euro (bei Vorlage von Halbfinal-Eintrittskarten 12 Euro)




