Viele BVG-Fahrgäste kennen das: Sie warten in einer dichten Menschentraube auf den nächsten Bus. Wenn der endlich kommt, können zehn Glückliche einsteigen, dann muss der Fahrer die Türen wieder zusperren. Wegen Überfüllung geschlossen. Immer mehr Berliner und Touristen nutzen das Angebot der BVG, 947,3 Millionen Fahrgäste zählte das Unternehmen im vergangenen Jahr. Doch der Erfolg hat eben auch eine Schattenseite. Busse und Bahnen geraten nicht selten an die Grenze ihrer Kapazität und sind so voll, dass sie nicht alle Fahrgäste mitnehmen können oder gleich an der Haltestelle vorbeifahren.
Löst der Fahrer eines Busses, einer Tram oder eines U-Bahn-Zuges in der Leitstelle der Verkehrsbetriebe eine sogenannte 100-Prozent-Meldung aus, können an Haltestellen oder auf dem Bahnhof wartende Fahrgäste nicht mehr mitgenommen werden. Bei den Bussen ist die Zahl dieser Meldungen im vergangenen Jahr ein weiteres Mal gestiegen – im Vergleich zu 2012 um 18 Prozent. Das geht aus der Antwort der Senatsverkehrsverwaltung auf eine Parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Gelbhaar hervor.
Dabei stellten bereits die erst im Februar dieses Jahres veröffentlichten Zahlen für das Jahr 2012 einen Spitzenwert dar, im Vergleich zu 2008 hatte sich die Zahl der 100-Prozent-Meldungen im Busverkehr fast verdoppelt. Die Antwort enthält auch eine von der BVG gelieferte Liste der zehn Buslinien mit den häufigsten 100-Prozent-Meldungen: An der Spitze steht erneut die Linie TXL zum Flughafen Tegel mit 3904 Meldungen. Dann folgen die Metrobuslinien M41 (Sonnenallee/Baumschulenstraße bis Hauptbahnhof) und M29 (Roseneck bis Hermannstraße) mit 3361 und 2855 Meldungen. Das bedeutet: Fast elf Mal pro Tag ist der Flughafen-Zubringer überfüllt, bei rund 300 Fahrten auf dieser Strecke pro Tag. Bei den betroffenen Linien handelt es sich nach Angaben der BVG auch um sehr verspätungsanfällige Verbindungen, sodass ein Großteil der Überfüllungsmeldungen auf Taktlücken zurückzuführen sei.
BVG reagiert auf volle Busse
Etwas besser sieht es laut BVG bei den Straßenbahnen aus. Dort ist die Zahl der überfüllten Züge im Jahresvergleich um elf Prozent zurückgegangen. Die Linien mit den meisten 100-Prozent-Meldungen waren die M6 (Riesaer Straße bis Pflugstraße) mit 191 Meldungen, gefolgt von M4 (Zingster Straße bis Hackescher Markt) und M13 (Virchow-Klinikum bis Warschauer Straße) mit 133 und 107 Meldungen. Den Rückgang erklären Verkehrsverwaltung und BVG mit Veränderungen in der Zusammensetzung der Fahrzeugflotte. Durch die Auslieferung der neuen Flexity-Bahnen stünden auf mehreren Linien größere Kapazitäten zur Verfügung. Bei der U-Bahn lägen nur vereinzelte Überfüllungsmeldungen vor. Sie beträfen die Linien U1, U2, U3, U5, U6, U7 und U8. Die Meldungen für den Zeitraum 1. September bis 30. November 2013 beliefen sich auf durchschnittlich 0,01 Prozent aller Fahrten.
Die BVG kennt das Problem und wird auch darauf reagieren. Wie berichtet, erhalten die Berliner Verkehrsbetriebe für ihre Leistung vom Senat in diesem Jahr 267,5 Millionen Euro und weitere vier Millionen für zusätzliche Leistungen wie mehr Busse oder dichtere Takte. 2015 stehen für Mehrleistungen 7,5 Millionen Euro zur Verfügung. Von dieser Aufstockung sollen beispielsweise vom 1. Juni an auch die Flughafen-Buslinien TXL (ab Alexanderplatz) und X9 (ab Bahnhof Zoo) profitieren. Verbesserungen für Fahrgäste auf den Linien M27, M29 und M41 sind ab dem 27. April vorgesehen.
Kein dichterer Takt, wenn Buss im Stau stehen
Allerdings kann die BVG ihr Angebot nicht beliebig ausweiten. „Das ist zunächst einmal eine Geldfrage“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Das Unternehmen liefere, was das Land Berlin, also der Senat, bestellt und bezahlt. Für die in diesem Jahr geplanten und extra finanzierten Verbesserungen habe die BVG 50 neue Fahrer und Fahrerinnen eingestellt. Das verursache hohe Kosten. Aber vor allem der dichte Verkehr und die vielen Baustellen machten es oft unmöglich, weitere Busse auf die Straße zu schicken. „Es ist sinnlos, dort den Takt zu verdichten, wo Busse dauernd im Stau stehen“, warnt Reetz. Dies führe in aller Regel nur dazu, dass weiterhin lange Zeit kein Bus komme, dann aber mehrere Fahrzeuge in einer Kolonne.
Verbessern könne man die Situation mit einer konsequenten Ampel-Vorrangschaltung für Busse. Das aber kostet nicht nur Geld, sondern ist auch politisch umstritten. Die Vorrangschaltung müsse ja nicht 24 Stunden am Tag laufen, sondern könne auf für Busse besonders problematische Zeiten reduziert werden, entgegnet Reetz. Die BVG verstärkt zudem eigene elektronische Verkehrszählungen in Bussen und Bahnen, um den Einsatz ihre Fahrzeuge zu optimieren. Oft würden sich Spitzenzeiten auf sehr kurze Zeiträume reduzieren, etwa morgens im Schülerverkehr.





