Am Montag hat sich auf dem Oranienplatz ein widersprüchliches Bild geboten. Während auf der südlichen Seite frischer, grüner Rasen ausgerollt wurde, verharrten hungerstreikende Flüchtlinge weiterhin auf dem nördlichen Teil unter Planen und alten Regenschirmen. „Wir bleiben, bis die Politik auf unsere Forderungen reagiert“, sagt Abbi, 34, ein Mann, der vor fast fünf Jahren aus Uganda nach Deutschland kam und bis vor kurzem auf dem besetzten Oranienplatz wohnte.

Vergangenen Dienstag hatten die Flüchtlinge das Camp freiwillig geräumt – exakt 550 Tage nach der Errichtung der ersten Zelte auf dem Platz. Was dem Bezirk Kreuzberg nun bleibt, ist eine zerstörte Grünfläche, die in den kommenden Wochen erneuert werden muss. Wie teuer die Aufräumarbeiten werden, steht noch nicht fest. Solange die Arbeiten laufen, bleibe der Platz eingezäunt. Am frühen Montagmorgen hatten die Mitarbeiter des Berliner Grünflächenamtes damit begonnen, den Rasen auf dem südlichen Teil des Platzes auszurollen. Die Polizei war mit großem Aufgebot vor Ort. Teilnehmer des Hungerstreiks, der am vergangenen Donnerstag angekündigt wurde, schauten von der Nordseite aus zu. Am Wochenende waren noch rund zwei Dutzend Flüchtlinge auf der Grünfläche versammelt. Am Montag waren es nur noch fünf Streikende.

Infocontainer noch nicht zugänglich

„Wir sind nicht mit umgezogen, weil wir eine langfristige Lösung wollen. Wir dürfen immer noch nicht arbeiten – obwohl wir das wollen“, sagt Abbi. Auch die Sudanesin Napuli P. besetzte bis Sonnabendnacht eine Platane am Oranienplatz aus Protest gegen den Abbau des Flüchtlingscamps und die Flüchtlingspolitik. Erst als sie ein Schreiben der Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) erreichte, das den weiteren Dialog verspricht, kletterte sie um 22.30 Uhr vom Baum hinab. Die Sprecherin der Integrationssenatorin, Franziska Schönberner, betonte aber, dass es keine weiteren Verhandlungen geben werde. Mit der Räumung seien die Vereinbarung mit dem Senat erfüllt worden – nun müsse der Bezirk sicherstellen, dass es keine neue Besetzung des Platzes gebe.

Auf dem handgeschrieben Zettel, der Napuli P. überreicht wurde, stand, dass der Platz wie vereinbart künftig als Informations- und Protestplattform, „aber nicht für Schlaf und Wohnzwecke“ dienen soll. Ein provisorischer Infocontainer steht auch schon auf der Nordseite. Nur ist dieser wegen der Absperrung momentan nicht zugänglich.

nmo