Engelbert Lütke Daldrup wollte ein Zeichen setzen. Der designierte Bau-Staatssekretär möchte nicht der abgehobene Ministerialbeamte sein, der Bauprojekte durchpeitscht. Darum sei er „in seiner Freizeit“ in den Saal der früheren Druckmaschinenfabrik Rotaprint in Wedding gekommen, um sich Initiativen, Genossenschaften, Planern und Projektvertretern zu stellen.
Diese Aktivisten sahen in Lütke Daldrups noch etwa eine Woche amtierenden Vorgänger Ephraim Gothe einen Alliierten bei ihrem Bemühen, Freiräume in der Stadt zu erhalten, Projekte jenseits der Investorenlogik zu verwirklichen und Bürger und Betroffene bei Planungsprozessen mitentscheiden zu lassen. Dass Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) Gothe durch den früheren Staatssekretär im Bundesbauministerium ersetzt, verstehen sie als Alarmsignal.
Der Senator versetzt seinen langjährigen Parteifreund und Weggefährten Gothe zum 6. April 2014 in den einstweiligen Ruhestand. Ab dem 7. April wird Engelbert Lütke Daldrup, 57, das Ressort Bauen und Wohnen übernehmen.
Mit Gothe habe man in den vergangen Monaten viele Projekte entwickelt, sich ausgetauscht und eine Dialogkultur etabliert. „Viele dieser Instrumente fangen jetzt an zu greifen“, sagt Cordelia Polinna von der Initiative Think Berlin, die sich in die Stadtplanung einmischt. „Jetzt wird ein Strich gezogen“, vermutet sie eine Kurskorrektur hinter Müllers Personalwechsel. Die Aussagen, der Neue solle vor allem Wohnungsbauvorhaben schneller voranbringen, hat die Szene aufgeschreckt.
Aus seiner Zeit als Stadtbaurat in Leipzig sei er es durchaus gewohnt, mit Initiativen von unten zusammenzuarbeiten, sagte der Planer. Ihm sei auch klar, dass man sich neben dem Wohnungsneubau auch dem Bestand widmen müsse. Der Stadtplanerin Jutta Kalepky, die städtische Grundstücke nicht mehr verkaufen, sondern nur in Erbpacht vergeben will, begegnete er mit einem Verweis auf die Politik des Landes. Die Koalition setzt nicht mehr nur auf den Verkauf zum Höchstpreis, sondern will verstärkt in Kalepkys Richtung gehen. „Es hat sich was bewegt in der Liegenschaftspolitik“, sagte Lütke Daldrup.




