Exakt sieben Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen Türsteher des Soda-Clubs in Berlin-Prenzlauer Berg steht der Fall unmittelbar vor der Aufklärung.
Spezialkräfte der Berliner Polizei haben am Mittwochvormittag in einer Wohnung an der Meteorstraße in Reinickendorf zwei Männer unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Die Verdächtigen, 28 und 29 Jahre alt, sollen nach Informationen der Berliner Morgenpost der Rockergruppe Hells Angels angehören. Fahnder des Landeskriminalamtes hatten die Männer offenbar schon längere Zeit im Visier, beide wurden zuletzt von Spezialisten eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) observiert. Die Festnahme am Mittwoch erfolgte durch Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK).
Gegen die beiden Verdächtigen habe ein Ermittlungsrichter bereits vor dem Zugriff Haftbefehle erlassen, sagte Martin Steltner, der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, am Mittwoch. Ihnen werde nicht nur der Mord an dem Türsteher in Prenzlauer Berg, sondern auch ein versuchter Mord Ende Dezember 2013 vorgeworfen, teilte Steltner weiter mit.
Bei der Tat im Dezember geht es offenbar ebenfalls um eine Auseinandersetzung im Rockermilieu. Die Täter sollen ein Mitglied einer rivalisierenden Gruppe niedergestochen haben. Das Opfer überlebte damals schwer verletzt.
Opfer hatte keinerlei Verbindungen zur Szene
Der Türsteher Sebastian K., 39, genannt „Locke“ wurde in den frühen Morgenstunden des 1. September 2013 vor dem beliebten Club niedergeschossen. Die Polizei vermutete schon frühzeitig einen Zusammenhang mit dem Rockermilieu, das Opfer selbst hatte zwar keinerlei Verbindungen zu der Szene, war aber einige Wochen vor der Tat vor einer Diskothek in Mitte in Auseinandersetzungen mit Rockern hineingeraten. Die Ermittlungen verliefen über Monate trotz einer ausgesetzten Belohnung von 10.000 Euro ergebnislos, jetzt gelang offenbar der Durchbruch.
Die beiden am Mittwoch festgenommenen Verdächtigen sollen nach Informationen der Berliner Morgenpost zum Umfeld des Rocker-Bosses Kadir P. gehören. P. trat vor zwei Jahren in einer spektakulären Aktion mit seinen Gefolgsleuten geschlossen von den Bandidos zu den Hells Angels über, ein in der Szene bis dahin beispielloser Seitenwechsel, der die Rivalitäten zwischen den beiden Banden in Berlin nochmals anheizte. Er sitzt seit mehreren Wochen in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft sieht in ihm den Drahtzieher für den Mord in einem Wettbüro in Reinickendorf, bei dem ein 26-Jähriger mit mehreren Schüssen regelrecht hingerichtet wurde.
Wie die Berliner Morgenpost berichtet hatte, gibt es im Umfeld der Hells Angels offenbar einen Insider, der sich den Behörden als Kronzeuge zur Verfügung gestellt hat und seither fleißig aussagen soll, wie es ein Ermittler formulierte. Ob auch die Festnahme am Mittwoch auf Informationen dieses Zeugen beruhte, dazu wollten Polizei und Staatsanwaltschaft nichts sagen. Ein Ermittler geht allerdings davon aus, dass es im Milieu zu weiteren Festnahmen kommen wird.
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