Den weltweit besten Kaffee am Set gibt es laut George Clooney in Berlin und Brandenburg. Erst vor wenigen Monaten stand der US-Star für den Blockbuster „Monuments Men“ hier vor der Kamera. „Sucht Hollywood einen geeigneten Standort für den nächsten Film, steht die deutsche Hauptstadtregion längst auf der Liste möglicher Produktionsorte“, sagte Florian Huber von Ernst & Young am Montag bei der Vorstellung der Studie zur „Film- und Fernsehproduktion in Berlin-Brandenburg“.

Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen hat darin im Auftrag der Investitionsbanken Berlin und Brandenburg, des Branchennetzwerks Media Connect Brandenburg und der Filmfördergesellschaft Medienboard Berlin-Brandenburg die Entwicklung des Filmstandorts in den vergangenen zehn Jahren analysiert. Fazit aus Statistik, Online-Umfrage und Interviews mit Filmemachern: Bundesweit rangiert Berlin-Brandenburg im regionalen Vergleich mit an der Spitze.

Mit 3800 Produktionsminuten jährlich für das Kino zieht die Hauptstadtregion an München, Köln oder Hamburg vorbei. Die Gründe dafür seien vielfältig. Hoch qualifiziertes Personal stehe zur Verfügung, das auch internationale Großproduktionen „hollywoodreif“ stemmen könne. „Hier gibt es Ausbildungsstätten wie die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam, die technische Infrastruktur, mit Studio Babelsberg den größten Studiokomplex Europas und ein noch immer günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis bei Mieten, Löhnen oder Lebenshaltungskosten“, zählt Huber auf.

Magnetkraft würden zudem die Nähe zu Filmförderern, die große Zahl an Kinos und besonderen Dreh-Locations sowie die rund 70 Festivals entfalten, „vor allem aber die zahlreichen Start-ups im digitalen Kreativsektor, die neue Plattformen für audiovisuelle Projekte schaffen“. Auch entstünden die meisten international ausgezeichneten Filme in der Hauptstadtregion, sagte Huber. Beispielhaft nannte er „Das weiße Band“, „Liebe“, „Inglourious Basterds“, „Der Vorleser“ oder „Cloud Atlas“.

Umsätze in Bayern liegen noch höher

Davon profitiert natürlich auch die Region: Der volkswirtschaftlichen Gesamteffekt betrug laut Studie zuletzt nahezu 1,3 Milliarden Euro. Die Wirtschaftsprüfer sprechen für das Jahr 2012 von einem Regionaleffekt von 381 Prozent: Die 23,9 Millionen Euro Förderung hätten in der Region zu Ausgaben von 86,1 Million Euro geführt. Bedeutet, dass jeder Förder-Euro einen nahezu vierfachen Umsatz in Berlin und Brandenburg auslöst. Denn neben der Filmbranche würden auch Dienstleister, Handwerker, Hotels, Gaststätten oder Autovermietungen indirekt von der Förderung profitieren.

Bei den Umsätzen der Film- und TV-Wirtschaft rangiert Berlin-Brandenburg allerdings hinter Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hamburg/Schleswig-Holstein. Für Medienboard-Geschäftsführer Elmar Giglinger nicht verwunderlich. Die größten öffentlich-rechtlichen und privaten Sender seien eben nicht an Spree und Havel zu Hause, sagte er mit Verweis auf den Bayerischen Rundfunk und die Sat.1-Gruppe in München oder den WDR und die RTL-Gruppe in Köln.

Giglinger spricht von „nachhaltigen Rückschlägen“ im Fernsehbereich in den vergangenen Jahren. „Der Verlust zweier Serienproduktionen und der Wegzug von Sat.1 aus Berlin waren schmerzlich“. Der gefürchtete Kahlschlag sei jedoch ausgeblieben, eine Negativspirale nicht ausgelöst worden. „Obwohl etliche Produzenten zeitweilig überlegt haben, nun auch Berlin zu verlassen.“ Die Hauptstadt müsse sich künftig noch intensiver auf ihre Stärken konzentrieren. Die sieht Giglinger bei crossmedialen Projekten, Video-on-Demand und interaktivem sowie Social-TV.

Carl L. Woebcken, Vorstandsvorsitzender der Studio Babelsberg AG, bewertet spärlich fließendes Geld aus Fördertöpfen – ob aus dem Deutschen Filmförderfonds oder aus der regionalen Filmförderung – als Hemmschuh der weiteren Entwicklung. Schon jetzt sei an Großproduktionen nur schwerlich heranzukommen.