Sie ist herzlich, ganz nach amerikanischer Manier, selbst wenn man sich nur ein paar Mal gesehen hat. Mit einem strahlenden Lächeln kommt Jackie Emerson an diesem Nachmittag ins Café Sets in der Schlüterstraße, opfert zwei Stunden ihrer kostbaren Zeit in Berlin für ein Interview. „Kein Problem, das ist mir wirklich eine große Ehre“, sagt die 19-Jährige und lächelt. Sie weiß, wie sie ankommt, dass sie charismatisch ist. Aber wahrscheinlich ist das Voraussetzung für das, was sie bislang in ihrem noch recht kurzen Leben erreicht hat.
Jacqueline „Jackie“ Emerson ist die älteste Tochter des US-Botschafter-Ehepaars in Berlin. John B. Emerson und seine Frau Kimberly sind stolz auf ihre Tochter, die an der renommierten amerikanischen Universität Stanford studiert, bereits in Hollywood-Produktionen als Schauspielerin zu sehen war und ganz nebenbei auch noch das Gesicht der Initiative „She’s so Boss“ ist. Jackie ist nur die ersten Wochen nach der Amtsübernahme ihres Vaters im August in Berlin geblieben, dann ging sie zurück in die USA, um mit ihrem Studium zu beginnen. Während der Frühlingsferien hat sie nun ihre Familie für eine Woche besucht.
„Ich vermisse meine Familie sehr, aber dank der Technologie, die uns heute zur Verfügung steht, können wir in ständigem Kontakt sein“, sagt die junge Frau, die zwei jüngere Zwillingsschwestern hat, die ihre „besten Freundinnen“ sind. „Wir schaffen es glücklicherweise, uns über die wichtigsten Dinge in unserem Leben auf dem Laufenden zu halten – trotz der vielen Flugstunden, die zwischen uns liegen.“ Die Zeit in Berlin nutze sie nun, um die Schule ihrer Schwestern kennenzulernen, ihre Freunde zu sehen und endlich einmal zu ihrem Alltag zu gehören. „Ich habe die ganze Zeit sehr interessiert gefragt, aber eigentlich wusste ich bereits alles über sie“, sagt die Studentin und lächelt. „In dieser Woche liebe ich es, zu Hause zu sein, mit Hayley und Taylor zu kochen und einfach am Familienleben teilzunehmen.“
Neben dem Studium lernt Emerson Chinesisch
Im Alltag hat Jacqueline dafür wenig Muße. Ihr Psychologiestudium nimmt viel Zeit in Anspruch, nebenbei lernt sie Chinesisch, weil sie als zweites Fach Asien-Wissenschaften gewählt hat. „Das ist schon eine schwierige Sprache, aber ich liebe sie.“ Fürs Lernen bleibt ihr nur wenig Zeit, weil sie für „She's so Boss“ – eine Einrichtung, die sich für die Förderung von jungen Frauen im Berufsleben engagiert – in den USA unterwegs ist. Eine weitere Unterstützerin der Initiative ist Maria Shriver, die Ehefrau von Arnold Schwarzenegger. „Wir wollen Mädchen Mut machen, sich etwas zuzutrauen und motiviert und mit viel Selbstbewusstsein in den Beruf zu starten.“ Ein Vorbild will sie auch für ihre Schwestern sein, mit denen sie in dieser Woche viel in Berlin unternommen hat. „Wir waren auf dem Bio-Markt, auf dem Flohmarkt am Mauerpark, haben uns den Fernsehturm angeschaut, sind spazieren gegangen, sind Fahrrad gefahren.“ Fürs Essen sind sie meistens zu Hause geblieben. „Das Essen in der Residenz ist einfach das beste“, gibt sie zu. „Da brauche ich in kein teures Restaurant zu gehen.“
An Berlin schätzt die junge Frau die lange Geschichte, die die Stadt in sich trägt. „Hier kann man wirklich an jeder Ecke sehen, dass diese Stadt viel durchgemacht hat“, sagt sie. „Und ich finde beeindruckend, wie die Deutschen mit ihrer Geschichte umgehen.“ Am Bewegendsten ist für sie das Holocaust-Denkmal, das sich in unmittelbarer Nähe zur amerikanischen Botschaft befindet. „Jedes Mal, wenn ich da bin, schaue ich dort vorbei. Das ist wirklich unglaublich beeindruckend.“
Im nächsten Jahr ein paar Monate in Berlin
Beeindrucken kann jedoch auch Jackie Emerson. Im vergangenen Jahr hat sie in dem Hollywood-Film „Tribute von Panem“ die Rolle des „Fuchsgesichts“ gespielt – rein zufällig, wie sie erzählt. „Das ist eine ganz wichtige Erfahrung für mich gewesen, ich habe gemerkt, wie sehr ich das Schaupielern liebe“, sagt die junge Frau. Derzeit stünden jedoch das Studium und ihre Initiative an erster Stelle. „Aber so ganz kann ich es doch nicht lassen. In Stanford spiele ich in einer Shakespeare-Gruppe. Das ist super.“
Am Sonntag geht es wieder in die USA zurück. Doch Jackie Emerson hofft, nicht zu lange auf ihre Familie verzichten zu müssen. Ihr großes Ziel ist es, im nächsten Jahr für einige Monate in Berlin bleiben zu können. Die Stanford-University habe eine Art Zweigstelle in Berlin, an der sie einige Zeit studieren könne, sagt sie. „Dann könnte ich auch endlich mal einen Alltag hier in Berlin haben, die Stadt noch ein bisschen besser kennenlernen.“
Bei ihrem nächsten Besuch will sie Kreuzberg und Friedrichshain entdecken. Bislang habe sie Charlottenburg, Mitte und Prenzlauer Berg erkundet. „Ich habe ja noch etwas Zeit. Meine Eltern lieben ihre Arbeit in Berlin. Meine Familie wird immer mit dieser Stadt verbunden sein.“


