Wach und ausgeruht wirkt sie, wie sie da auf dem roten Teppich steht. Die Fotografen rufen, die Verteidigungsministerin lächelt. Keine Spur davon, dass sie gerade erst wieder zurück ist vom Truppenbesuch im Süden der Türkei. Alles andere hätte man bei der so disziplinierten Ursula von der Leyen (CDU) auch nicht erwartet.
Der Zoo Palast in Berlin-Charlottenburg am Mittwochabend. Ursula von der Leyen ist hier, weil sie sich den Film „Zwischen Welten“ anschauen will. Der Film über einen deutschen Soldaten in Afghanistan lief schon auf der Berlinale, von diesem Donnerstag an ist er in den Kinos zu sehen.
„Was gehört für Sie zum perfekten Kinobesuch?“, wird von der Leyen von einer Journalistin gefragt. „Dazu gehört natürlich Popcorn“, sagt die Ministerin. Lacht. Und geht in den Kinosaal. Kurze Zeit später huscht Peer Steinbrück über den roten Teppich. Niemand spricht ihn an, bittet um ein Foto oder ein paar schnelle Sätze. Hätte die SPD am 22. September vergangenen Jahres die Bundestagswahl gewonnen, würde er jetzt im Mittelpunkt stehen. Und für von der Leyen würden sich wahrscheinlich weniger interessieren.
Der Abend ist zunächst eine Von-der-Leyen-Show
Doch so ist es nun mal nicht. Der Abend ist zunächst eine Von-der-Leyen-Show. Bis das Licht ausgeht. „Zwischen Welten“ ist ein nachdenklicher Film. Es geht um den deutschen Soldaten Jesper (Ronald Zehrfeld) und seinen afghanischen Übersetzer Tarik (Mohsin Ahmady). Der Film beginnt damit, dass Jesper am Strand joggt. Er schwitzt, atmet schwer. Vom ersten Moment ist das zentrale Thema des Films gesetzt: die Überforderung der Soldaten. Es ist keine Heldengeschichte wie in den großen US-Kriegsfilmen der vergangenen Jahre, etwa in „Zero Dark Thirty“, der die Suche und die chirurgisch geplante Tötung von Osama bin Laden zeigt. Oder wie „Lone Survior“, der die Eliteeinheit Navy Seals als harte Kämpfer feiert.
Regisseurin Feo Aladag („Die Fremde“) zeigt in „Zwischen Welten“ hingegen deutsche Soldaten, wieder schwitzend und keuchend, wie sie zwischen Eseln herumlaufen und sich mit Kleinkram und selbst auferlegter Bürokratie rumschlagen müssen. Und sie beschreibt das schwierige Zusammenleben mit der afghanischen Bevölkerung.
Ursula von der Leyen empfand, so sagt sie es hinterher, den Film „beeindruckend, aber auch bedrückend“. „Zwischen Welten“ stelle die Sinnfrage – und zeige auch die Zweifel. Sie hoffe, dass sich die Deutschen den Film anschauen: „Er erzählt eine Geschichte über Afghanistan, über die wir hier zu wenig reden. Der Film regt an, und zwar in jeder Hinsicht. Da geht keiner unberührt raus.“


