Wirtschaft

Kampf um Macht und Einfluss in der Messe Berlin

Senatorin Yzer will den Aufsichtsratschef der Berliner Messe, Hans-Joachim Kamp, loswerden. Doch Kamp möchte erneut für das Amt kandidieren - und er hat mächtige Freunde in der Wirtschaft.

Foto: Paul Zinken / dpa

Zwischen wichtigen Vertretern der Berliner Wirtschaft und der Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) herrscht Unfrieden. Es wird schlecht geredet über die Christdemokratin, die vor anderthalb Jahren in den Senat wechselte. Ausgangspunkt des Konfliktes ist ein Machtkampf um die zukünftige Aufstellung der Messe Berlin. An einem ähnlichen Streit mit den machtbewussten Messe-Managern und ihren Netzwerken war Yzers Vorgängerin Sybille von Obernitz gescheitert.

Es geht darum, wie viel Einfluss das Land Berlin und seine Vertreterin Yzer bei der Besetzung des Messe-Aufsichtsrates nehmen soll. Dem Land gehören 99 Prozent der Messegesellschaft. Die Anteile der Industrie- und Handelskammer (IHK), der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner und zweier Wirtschaftsverbände sind eher symbolisch.

Showdown am 6. Juni

Der Showdown im Machtkampf steht am 6. Juni bevor. An diesem Tag werden turnusgemäß nach fünf Jahren die Mitglieder des Aufsichtsrates neu bestellt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost will Yzer den jetzigen Vorsitzenden des Kontrollgremiums, Hans-Joachim Kamp, ablösen und auch weitere frische Kräfte in den Aufsichtsrat holen. Kamp, der seit fünf Jahren an der Spitze des Gremiums steht, will jedoch weiter amtieren. Und hat für sein Ansinnen mächtige Unterstützer aus der Berliner Wirtschaft.

Der Zwist zwischen Kamp und Yzer, seiner Stellvertreterin im Aufsichtsrat, schwelt schon seit November 2012. Damals musste ein Nachfolger für den scheidenden Messechef Raimund Hosch gefunden werden. Aussichtsreicher Kandidat war Hoschs Vize Christian Göke. Die damalige Wirtschaftssenatorin von Obernitz wollte ihn nicht und schaltete eine Stellenanzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in der ein Geschäftsführer für die Messe Berlin gesucht wurde. Ergebnis: Sie musste zurücktreten. Cornelia Yzer setzte dann ein sachgerechtes Auswahlverfahren in Gang, das am Ende drei Kandidaten auswies.

Am Tag vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung soll die Senatorin bei der IHK, für die Hauptgeschäftsführer Jan Eder dem Rat angehört, angerufen und erklärt haben, sie favorisiere nicht Göke, sondern den Zweitplatzierten im Verfahren. Die IHK soll signalisiert haben, sie habe damit kein Problem – unter der Voraussetzung, dass auch der ehemalige Phillips-Chef Kamp damit einverstanden sei. Das war aber offenbar nicht der Fall. Kamp soll mit Rücktritt vor der Sitzung gedroht haben, wenn Göke nicht zum Geschäftsführer bestellt werde.

Yzer wünscht sich eine Erneuerung des Gremiums

Yzer schweigt öffentlich zum Thema Messe und der Aufsichtsratsbesetzung. Doch sie strebt eine Erneuerung des Gremiums an. Vor allem wünscht sie sich statt des 65 Jahre alten Kamp Manager oder Verbandschefs, die operative Verantwortung tragen. Zudem fragt man sich in der Wirtschaftsverwaltung, ob die Struktur des Aufsichtsrates noch zeitgemäß ist. Dort spielen die Vertreter der großen berliner Leitmessen eine maßgebliche Rolle. Kamp etwa ist Aufsichtsratschef der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu), die alljährlich die Internationale Funkausstellung (IFA) veranstaltet.

Zudem sitzen für die Grüne Woche der Chef des Bauernverbandes und für die Internationale Tourismusbörse der frühere Präsident des World Travel Council im Aufsichtsrat. Nicht mit eigenen Branchenvertretern dabei sind die beiden jüngsten Berliner Leitmessen, die Schienenverkehrswirtschaft mit der Innotrans und die Fruchthändler mit der Fuit Logistica. Im Hause Yzer fragt man sich zudem, ob es nicht sinnvoll wäre, auch Vertreter anderer Berliner Zukunftsbranchen wie IT oder Spielentwickler in die Verantwortung zu holen.

Niemand bestreitet, dass die Wirtschaftssenatorin das Recht hat, einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden für die landeseigene Messe zu suchen. Wirtschaftskreise monieren allerdings, in welcher Form des Umgangs das geschieht – und befürchten sogar einen schwerwiegenden Nachteil für Berlin: den mittelfristigen Verlust der IFA für Berlin. Hans-Joachim Kamp habe gedroht, die Funkausstellung aus Berlin abzuziehen, wenn er nicht weiter Aufsichtsratschef der Messe bleibe. Diese Trumpfkarte im Machtpoker dürfte Kamp jedoch verloren haben. Ende Januar verlängerte die gfu den IFA-Vertrag mit Berlin um weitere fünf Jahre. Dennoch fürchten nun Berliner Wirtschaftsvertreter, die Riesenmesse könne wegen des Ärgers um Kamp in fünf Jahren in eine andere Stadt wechseln.

Grüne Opposition unterstützt die Wirtschaftssenatorin

Am Abend der Vertragsverlängerung habe Yzer dem Aufsichtsratschef mitgeteilt, dass sie nicht mehr mit ihm arbeiten wolle und das Vertrauensverhältnis zerstört sei, wird kolportiert. Kamp habe ihr widersprochen und angekündigt, erneut zu kandidieren. Nach Morgenpost-Informationen sucht nun Yzer einen Kandidaten, der gegen den Philips-Mann antritt. Weil aber grundsätzlich alle Posten im Aufsichtsrat vakant sind, ist der Ausgang des Manövers völlig offen. Anders als ihre Vorgänger Obernitz und der Linken-Politiker Harald Wolf ist die frühere Chef-Lobbyistin der deutschen Pharma-Branche persönlich gut genug vernetzt, um diskret Gespräche mit Kandidaten führen zu können.

In Wirtschaftskreisen heißt es, die Messe stehe sehr gut da, es gebe also eigentlich keinen Grund, einen Streit vom Zaun zu brechen. Yzer hat jedoch dem Vernehmen nach ein paar tiefere Einblicke in die Messe-Aktivitäten gefordert, die Messe-Chef Göke nicht gefallen haben sollen. So habe sie sich nach den wirtschaftlichen Ergebnissen verschiedener Einzelprojekte erkundigt und dränge die Messe, sich auch um die Vermarktung der riesigen Hangars am ebenfalls landeseigenen Flughafen Tempelhof zu kümmern.

Ein solches Engagement werde von der Messe seit Monaten eher wiederstrebend geprüft, hieß es. Auch die Informationspolitik der Messe-Führung über steigende Kosten und Verzögerungen beim Bau des als Ersatz für das ICC errichteten City Cubes hat der Senatorin verärgert. Öffentlich mahnte sie eine bessere Kommunikation an.

Politik will Landesunternehmen stärker kontrollieren

Unterstützung bekommt Yzer von der Opposition. „Manchmal ist ein Generationswechsel ganz erfrischend“, sagte die Wirtschaftsexpertin der Grünen, Nicole Ludwig: „Die Geschäfte laufen zwar gut, aber hier und da könnte die Messe innovativer sein.“

Yzers Vorgehen passt in eine Stimmungslage, in der die Politik die Landesunternehmen wieder stärker kontrollieren und deren Eigenleben beenden will. Diese Strategie wurde bislang eher von der SPD und deren parteiloser Finanzsenator Ulrich Nußbaum verfolgt als von Yzers CDU. Der Blick mancher Wirtschaftsvertreter auf Yzer hat sich jedoch noch einmal geschärft, seit sie vergangene Woche als Vorsitzende des Verwaltungsrates den Chef der Investitionsbank Berlin (IBB) Ullrich Kissing wegen nicht bezahlter Sozialabgaben feuerte.

Kissing gehörte zum engsten Kreis aus IHK, Berlin Partner und Landesunternehmen. Seine Kündigung halten nicht wenige in diesem Zirkel für überzogen.