Kongresscenter

Frage nach der Zukunft des ICC bleibt unbeantwortet

Das ICC hat nach 35 Jahren wegen baulicher Mängel geschlossen. Die künftige Funktion des Gebäudes bleibt unklar. Fachleute warnen allerdings vor einer Stilllegung des größten Kongresscenters Europas.

Während beim neuen Kongresscenter „City Cube“ die Ausbauarbeiten auf Hochtouren laufen, sind die Türen beim ICC nun verschlossen. Wie es mit Europas größtem Kongresszentrum weitergeht, ist noch offen. „Zu den darauffolgenden Schritten der Überführung in den Stillstandsbetrieb laufen derzeit Gespräche mit den Eigentümern, den Senatsverwaltungen für Wirtschaft und Finanzen“, sagt Wolfgang Wagner von der Messe Berlin GmbH, die das ICC betreibt. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bedauert die Schließung. „Wir haben die dringende Erwartung an den Eigentümer, darauf zu achten, dass nicht in Kürze Verwahrlosung und eine Situation wie früher in der Bronx entsteht“, sagte Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD).

Noch werden Konzepte für eine künftige Nutzung geprüft. Die Senatswirtschaftsverwaltung hatte, wie berichtet, das Beratungsunternehmen Drees & Sommer beauftragt, eine Marktabfrage durchzuführen, um wirtschaftlich tragfähige und schlüssige Nutzungskonzepte von potenziellen Investoren für das ICC zu erhalten. Mehr als zehn Projektentwickler haben ihr Interesse an der Umsetzung dieser Konzepte signalisiert.

Ende März soll dem Senat und anschließend auch dem Abgeordnetenhaus ein Bericht zum aktuellen Stand vorgelegt werden. Dabei werden auch Empfehlungen zum weiteren Vorgehen gegeben, sagt Alexander Dennebaum, stellvertretender Sprecher von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). Ohne umfangreiche Sanierung könne der Betrieb nach Abstimmung mit dem TÜV längstens bis Ende Juni aufrechterhalten werden. „Das weitere Verfahren für die temporäre Stilllegung des ICC wird derzeit vom Land Berlin und der Messe Berlin erarbeitet“, so Dennebaum weiter.

Das ICC vor Verwahrlosung und Vandalismus schützen

Fachleute fordern allerdings, dass der große Bau nicht einfach zugeschlossen werden darf. „Die Nutzung kann eingeschränkt werden. Sie muss aber parallel zur Sanierung weiterlaufen. Die Schließung ist der Tod eines jeden Gebäudes, der erste Winter wird es kaputt machen“, sagt Rainer Tepasse. Er ist Diplom-Ingenieur und vereidigter Sachverständiger für Gefahrstoffe am Bau. Zusammen mit Jürgen Nottmeyer, dem ehemaligen leitenden Baudirektor in der Senatsbauverwaltung und in dieser Funktion damals fürs ICC zuständig, fordert Tepasse bis zur Sanierung das Gebäude für Führungen und Besichtigungen geöffnet zu halten. Doch nach dem jetzigen Zeitplan wird die Daimler-Hauptversammlung am 9. April die letzte Veranstaltung sein, zu der das wiederholt von der Fachwelt als bestes Kongresszentrum der Welt ausgezeichnete Haus seine Türen schließt.

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bedauert die Schließung und sorgt sich, dass aus dem silberfarbenen „Raumschiff“ eine verwahrloste Bauruine entstehen könnte. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) hat bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, der das von der Messe Berlin betriebene ICC gehört, schon angemahnt, dass das Gebäude vor Verwahrlosung und Vandalismus geschützt werden muss. Eine Entwicklung als reines Einkaufszentrum lehnt Naumann als zu risikoreich für nahe Einkaufsstraßen wie die Wilmersdorfer Straße, Kantstraße und Reichsstraße ab. „Ohne Shopping wird es vermutlich wegen der Kosten ja nicht gehen. Aber die Messe- und Hotelnutzung muss Priorität haben“, fordert er. Zudem schlägt er vor, dass geprüft werden sollte, ob das ICC oder zumindest Teile davon schützenswert als Denkmal sind. Am 8. April wird der Bezirk laut Naumann über die Ergebnisse der von der Senatswirtschaftsverwaltung in Auftrag gegebenen Markterkundung informiert.

„Wir brauchen das ICC weiterhin als Veranstaltungsort. Die neue Kongresshalle wird die Qualität, die das ICC mit seinen multifunktionalen Möglichkeiten bietet, nie erreichen“, fordern unterdessen Rainer Tepasse und Jürgen Nottmeyer. Sie haben in alten Akten recherchiert und auch Baumaterial untersuchen lassen. Wie berichtet, ist nach ihren Erkenntnissen die Sanierung des ICC weniger aufwendig als bislang angenommen.