Bernd Müller (Name geändert) macht Online-Banking. Der Charlottenburger hatte nie Probleme, bis er eines Tages zu einer zweistufigen Sicherheitsabfrage aufgefordert wurde. Er solle seinen Gerätetyp und seine Handynummer angeben und eine Tan per SMS bestätigen. Alles wirkte seriös. Doch die vermeintliche Probe-Überweisung von 50 Euro entpuppte sich als echte Transaktion von 5000 Euro. Das konnte Müller allerdings nicht sehen, natürlich auch nicht, auf welches Konto sein Geld ging. Kriminelle hatten seinen Computer mit einer Schadsoftware infiziert.

Für Carsten Szymanski gehören solche Fälle zum Tagesgeschäft. Der 49-Jährige leitet im Landeskriminalamt der Berliner Polizei seit 2011 das Dezernat LKA 33 für Waren- und Leistungsbetrug sowie Computerkriminalität. Berlin ist das einzige Bundesland, in dem Cybercrime zentral bearbeitet wird – und das sehr erfolgreich. Vor allem beschäftigt man sich dort mit Phishing-Fällen, also Straftaten, bei denen Kriminelle über gefälschte Webseiten, E-Mails oder SMS-Kurznachrichten an Daten eines Internet-Nutzers gelangt sind und damit Betrugsdelikte begehen.

Ziel ist meist, mit den erhaltenen Daten das Girokonto des Opfers zu plündern. Diese Straftaten bestehen aus zwei Teilen, dem eigentlichen Computerbetrug und der Geldwäsche. Bei der Geldwäsche kann das LKA 33 eine Aufklärungsquote von mehr als 90 Prozent vorweisen, beim Computerbetrug ist sie wesentlich geringer. Die Geldwäscher würden häufig von Banden in Osteuropa angeworben, die Täter sprächen Russisch, kämen aber aus baltischen Staaten oder Bulgarien.

Experte empfiehlt gesundes Misstrauen

Das Internet bestimmt immer mehr den Alltag. Berliner jeden Alters nutzen es als Informationsmedium, zur Kommunikation oder zum Einkaufen. Doch mit dem Anstieg der Nutzung sind auch die Möglichkeiten gestiegen, Daten zu missbrauchen und für kriminelle Zwecke zu nutzen. Deshalb hat die Berliner Morgenpost das Netz ins Zentrum ihres siebten Leserforums im Rahmen der Reihe „Morgenpost vor Ort“ gerückt. Am Dienstag, 1. April, möchten wir mit Ihnen, unseren Lesern, und fünf Experten diskutieren. „Internet-Nutzung – Was muss ich beachten? Internet-Kriminalität – Wie kann ich mich schützen?“ lautet das Thema um 18.30 Uhr im Willy-Brandt-Saal des Rathauses Schöneberg am John-F.-Kennedy-Platz. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist für Leser der Berliner Morgenpost kostenlos, allerdings müssen Sie sich vorher anmelden (siehe Infokasten links).

Als Experten auf dem Podium diskutieren am Dienstag, 1. April:

Thomas Heilmann (CDU). Er ist als Senator für Justiz und Verbraucherschutz in beiden Bereichen seines Amtes mit dem Problem des Cybercrime befasst.

Carsten Szymanski, Leiter des Dezernats für Cybercrime im Berliner Landeskriminalamt.

Jan Wilschke, Experte der Verbraucherzentrale Brandenburg. Der Jurist ist Leiter des Beratungszentrums in Frankfurt (Oder) und Experte für Urheberrecht.

Pia Frey, Journalistin (Axel Springer Akademie). Sie studierte Philosophie und gründete vor einem Jahr den Pressekompass, eine Software, die interaktive Meinungsbilder erstellt und täglich eine visualisierte Presseschau veröffentlicht.

Hajo Schumacher. Der Morgenpost-Kolumnist und -Autor moderiert die Veranstaltung.

Experte Szymanski sagt, dass sich sehr wohl jeder weitgehend gegen Cybercrime schützen könne. Das Wichtigste dabei sei ein gesundes Misstrauen: „Was der Täter macht, weicht immer vom Normalen ab“, warnt er.

Vorsicht vor E-Mail-Anhängen

Auch Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann rät zur Vorsicht: „Sehr gefährlich ist das Versenden von vertraulichen Daten über offene W-Lans. Davon rate ich grundsätzlich ab. Wenn ich etwas über das Internet bezahle, dann am besten über meine Festleitung zu Hause oder im Büro. Die offenen W-Lans sind leicht kopierbar. Das kostet nur wenige Hundert Euro. Damit kann ein Krimineller Datenströme von vielen Menschen abfangen und auswerten. Mit dem W-Lan zu Hause passiert das praktisch nicht – vorausgesetzt, es ist mit einem Passwort geschützt.“

Aktuell beobachte seine Verwaltung auch das Phänomen, dass sich Internet-Nutzer eine Schad-Software einhandeln, weil sie einen E-Mail-Anhang aus unbekannter Quelle öffnen. „Dieser Anhang verschließt Ihren Computer, die Daten sind nicht mehr nutzbar. Dann bekommen Sie eine E-Mail des Kriminellen, der fordert 100 Euro – und Ihr Problem ist gelöst“, sagt Heilmann. Oft funktioniere diese Erpressung, viele zahlten zähneknirschend die 100 Euro, um einen Schlüsselcode zu bekommen, der den Zugang zu den Daten wieder öffnet.