Schon seit rund einem Jahr hat die Berliner Polizei geprüft, geplant und erörtert, wie die modernen Kommunikationsmittel im Internet für ihre Zwecke genutzt werden könnten. Ein eigenes Projekt Social Media wurde in der Behörde ins Leben gerufen. Am Donnerstag nun das Ergebnis: Die Berliner Polizei twittert ab sofort. „Ab diesem Frühling ‚zwitschert‘ auch die Polizei Berlin mit“, verkündete Polizeipräsident Klaus Kandt.

Gleich zwei Profile starteten am Donnerstag auf der Seite des Kurznachrichtendienstes, über den knappe Meldungen von höchstens 140 Zeichen Länge abgesetzt und von jedem interessierten Nutzer gelesen werden können. Auf einem Twitter-Kanal will die Polizei tägliche Öffentlichkeitsarbeit betreiben, Präventionstipps geben, Pressemeldungen verlinken oder auch mal ein Foto von einem „besonders interessanten Einsatzort“ teilen. Ein weiteres Profil soll besonderen Einsätzen vorbehalten sein, etwa bei Großveranstaltungen – Tweets „mit hohem Informationswert“ versprach die Polizei hierfür, etwa Hinweise zu Demonstrationsrouten oder Parkplatztipps bei Veranstaltungen.

Keinesfalls Notrufe adressieren

Im Januar hatte Kandt bereits angekündigt, auch rund um den 1. Mai könne er sich „einsatzbegleitende Kommunikation“ über Twitter vorstellen, damit es gar nicht erst zu „Fehlinformationen oder Gerüchten“ über das Einsatzgeschehen an diesem Tag kommen könne, der nach wie vor von der massiven Polizeipräsenz in der Stadt dominiert wird. Einen Meldungswettkampf mit anderen Medien werde es aber nicht geben.

Am Donnerstag war Kandts Erklärung zu entnehmen, dass die Polizei mit ihrem Twitter-Auftritt erstaunlich viele Ziele verbindet: Die Öffentlichkeitsarbeit soll erweitert werden, man wolle sich als moderne und transparente Polizei präsentieren, bei Einsätzen besser wahrgenommen werden, Standpunkte, Nachrichten und Hinweise „schnell und unverfälscht“ mitteilen und bei der Nachwuchsgewinnung „zeigen, dass wir auf der Höhe der Zeit bleiben“. Nach Twitter soll bis Sommer eine Neugestaltung der Internetseite der Polizei folgen, auch eine Facebook-Seite ist geplant.

Kandt betonte am Donnerstag aber auch, die Kanäle würden nicht permanent überwacht, keinesfalls sollten Notrufe an sie adressiert werden. Bespielt werden die Twitter-Profile unter anderem von Polizeipressesprecher Stefan Redlich. Der hatte mit seinem privaten Account im November die Erfahrung gemacht, wie nützlich das Online-Netzwerk für die Polizei sein kann.

Bereits fünf Tweets am Donnerstag abgesetzt

Als sich an einem Sonntag Hunderte Demonstranten auf dem Kreuzberger Oranienplatz einfanden, weil eine Räumung des Flüchtlingscamps durch die Polizei vom Bezirk geprüft wurde, twitterte Redlich am Abend „Zur Info: Es werden heute keine Zelte am O-Platz abgebaut“, und die Nachricht machte schnell die Runde.

Schnell verbreiten dürften sich die Meldungen der Berliner Polizei auch künftig. Das Profil für die täglichen Infos, zu finden bei Twitter unter @polizeiberlin, haben am Donnerstag innerhalb weniger Stunden bereits weit über 1000 Nutzer als Follower abonniert.

Fünf Tweets setzte die Polizei am Donnerstag bereits ab. Nach allgemeiner Begrüßung auf Twitter war die erste verbreitete Nachricht, dass der Tote als 38-jähriger polnischer Mann identifiziert worden sei, inklusive Foto vom Polizeieinsatz im Februar.