Es sollte ein ganz normaler Morgen werden. Gegen 8 Uhr war die junge Mutter auf dem Weg in die Kita, um die Tochter abzugeben, wie immer. Doch schon auf dem Weg zu der in bunten Farben angestrichenen Kindertagesstätte in der Johannisthaler Engelhardstraße traf sie ihren Ex. Er hatte wohl auf sie gewartet, ihr aufgelauert, wie es ein Polizeisprecher später formulierte. Er wusste, wann sie kommen würde, mit der kleinen Tochter an der Hand.
Noch vor der Kita sei es zu einem Streit zwischen der 26-Jährigen und ihrem 30 Jahre alten ehemaligen Lebensgefährten gekommen, so die Angaben der Polizei. Auch in den Vorraum der Kita kam er mit ihr, der Streit ging weiter. Dann zog er plötzlich ein Messer. Er muss es ganz bewusst vorher eingesteckt haben, im Vorraum einer Kindertagesstätte wird er es nicht spontan irgendwo greifen haben können. Am Kopf und im Gesicht verletzt er seine Ex-Freundin mit dem Messer. Die fünf Jahre alte Tochter soll dabei das ganze Geschehen mit angesehen haben.
Erst als zwei Zeugen der Frau zur Hilfe kamen, habe der Mann von seinem Opfer abgelassen und sei geflüchtet, so die Polizei. Dem Vernehmen nach waren offenbar jedoch keine anderen Kinder Zeugen der Tat. Die Kita war allerdings bereits geöffnet, als sich die Attacke ereignete. Die 26-Jährige kam mit schweren Verletzungen in Begleitung eines Notarztes in ein Krankenhaus. Ihr Zustand sei jedoch nicht lebensbedrohlich, hieß es später. Über den Verbleib und den Gesundheitszustand der Fünfjährigen wollte die Polizei keine Angaben machen. In der Regel übergeben Polizeibeamte Kinder in solchen Fällen der Obhut von Angehörigen oder aber dem Kindernotdienst, sollten keine Verwandten auffindbar sein.
Täter bereits polizeibekannt
Nach der Flucht des 30-Jährigen rückte die Polizei umgehend zu dessen Wohnadresse, einer Straße im Norden von Johannisthal, aus. Mit einer Ramme öffneten Beamte die Wohnung im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses. Doch der 30-Jährige, bei dem es sich um Frank P. handeln soll, war dort nicht anzutreffen. Wie ein Sprecher der Polizei sagte, sei der Mann wegen anderer Gewalttaten bereits polizeibekannt. Auch seine Ex-Freundin soll bereits zuvor Opfer von häuslicher Gewalt gewesen sein, offenbar war sie von ihm geschlagen worden. Ob die Übergriffe der Grund für Trennung der beiden waren, kann jedoch nur spekuliert werden. Das Kind und seine Mutter sollen auch in Johannisthal wohnen, jedoch unter einer anderen Adresse. Nachbarn behaupteten jedoch, sie hätten den Mann erst kürzlich zusammen mit dem Mädchen gesehen. Ob Frank P. der Vater des Kindes ist, wurde am Mittwoch von der Polizei jedoch nicht mitgeteilt.
Die Fahndung nach dem Täter dauerte am Mittwochmorgen allerdings nicht lang. Etwa zwei Stunden nach der Tat stellte sich Frank P. selbst der Polizei, er meldete sich beim Polizeiabschnitt 65 am Segelfliegerdamm in Johannisthal. Dort wurde er vorläufig festgenommen. In ersten Befragungen gab der 30-Jährige dabei laut Polizei den Ort an, an dem er nach der Tat am Morgen das Messer weggeworfen habe. Direkt an der Kindertagesstätte liegt der Johannisthaler Park, den Polizeibeamte daraufhin absuchten. Wie offenbar vom Täter geschildert entdeckten sie dort die Tatwaffe in einem Papierkorb und stellten sie sicher.
Ermittelt wird gegen den 30-Jährigen nun wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Den Angaben der Polizei zufolge hat die Kriminalpolizei der örtlichen Direktion 6 die Ermittlungen wegen versuchten Totschlags übernommen.




