Fast 14 Jahre nach dem gewaltsamen Tod eines Autohändlers muss ein Bauunternehmer für neun Jahre hinter Gitter. Der 50-Jährige sei des Totschlags schuldig, urteilte das Berliner Landgericht am Freitag. Er habe das 59 Jahre alte Opfer im Juli 2000 in dessen Wohnung in Berlin-Schöneberg geschlagen, gefesselt und erdrosselt. Warum es zum Angriff kam, sei in dem sechsmonatigen Prozess jedoch offen geblieben.
Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes verlangt, die Verteidigung sechs Jahre Haft wegen Totschlags.
Der Bauunternehmer war damals als Tourist aus Weißrussland nach Berlin gereist, weil er einen Autohandel aufbauen wollte. Nach der Tat hatte er die Stadt sofort verlassen. Telefondaten und am Tatort gesichertes DNA-Material führten die Ermittler zwar schnell auf seine Spur, doch der Mann blieb trotz Fahndung mit internationalem Haftbefehl jahrelang unentdeckt. Im Mai 2012 wurde er in Russland festgenommen und knapp ein Jahr später ausgeliefert.
„Wir wissen nicht, aus welchem Grund sich der Angeklagte zu den Tätlichkeiten hat hinreißen lassen“, sagte der Vorsitzende Richter. Täter und Opfer hätten sich getroffen, um über Geschäfte mit Gebrauchtwagen zu reden. Eine Tat aus Habgier, von der die Anklage ausgegangen war, sei jedoch nicht nachgewiesen worden. Abwegig und eine „reine Schutzbehauptung“ war aus Sicht des Gerichts die Version des Angeklagten, der von einem tödlichen Streit aufgrund homosexueller Avancen des Opfers gesprochen hatte.
dpa/sei




