Wer seinen Garten noch nicht frühlingsfit gemacht hat, der wird das wahrscheinlich an diesem Wochenende tun. Viel Sonnenschein und Temperaturen im zweistelligen Bereich – das macht Lust, sich draußen so richtig zu verausgaben.
„Die Berliner sind in diesem Jahr besonders verrückt nach Frühling“, sagt Gabriella Pape. Die Gärten-Designerin leitet die Königliche Gartenakademie in Dahlem. Für die Berliner Morgenpost schreibt sie seit Jahren eine Kolumne.
Für die Frühlingsverrücktheit gebe es eine einfache Erklärung, sagt sie. Im vergangenen Jahr sei es noch bis weit in den April hinein kalt gewesen. Auch in Berlin habe damals noch Schnee gelegen. „Das Frühjahr ist 2013 komplett ausgefallen.“ Vor dem 28. April hätten die Gärtner kaum ein blühendes Pflänzchen verkauft. „Umso größer ist die Gartenlust in diesem Jahr.“
Da es allerdings kaum einen Gärtner gibt, dem alles gelingt, kommen mit dem Frühling wieder viele Fragen. Gabriella Pape hat deshalb am Morgenpost-Telefon gesessen und versucht, jedem Anrufer Tipps zu geben und weiterzuhelfen. Hier die Ratschläge der Expertin:
Norbert Schuldig, Falkensee: Wir haben ein Problem. Unser Grundstück ist 1200 Quadratmeter groß und sehr hell. Trotzdem ist es inzwischen zu drei Vierteln mit Moos bedeckt. Unserem Nachbarn geht es genauso. Das Moos hat sich inzwischen wie ein Teppich ausgebreitet. Früher hatten wir eine schöne Wiese. Die hätten wir gern wieder, was können wir tun?
Gabriella Pape: Sie müssen den Rasensamen eine bessere Basis geben, sie brauchen Stabilität. Da muss Kompost rauf, und zwar vor dem Vertikutieren. Am besten, Sie mischen die Rasensaat mit lockerem Kompost und etwas Sand. Das bringen Sie dann auf den Boden. Auf diese Weise kriegen die Wurzeln etwas zu fassen, und der Rasen wird kräftiger. Und noch ein Tipp: Im Sommer sollten Sie alle zwei bis drei Wochen den Rasen mit einem scharfen Zinken ordentlich abharken. Das ist wichtig zur Belüftung der Fläche und damit der Rasen nicht so austrocknet. Seit es Rasenmäher mit Fangkorb gibt, harken viele ihren Rasen nicht mehr ausreichend ab. Deshalb kommt es gerade im Sommer häufig zu Problemen.
Petra Haase, Treptow: Ich habe vor zwei Jahren viele Rosen gepflanzt. Muss ich die Pflanzen jetzt schon gießen?
Unbedingt. In den vergangenen Wochen hat es kaum geregnet. Jüngere Rosen müssen deshalb jetzt schon gewässert werden. Sonst vertrocknen sie schnell. Dieses Phänomen hatten wir vor zwei Jahren. Da war es im Winter zwar nicht besonders kalt, die Rosen sind aber trotzdem eingegangen, weil es zu trocken war. Bei älteren Pflanzen ist das anders. Die haben bereits lange Wurzeln ausgebildet und holen sich genug Wasser aus dem Boden.
Klaus-Dieter Stolze, Rangsdorf: Wir haben Komposterde aus Eichenblättern und Blättern vom Nussbaum. Ich habe gehört, dass diese Blätter sehr viel Blausäure enthalten, darf ich den Kompost trotzdem auf die Blumenbeete geben?
Ja, das dürfen Sie. Vor allem dann, wenn der Kompost schon älter und gut zergangen ist. Dann ist die Blausäure, die sich übrigens vor allem in den Blättern des Nussbaumes befindet, zum großen Teil raus gewaschen. Das heißt, die Mikroorganismen haben die Blätter zersetzt und die schädlichen Wirkstoffe nahezu beseitigt. Doch wenn Sie ganz sichergehen wollen, geben Sie den Kompost aus Eichen- und Nussbaumblättern eher unter die Gehölze als unter die Stauden. Die Gehölze sind zäherer Natur, falls die Blätter noch nicht vollständig zersetzt sein sollten.
Ich habe noch eine weitere Frage. Woran erkenne ich, dass ich zu viel Stickstoff gedüngt habe? Ich habe mein Tulpenbeet damit gedüngt und sehe jetzt, dass es den Pflanzen nicht besonders gut bekommen ist.
Zeichen für Düngung mit Stickstoff sind besonders große Blätter. Außerdem bilden die Pflanzen strotzende Jungtriebe aus. Zwiebelpflanzen wollen allerdings eher Phosphor als Stickstoff, deshalb kann es sein, dass Ihre Tulpen den Stickstoffdünger nicht so gut vertragen haben. Aber das balanciert sich schnell wieder aus. Keine Sorge. Zwiebeln wollen vor allem dann Dünger, wenn sie am Einziehen sind, also nach der Blüte.
Ruth Huhn, Potsdam: Unserer Familie gehört seit Jahrzehnten ein schöner Garten, den wir sehr pflegen. Doch in diesem Jahr haben wir so viele Maulwurfshügel wie noch nie im Garten. Der Rasen sieht schon aus wie umgepflügt. Wir machen die Hügel zwar immer wieder glatt, doch schon nach zwei Nächten sind mindestens zehn neue da. Wir haben schon viel Geld für verschiedene Geräte ausgegeben, die den Maulwurf vertreiben sollen, bisher ohne Erfolg. Was können wir tun? Sollen wir das Tier in den 60 Meter entfernten Wald tragen, falls wir es fangen?
Das ist eine schwierige Frage. Der Maulwurf steht unter Naturschutz, töten darf man ihn also nicht. Das Einzige, was er wirklich nicht mag, sind Aktivitäten über ihm. Wenn also Leute auf dem Rasen herumlaufen und wenn häufig gemäht wird, dann stört ihn das sehr. Das löst Lärm und Vibrationen aus, die der Maulwurf nicht mag. Das Tier 60 Meter weit weg auszusetzen, ist keine gute Idee. Von dort kommt der Maulwurf bald zurück. Sie müssten ihn schon mehrere Kilometer weit weg transportieren. In diesem Jahr ist das Problem besonders groß, weil wir einen so milden Winter hatten. Das trifft übrigens auch auf Wühlmäuse und Kaninchen zu. Wir sollten deshalb akzeptieren, dass der Garten ein lebendiges Gebilde ist. Das heißt, dass es in einem Jahr mal etwas schlechter läuft und dann wieder besser. So ist das eben. Machen Sie also die Maulwurfhaufen immer wieder platt. Auch das mag der Maulwurf nicht besonders. Harken sie die Erde dann schön glatt und säen Sie darauf neuen Rasen an.
Rüdiger Edelhoff, Lichtenrade: Wir lieben Pflücksalat. Die Schnecken lieben ihn aber auch. Was können wir tun?
Gegen Schnecken helfen Hochbeete, deren Rand wie eine umgekehrte Regenrinne geformt sein sollte. Die Schnecken kriechen dann zwar an dem Beet hoch, kippen am Rand aber rückwärts nach hinten über und fallen wieder runter. Auch am Rand angebrachtes Klebeband oder Kupferband hält die Schnecken ab. Kupfer mögen sie nicht, am Klebeband bleiben sie hängen. Ich warne allerdings vor Schnecken-Korn. Viele Leute streuen aus Wut über die Schnecken viel zu viel davon um ihre Beete. Diese Körner enthalten sowohl Stoffe, die die Schnecken anziehen, als auch solche, die sie vergiften. Doch sobald es regnet, werden die Giftstoffe aus den Körnern herausgewaschen. Dann bleiben nur noch die anziehenden Stoffe übrig, und man hat noch mehr Schnecken als vorher. Besser ist es also, jeden Tag nur wenige Körner auszustreuen. Und das immer wieder. Schneckenkorn ist allerdings auch deshalb nicht so ratsam, weil die Vögel sich daran vergiften können, wenn sie Schnecken fressen, die diese Körner in sich haben.
Doris Thürmann, Pankow: Ich habe einen Bauerngarten mit viel Buchsbaum. Wann sollte ich die Buchsbäume am besten beschneiden?
Früher hat man den Buchsbaum gerne auch zweimal geschnitten, im Mai und dann im Juli oder August, weil es dann so schön ordentlich aussah. Das empfehle ich nun gar nicht mehr, wegen des Buchsbaumpilzes. Stattdessen schneiden wir den Buxus nur Ende Juni, dafür dann richtig kräftig. Der erholt sich bis zum Sommer wieder und ist kräftiger und widerstandsfähiger. Ende März, Anfang April sprühe ich die immergrünen Pflanzen außerdem mit einem Ackerschachtelhalm-Extrakt. Das beugt dem Pilzbefall vor.
Karin Voigt, Buckow: Wir haben vor drei Jahren eine Zaubernuss in den Garten gepflanzt, an einen prominenten Platz. Zwei Jahre hat sie wunderbar geblüht. In diesem Jahr so gut wie gar nicht. Woran könnte das liegen?
Ich denke, das ist eine Frage des Düngers. Geben Sie dem Baum eine schöne dicke Schicht Laubkompost unter die Wurzeln. Die Zaubernuss blüht sehr früh und braucht deshalb eine Menge Energie. Sie speichert den Dünger bereits im Vorjahr. Wenn sie da zu wenig bekommen hat, kann sie kaum Blüten entwickeln. Was Sie noch tun können, ist, Stickstoff-Phosphor-Dünger unter den Baum zu geben, bevor Sie den Kompost auf die Wurzeln verteilen. Außerdem sollten Sie den Baum bereits jetzt schon gut wässern und auch im Sommer regelmäßig gießen.
Sigrid Baschin, Lichtenrade: Ich möchte bald meine Rosen schneiden, eine Strauchrose und eine Kletterrose, die an einem Rosenbogen steht. Wie weit runter darf ich sie schneiden?
Bei den Strauchrosen haben wir die Erfahrung gemacht, dass man sie nicht mehr so weit herunterschneiden sollte, wie das in den vergangenen Jahren immer empfohlen worden ist. Früher sind diese Rosen bis auf drei Hauptstämme und fast bis in Bodenhöhe abgeschnitten worden. Das machen wir nicht mehr. Es ist besser, das Verzweigte nicht mehr wegzunehmen. Die einzelnen Stämme verhaken sich dichter, die Pflanze steht besser, wenn nicht so viel abgeschnitten wird. Wenn Sie die Rosen angehäufelt haben, harken Sie die Erde jetzt breit drumherum und lassen Sie die Veredlungsstelle ruhig bedeckt. Bei der Kletterrose ist ein Rat schon schwieriger, ohne sie gesehen zu haben. Schneiden Sie am besten nur sehr alte Triebe heraus. Die Pflanze sollte einige lange junge Triebe behalten. Wickeln Sie zwei von diesen neuen Trieben um den Rosenbogen, ähnlich wie bei einer Winde. Zwei weitere Stränge sollten Sie nach oben legen. Dann wird der Bogen über und über mit Blüten bedeckt sein.
Rita Dymarek, Lichtenrade: Ich habe eine Bauernhortensie, wie und wann sollte ich sie schneiden?
Sie wissen nicht, wie die Hortensie genau heißt, deshalb ist es schwierig, den richtigen Tipp zu geben. Schneiden Sie vorsichtshalber in ein bis zwei Wochen nur die Spitzen der Pflanze ab. Nur bis zur ersten dicken Knospe. Wenn Sie sie stärker herunterschneiden, kann es sein, dass sie nicht blüht oder erst sehr spät. Die Hortensie Annabell kann man hingegen ganz herunterschneiden. Sie treibt dann wieder aus.
Ich habe noch eine Frage, wann genau sollte ich meine Rosen schneiden?
Rosen sollte man schneiden, wenn die Forsythien blühen. Die wissen einfach, was noch kommt in Bezug auf das Wetter. Ist das Frühjahr kalt, blühen sie erst später. Auch wenn es nachts noch empfindlich kühl ist, halten sich die Forsythien zurück. Wenn sie dann aber blühen, können Sie getrost die Rosen schneiden.
Edeltraud Wachter, Pankow: Ich habe ein Oleanderbäumchen überwintert. Jetzt weiß ich nicht, ob ich die alten Blütenstängel abschneiden soll?
Ja, unbedingt abschneiden, dann regeneriert sich das Bäumchen so richtig. Die Italiener schneiden ihre Oleanderbäume drastisch herunter. Trauen Sie sich das nicht, empfehle ich Ihnen, die Pflanze zunächst nur an den Seiten deutlich herunterzusetzen. Lassen Sie in der Mitte noch etwas stehen. Dann werden sie ja sehen, wie gut sich die Seiten regenerieren. Und vielleicht sind Sie im nächsten Jahr bereit für einen rigorosen Schnitt. Und vergessen Sie nicht, das Bäumchen nachts reinzuholen, wenn sie es beschnitten haben. Es ist noch zu kalt, zumal nach einem Schnitt. Außerdem sollten Sie gut düngen und wässern. Bei dieser Behandlung dürfte das Bäumchen in diesem Sommer 50 bis 60 Zentimeter austreiben.
Dagmar Lux, Erkner: Ich habe mir eine Kamelie gekauft und sie in den Garten gesetzt. Angeblich soll sie winterhart sein. Ich habe aber Angst, dass die Nachtfröste die Blütenknospen zerstören. Was kann ich tun?
Diese Angst ist berechtigt. Wickeln Sie die Pflanze nachts vorsichtig in einen dünnen Fließ ein. Auch über Winter sollten Sie eine Kamelie einwickeln. Am besten in Noppenfolie. Aber bitte so, dass sie genug Licht bekommt. Unsere kühlen Winter vertragen Kamelien ohne Schutz nicht besonders gut.
Eberhard Pritzkow, Rudow: Jahrelang hat unsere Pfeifenwinde schöne Blätter entwickelt. Vor drei Jahren fing sie dann plötzlich an, Blättchen auszubilden, deren Rand sich nach oben dreht. Die sehen aus wie bei einer großen Seerose. Inzwischen werden es immer mehr Blätter, die derart verändert sind. Woran könnte das liegen?
Das ist leider ein mir unbekanntes Phänomen, ich habe sogar bei der Royal Horticultural Society in London angerufen, und auch die kennen dieses Symptom nicht.
Noch eine Frage: Weshalb sind in den vergangenen zwei Jahren so viele Roseneibische eingegangen?
Der Hibiscus hat den Winter 2011 und 2012 nicht überlebt, wie viele Rosen übrigens auch, die hatten im Januar schon begonnen zu wachsen, und dann gab es noch einmal diesen sehr harten Wintereinbruch. Das hat vor allem den empfindlichen Pflanzen den Garaus gemacht. Dazu kam noch, dass Ende März niemand gewässert hat, nachdem der Winter vorbei war. Das hat den Pflanzen den Rest gegeben.
Rosemarie Steinke, Mahlsdorf: Ich würde gern wissen wollen, welcher Bodendecker sich für eine Grabbepflanzung eignet. Das Grab bekommt ausreichend Licht.
Ich empfehle Bodendecker, die im Frühjahr und Sommer blühen. Efeu gefällt mir nicht so sehr für diesen Zweck. Schöner ist ein Storchschnabel. Zum Beispiel die Sorte Spessart. Die hat schon im Frühjahr ein schönes Grün. Unter den Storchschnabel können Sie im Herbst Zwiebeln stecken, dann blüht es im Frühjahr schon.





