Kommentar

Blankoschecks gibt es auch für die Wissenschaft nicht

Bei den Millionen auf Charité-Geheimkonten handelt es sich vor allem um Steuergelder. Über deren Verwendung entscheiden die Volksvertreter. Für die Verantwortlichen darf es keinen Blankoscheck geben.

Foto: Marc Tirl / dpa

Wäre die Charité keine gemeinnützige Universitätsklinik, sondern ein normales Unternehmen, müssten nicht wenige aus der Spitze des landeseigenen Betriebes jetzt Strafen fürchten. Millionen Euro in eine geheime Parallelwelt außerhalb der offiziellen Buchführung zu stecken und nicht in der offiziellen Konzern-Bilanz auszuweisen, käme dem Tatbestand der Steuerhinterziehung wohl sehr nahe.

Aber die Charité ist keine steuerpflichtige Firma. Die ehrwürdige Universitätsklinik umgibt sich mit einer Art Heiligenschein. Man tut ja Gutes, heilt Menschen, erforscht Krankheiten, bringt die Wissenschaft voran. Da möge man sich mal nicht so haben, wenn die Regeln ordnungsgemäßer Bilanzierung überaus großzügig ausgelegt werden. Zumal dann, wenn das Geld, wie zugesichert, der Wissenschaft und damit irgendwie dem von den Zuwendungsgebern intendierten Zweck zufließt.

Charité-Fonds sind größtenteils Steuergelder

Jedem aufrechten Parlamentarier muss das selbstherrliche Auftreten der Mediziner die Zornesröte ins Gesicht treiben. Bei dem millionenschweren Fonds der Fakultät handelt es sich größtenteils um Steuergelder. Über deren Verwendung entscheiden in Deutschland immer noch gewählte Volksvertreter und nicht ein Klüngel von Professoren, die sich wechselseitig bedienen und sich so womöglich für die Fakultätswahlen Gefolgschaft sichern.

Niemand kann derzeit ausschließen, ob die weitere Prüfung der Fonds nicht strafrechtlich relevante Fragen ans Licht fördert. Auch Professoren sind Menschen, die vielleicht gerne mal in der Businessclass zum Mediziner-Kongress fliegen. Offenbar wurden mit den Geldern aus dem Fonds auch Tagungen finanziert – um anderen Kollegen einen Gefallen zu tun?

Solche Weitungen sind noch Spekulation, klar ist jedoch: Die Vorgänge an der Berliner Charité können die Wissenschaftslandschaft in Deutschland erschüttern. Bundestagsabgeordnete müssen jetzt prüfen, ob die gewährten Pauschalen für die Verwaltung von Forschungsprojekten nicht zu hoch sind.

Berliner Abgeordnete müssen sich fragen, warum sie der Charité die Zuschüsse erhöhen sollen, während gleichzeitig die Wissenschaftler unbeobachtet Millionen hin- und herschieben, ohne die auch für Forscher üblichen Qualitätskontrollen. Blankoschecks aus Steuermitteln gibt es auch für die Wissenschaft nicht.