Die Fläche ist großzügig wie ein Tanzsaal, die Dachterrasse für ein Lesecafé könnte das i-Tüpfelchen sein. Bei der Besichtigung des früheren Hertie-Gebäudes an der Hauptstraße als möglichem neuen Standort der Schöneberger Bibliothek gab es viele anerkennende Blicke.
„Es wäre eine Chance für die Stadtbibliothek. Wenn man nichts macht, wird man sie über kurz oder lang schließen müssen“, sagt Ekkehard Band, ehemaliger SPD-Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg.
„Hier kann man was draus machen“, konstatiert auch Dietger Pforte, der lange Jahre bei der Senatskulturverwaltung für das Archiv- und Bibliothekswesen zuständig war. Als seine Frau Mitte der 60er-Jahre als Bibliothekarin an der Hauptstraße 40 anfing, war das Gebäude „ganz modern“.
Heute, 50 Jahre später, wollen Bildungsstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) und die Bibliotheksbeschäftigten den Lesern attraktivere Räume zur Verfügung stellen. Im bezirkseigenen Gebäude, das nur etwa halb so viel Fläche bietet wie das Hertie-Haus, gibt es noch nicht einmal einen Fahrstuhl. Schon seit Jahren werden Sanierungsarbeiten aufgeschoben. Das Geld fehlt.
3400 Quadratmeter können im alten Hertie-Haus gemietet werden. Der Hauseigentümer, die Dietz AG, würde die anderthalb sanierten Etagen dem Bezirk laut Kaddatz für rund 400.000 Euro pro Jahr vermieten. „Mitte 2015 könnte Einzug sein“, so Kaddatz. Ihrer Rechnung nach kostet das jetzige Büchereigebäude den Bezirk auch etwa 400.000 Euro an Infrastrukturkosten und kalkulatorischen Zinsen. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) macht jedoch eine andere Rechnung auf. Die Kosten- und Leistungsrechnung, nach der die Senatsverwaltung die Ausgaben bezuschusst, greife immer erst zwei Jahre später. Es müsse geklärt werden, woher die Miete für das Hertie-Gebäude kommen soll. Eine Variante sei auch, den bezirkseigenen Bibliotheksbau zu sanieren.
Die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ist offen für die Pläne. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Hertie, aber der Umzug muss finanzierbar sein, fachlich ist er keine Frage“, so SPD-Fraktionschef Jan Rauchfuß. Die CDU unterstützt den Umzug. Die Grünen fordern von Kaddatz Finanzierungslösungen für die Übergangszeit. Die BVV muss noch in diesem Monat über einen Umzug entscheiden. Der Hauseigentümer vergibt die Räume sonst an andere Interessenten.




