Kommentar

Die Vernunft hat gesiegt - die Glastonnen bleiben stehen

Das Duale System Deutschland muss in Berlin umsteuern - und für bessere Altglasqualität sorgen. Am Ende werden aber die Berliner dafür aufkommen. Jens Anker über das vorläufige Ende im Altglas-Streit.

Foto: Wolfram Steinberg / picture-alliance/ dpa

Am Ende hat die Vernunft gesiegt. Das seit Jahrzehnten bewährte System der Altglas-Sammlung bleibt, wie es ist. Damit sind die Wege für die Berliner weiterhin kurz, das für die Altglas-Sammlung verantwortliche Duale System Deutschland (DSD) muss dagegen umsteuern.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte das Duale System damit begonnen, in einigen Bezirken die Altglas-Tonnen aus den Höfen zu entfernen. Stattdessen sollten die Berliner ihre leeren Flaschen und Marmeladegläser in den Glas-Iglus auf dem öffentlichen Straßenland werfen. Das jedoch verursachte Probleme, viele Flaschen landeten auf der Straße oder in der Restmülltonne, weil viele Berliner die weiteren Wege scheuten. Auch mit dem Aufstellen der Altglas-Iglus klappte es nicht so recht. Die Umstellung auf weniger Altglas-Iglus statt vieler Tonnen in den jeweiligen Innenhöfen sollte auf die ganze Stadt ausgeweitet werden. Doch daraus wird jetzt nichts. Die Berliner SPD und CDU, möglicherweise auch die Opposition, wollen das alte System behalten.

Das war abzusehen, denn allzu plump hatte das Duale System versucht, die Schuld für das vermeintlich schlechte Altglas den Berlinern zu geben. In Wahrheit dürften handfeste wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle gespielt haben. Es ist einfach preiswerter, mit den Sammelfahrzeugen ein paar wenige Container in den Berliner Straßen anzusteuern, als sich durch die Berliner Hinterhöfe zu quälen. Aber so will es nun einmal der Auftraggeber – das Land Berlin.

Das vorschnelle Handeln des Dualen Systems könnte sich jetzt als Fehler herausstellen. Denn nicht die Berliner sind beim Altglas-Sammeln schlampig, wie eine Befragung aller Beteiligten ergab, sondern die Fahrzeuge, die es zum Recycler bringen, machen aus diesem Altglas kaum recycelbare Glassplitter. Um die Qualität also künftig zu verbessern, sodass auch aus dem Berliner Altglas wieder schöne neue Flaschen werden, muss das Duale System künftig dafür sorgen, dass entsprechende Fahrzeuge angeschafft werden. Die Berliner SPD und CDU wollen die Verbesserung der Qualität „intensiv begleiten“, hieß es nach einer Klausurtagung der Experten am Wochenende.

Für Häme besteht allerdings kein Grund, denn am Ende werden die Berliner das erforderliche Geld über die Entsorgungsgebühren selbst aufbringen müssen.