Seit fast 20 Jahren liegt der ehemalige US-Truppenübungsplatz Parks Range in Lichterfelde-Süd brach. Die Natur hat sich das 100 Hektar große Areal südlich der Osdorfer Straße zurückerobert und eine ursprüngliche Landschaft mit Wiesen und Wäldern geschaffen. Seit die Groth-Gruppe das Grundstück gekauft hat, steht fest: Dort, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Thermometersiedlung, wird ein neuer Stadtteil mit bis zu 2700 Wohnungen gebaut. Zu den bereits 6000 Bewohnern der Hochhaussiedlung aus den 70er-Jahren werden noch einmal etwa 10.000 Neu-Lichterfelder kommen.

Die Bedenken der Anwohner sind groß. Eine Großsiedlung und ein Naturschutzgebiet – wie soll das zusammenpassen? Straßen, Kitas, Schulen, Freizeitmöglichkeiten – reichen die Kapazitäten auch für die neuen Nachbarn? Was wird aus den Betrieben, die seit Jahrzehnten ihren Sitz auf dem Gelände haben? Um diese Fragen vorab zu klären, hat sich das „Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd“ gegründet. Das Interesse ist groß: Bei der jüngsten Informationsveranstaltung des Bündnisses im Kiez-Treff an der Celsiusstraße mussten viele Zuhörer draußen vor der Tür stehen, weil der Saal überfüllt war.

Die Initiatoren des Aktionsbündnisses befürchten vor allem Folgen für die Natur. „Nicht nur die Betriebe und die Arbeitsplätze sondern auch Flora und Fauna sollen weg, soweit sie dem geplanten Wohnungsbau im Wege sind“, sagt Gerhard Niebergall. So sollen naturschutzrechtlich in ihrem Lebensraum streng geschützte Zauneidechsen eingesammelt und in Brandenburg ausgesetzt werden.

Planungen noch ganz am Anfang

Ähnlich wie auf dem Tempelhofer Feld ist auch in Lichterfelde eine Randbebauung geplant. Nach ersten Naturschutzgutachten sollen 39 Hektar für die Entwicklung der Wohnquartiere genutzt werden. So steht es in einer Absichtserklärung, die der Bezirk mit dem Investor ausgehandelt hat. Es gehe um die Bewahrung und Aufwertung einer naturnahen Parklandschaft einerseits und um die Schaffung dringend benötigten Wohnraum andererseits – so das formulierte Ziel beider Seiten. Für das Aktionsbündnis ist das alles noch viel zu unkonkret. „Wir werden viel zu wenig in die Planung einbezogen“, sagt Gründungsmitglied Helmut Schmidt.

Die Groth-Gruppe versucht, die Bedenken zu zerstreuen. Dass gebaut werde, daran gebe es keine Zweifel mehr, sagt Sprecherin Anette Mischler. Das sei unstrittig. Momentan stünden die Planungen aber noch ganz am Anfang, es gebe noch nicht einmal einen Bebauungsplan. Als nächstes müsse ein Gutachten über die verschiedenen Tierarten erstellt werden.

Im Frühsommer werde ein städtebaulicher Workshop mit verschiedenen Architekturbüros veranstaltet. Dort soll erarbeitet werden, wie die Bebauung aussehen könnte. Erst dann gehe es bei einem weiteren Treffen um die Natur, die sogenannte „grüne Mitte“. Welche Bereiche sind besonders schützenswert? Soll die Parklandschaft öffentlich zugänglich werden? Diese Fragen stehen dann auf der Tagesordnung.