Das Leben hat ihn wieder eingeholt. Zumindest das, was Yehya El-A. unter seinem Leben versteht. Ein Leben als Krimineller. Ein Leben hinter Gittern. Ein Leben, das den 23-Jährigen erneut vor Gericht führt. Wieder wegen schweren Raubes. Am Mittwoch wird der Prozess vor einer Moabiter Jugendkammer beginnen. Neben Yehya El-A. werden noch sechs weitere junge Männer auf der Anklagebank sitzen. Zwischen 19 und 25 Jahre alt. Yehya El-A. – das kann wenig überraschen – soll ihr Chef sein.

Öffentlich bekannt geworden war Yehya El-A. im Sommer 2013 durch die Dokumentation „Gangsterläufer“ des Filmemachers Christian Stahl. Sie wurde über mehrere Jahre hinweg gedreht und beleuchtet eindringlich das Leben des jungen Mannes. Yehya El-A. war acht Wochen alt, als seine aus Palästina stammenden Eltern 1990 von Beirut nach Berlin flohen. Die Familie bezog eine Wohnung an der Neuköllner Sonnenallee. Yehya El-A. – inzwischen bei Polizei und Staatsanwaltschaft längst als Intensivtäter geführt – war schon als Kind durch Straftaten aufgefallen.

So setzte er mit sieben Jahren eine Holzhütte in Brand. Mit neun bedrohte er einen anderen Schüler mit einem Messer. Es sei um ein Mädchen gegangen, erzählt er in dem Film „Gangsterläufer“ nicht ohne Stolz. Später seien dann die üblichen Straftaten wie Raub, Erpressung, Nötigung, Diebstahl und Körperverletzung dazu gekommen.

Über ein neues Leben sinniert

Noch als Jugendlicher – im Jahr 2007 – war Yehya El-A. an einem Raubüberfall auf den Hamburger Promi-Gastwirt Reinhard Paul Rauch und dessen Lebensgefährtin beteiligt. Beide wurden schwer verletzt. Eine Moabiter Jugendkammer verurteilte Yehya El-A. dafür zu einer Jugendstrafe von drei Jahren. 28 Monate saß er ab, bevor er im Herbst 2009 auf Bewährung entlassen wurde.

Er hatte im Gefängnis – auch das wurde im Film gezeigt – über ein neues Leben ohne Straftaten sinniert, wurde bekennender Muslim, wollte ein geregeltes Leben führen ohne Straftaten. Ohne die Rolle des Chefs einer kriminellen, gewaltbereiten Bande im Gebiet der Sonnenallee. Er wollte heiraten und Kinder haben. Das schien zunächst auch zu funktionieren. Yehya El-A., heißt es, wurde als Streitschlichter eingesetzt.

Er galt immer noch als Respektsperson bei anderen Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Sogar Polizeibeamte sollen ihn als Vermittler aufgesucht haben. Aber es kam dann doch anders. Im Oktober 2012 wurde Yehya El-A. wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Wenige Monaten später soll es dann die Taten gegeben haben, die nun Thema des aktuellen Prozesses sind.

Regisseur reagiert mit Fassungslosigkeit auf Festnahme

Yehya El-A. und einige seiner Mitangeklagten sollen am 5. August 2013 mit Hilfe eines Wachmannes rund 20.000 Euro aus den Kassen einer C&A-Filiale in Spandau erbeutet haben. Vorgeworfen wird ihnen auch der Überfall auf den Mitarbeiter einer „Dolce&Gabbana“-Boutique am Kurfürstendamm in Charlottenburg am 27. September 2013. Die Angeklagten sollen ihm dabei eine Tüte mit den Tageseinnahmen von rund 7000 Euro Beute entrissen haben.

Ein weiterer Raub spielt sich den Ermittlungen zufolge am 14. Oktober 2013 in einer Wohnung an der Kreuzberger Urbanstraße ab. Es heißt, die Täter hätten eine Frau bedroht und sie gezwungen, 30.000 Euro heraus zu geben. Zwei Tage später wurde die Bande festgenommen. Seitdem sitzt Yehya El-A. in Untersuchungshaft.

Regisseur Christian Stahl wirkte fassungslos, als er von der Festnahme des Palästinensers hörte. „Ich habe Yehya und seine Familie viele Jahre mit der Kamera begleitet“, sagte er zur Berliner Morgenpost. „So wie ich ihn kennenlernte, wie er mir von seinen Träumen erzählt hat, hätte ich es mir nicht vorstellen können, dass er wieder kriminell wird.“ Er könne es sich auch jetzt noch nicht wirklich vorstellen, sagte Stahl. „Im Zweifel glaube ich an seine Unschuld.“