Intensivtäter

Hauptdarsteller von „Gangsterläufer“ festgenommen

Yehya El-Ahmad ist Intensivtäter, der Boss der Sonnenallee - und er ist der Star des Doku-Films „Gangsterläufer“. Er war auf dem richtigen Weg. Jetzt wurde er festgenommen.

Yehya El-Ahmad war auf dem richtigen Weg. Er wurde als Streitschlichter eingesetzt. Auf ihn hätten die Jugendlichen mit Migrationshintergrund gehört, heißt es. Selbst die Polizei suchte ihn als Vermittler auf. Yehya El-Ahmad selbst dachte ans Heiraten und an eine Familie.

Das ist die eine Seite der Geschichte. Auf der anderen Seite ist Yehya El-Ahmad der Boss der Sonnenallee, der respektvoll von den vielen türkischen und arabischen Jungs gegrüßt wird. Yehya El-Ahmad ist gerade 24 Jahre alt und hochgradig kriminell. Er ist mehrfach vorbestraft. 54-mal ist er bei der Justiz auffällig geworden. Seit seinem 14. Geburtstag steht sein Name in der Intensivtäterkartei.

Mit 17 musste der Sohn palästinensischer Flüchtlinge aus dem Libanon ins Gefängnis. Verurteilt zu drei Jahren Haft, weil er bei einem Raubüberfall in Hamburg auf ein Ehepaar eingestochen hatte. Er verletzte einen Menschen schwer, stellte sich aber später. Nach zweieinhalb Jahren kommt er wieder auf freien Fuß. Auf Bewährung.

Deutschland möchte ihn abschieben

Yehya El-Ahmad lebt seit mehr als zwei Jahrzehnten in Berlin. Deutschland möchte ihn abschieben, der Libanon will ihn nicht. Status: geduldet. Er darf kein Abitur machen, der Führerschein wird ihm verwehrt, arbeiten darf er auch nicht. Eine weitere Seite der Geschichte.

Der Berliner Regisseur Christian Stahl hatte Yehya El-Ahmad aus Neukölln über mehrere Jahre hinweg mit der Kamera begleitet und seine Geschichte dokumentiert. „Gangsterläufer“ ist der Titel des Dokumentarfilms aus dem Jahr 2011. Der Film lief im Rahmen von Festivals und im Fernsehen. „Wenn Du einmal drinnen bist, dann kommst Du hier nur ganz schwer wieder raus“, sagte Yehya El-Ahmad vor Jahren und meinte die Kriminalität und Neukölln. Und scheinbar hat der 24-jährige Recht behalten.

Wie erst am Donnerstag bekannt wurde, hat die Polizei bereits am Mittwoch acht Männer im Alter zwischen 19 und 27 Jahren festgenommen. Unter den Festgenommenen auch der Protagonist des Dokumentarfilms. Den Männern werden diverse Raubtaten vorgeworfen, darunter zwei Überfälle auf Geldboten, ein Raub in einer Wohnung sowie ein versuchter schwerer Raub auf einen Juwelier.

„Der mutmaßliche Kopf der Bande“

„Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen ist Yehya El-Ahmad der mutmaßliche Kopf der Bande“, hieß es am Donnerstag auf Anfrage bei der Polizei. Er und weitere Tatverdächtige seien am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt worden. „Der Haftrichter hat mehrere Haftbefehle erlassen“, sagte ein Polizeisprecher. „Zwei davon mit Haftverschonungen.“ Ein 25-Jähriger sei nach den polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt worden, hieß es.

Die intensiven Ermittlungen eines Fachkommissariats der Direktion 5 und der Staatsanwaltschaft Berlin zu einer Reihe von Raubtaten hatten am Mittwoch zu den Festnahmen geführt. Auch die Festnahmen von drei Männern im Alter von 19, 20 und 23 Jahren auf frischer Tat führten die Ermittler auf die richtige Spur. Drei Tatverdächtige wurden an der Urbanstraße in Kreuzberg festgenommen, nachdem sie nach einem Raub in einer Wohnung aus dem Haus geflüchtet waren und eine junge Frau aus der Tatortwohnung um Hilfe gerufen hatte. Die 19 Jahre alte Mieterin wurde bei dem Überfall leicht verletzt. Bei der Durchsuchung der drei Männer fanden die Beamten einen größeren Geldbetrag. Auf Antrag bei der Staatsanwaltschaft erhielten die Fahnder mehrere Durchsuchungsbeschlüsse.

Geburtstag vor dem Haftrichter

„Die Ermittler haben neun Anschriften in Mitte, Neukölln, Kreuzberg und Reinickendorf aufgesucht“, sagte ein Sprecher der Polizei. „Dabei haben sie diverse Beweismittel beschlagnahmt und weitere Tatverdächtige festgenommen.“ Die Ermittler konnten zwei 20-Jährige sowie drei 24, 25 und 27 Jahre alte Komplizen festnehmen. Ein 21 Jahre altes Bandenmitglied wurde nicht angetroffen. Der mutmaßliche Anführer der Bande, Yehya El-Ahmad, wurde am Tag seiner Festnahme 24 Jahre alt. Den Geburtstag verbrachte er vor dem Haftrichter.

„Ich habe Yehya und seine Familie viele Jahre mit der Kamera begleitet“, sagt Regisseur Christian Stahl. „So, wie ich ihn kennengelernt habe, wie er mir von seinen Träumen erzählt hat, hätte ich es mir nicht vorstellen können, dass er wieder kriminell wird. Und ich kann es jetzt auch noch nicht glauben. Im Zweifel glaube ich an seine Unschuld.“ Laut Stahl habe er in einer „verordneten Perspektivlosigkeit“ gelebt. „Yehya wurde in Beirut geboren, kam im Alter von drei Wochen nach Berlin und lebt seitdem mit dem Status der Duldung“, kritisierte Stahl.

„Sollten sich die Vorwürfe erhärten und Yehya schuldig sein, dann hätten sich seine düstersten Prognosen bewahrheitet“, sagte der Filmemacher. „In meinem Film sagte er, dass man aus diesem Kreislauf nur sehr schwer rauskommen würde.“