Sie kosten Zeit und Nerven: Staus auf Stadtautobahnen sind Alltag für Pendler und Berliner. Was aber viele Autofahrer nicht wissen: Staus im Tunnel sind sogar verboten. Um Vollsperrungen der Tunnel zu vermeiden, werde deshalb nah gelegene Autobahnzufahrten beinahe täglich zeitweise gesperrt.

Mit wachsendem Verkehrsaufkommen auf den Stadtautobahnen A100 und A111 lässt die Verkehrsregelungszentrale die Schranken runter, wenn es zu voll wird. Davon betroffen sind die Streckenabschnitte, die in die Tunnel der Stadtautobahn A 111 im Norden und der A 100 im Süden der Stadt führen. Meist im morgendlichen Berufsverkehr sind diese Streckenabschnitte dem Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen.

„Seit 2006 gibt es eine Sicherheitsrichtlinie zum Betreiben von Straßentunnel“, sagt Petra Rohland, stellvertretende Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. „Diese besagt, dass in einem Tunnel kein Stau entstehen darf.“ Überwiegend davon betroffen sind die Tunnel Tegel-Ortskern und Flughafen-Tegel im nördlichen Bezirk Reinickendorf. Wird dort das Verkehrsaufkommen in südlicher Fahrtrichtung zu groß, senkt sich die Schranke an der Antonienstraße. Im Süden betroffen ist der Tunnel Ortsteil Britz und die Zufahrten Buschkrugallee und Britzer Damm.

Allein der Berufsverkehr habe so stark zugenommen, dass die Schranke nahezu täglich geschlossen werden muss, sagt ein Sachbearbeiter für Straßenverkehr auf dem zuständigen Polizeiabschnitt 11 der Direktion 1. Und das sogar während der Schulferien, betont der Experte. Im Jahr 2011 wurde die Antonienstraße 435 Mal geschlossen, im Jahr darauf waren es 452 Mal. Im vergangenen Jahr protokollierte die zuständige Senatsverwaltung 455 Sperrungen der Autobahnzufahrt in Richtung Süden. Das führt dazu, dass der Verkehr nicht zusätzlich in den Tunnel geführt wird. Dank der Sperrung werden die Verkehrsströme oberirdisch auf das so genannte Stück „Blindautobahn“ geführt. Das verbindet das nördliche Ende der A111 kurz hinter der Seidel- und Scharnweberstraße zum wenige hundert Meter entfernten Kurt-Schumacher-Damm. Dieser führt in südlicher Fahrtrichtung erneut auf die Stadtautobahn A111, wo auch die Fahrspuren aus dem Tunnel wieder an die Oberfläche gelangen. Grund für die Sperrungen der Antonienstraße seien nicht selten aber auch Verkehrsunfälle.

Weniger Fahrstreifen

„Da reicht ein Unfall Höhe Autobahndreieck Funkturm, und nur kurze Zeit später staut es sich im Berufsverkehr im Tunnel Tegel“, sagt der Beamte. Zufahrt und Tunnel werden auch gesperrt, wenn die Luft in der Unterführung mal wieder „zum Schneiden dick ist“. Es komme vor, dass die Entlüftungsanlagen es nicht mehr schaffen, die Luft im Tunnel zu reinigen. Auch in diesem Fall muss er geschlossen werden.

„Wenn die Umgehungsstraße hier in Neukölln im morgendlichen Berufsverkehr mal wieder voller sind, dann wissen wir, dass die Anschlussstellen Späthstraße und Buschkrugallee komplett oder teilweise gesperrt sind“, sagt ein Sachbearbeiter vom Abschnitt 56 der Direktion 5. Regelmäßig würde die Verkehrsregelungszentrale kurzzeitig Fahrstreifen ganz oder teilweise sperren.

Nach Aussagen der Sprecherin der Senatsverwaltung würde man mit der Reduzierung der Fahrstreifen vor beziehungsweise hinter dem Tunnel „die Einfädel- und Spurwechselvorgänge im Tunnel minimieren oder auch komplett verhindern“. So würde der Stau weit vor dem Tunnel entstehen, der Verkehr dann aber zähflüssig durch den Tunnel rollen. So könne auch das Unfallrisiko im Tunnel deutlich gesenkt werden.

Den Autobahnabschnitt um das Autobahndreieck Neukölln und Späthstraße passierten etwa im Jahr 2010 etwas mehr als 90.000 Fahrzeuge täglich. Diese Zahl stammt aus der Verkehrszählung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Da kommt es regelmäßig zum Stau. Die „künstlichen“ Verengungen beispielsweise vor dem Britzer Tunnel werden bewusst herbeigeführt. „Auf der gesamten Länge des Tunnels wird der Stau unterbrochen“, sagt Petra Roland. „Aber wenigstens kommt es nicht zum Stillstand.“ Als Alternative gebe es nur die Vollsperrung, um die Sicherheitsrichtlinien einzuhalten.

Spätestens am ICC staut es sich

Aufgrund von Unfällen, hohem Verkehrsaufkommen oder sonstigen Zwischenfällen musste der Tunnel Ortsteil Britz im vergangenen Jahr 51 Mal in Fahrtrichtung Nord gesperrt werden, Richtung Süden waren es 16 Sperrungen.

Ein Mittel der Verkehrslenkung, die so genannte Zuflusssteuerung, in diesem Fall kurzzeitige Sperrungen eines Fahrstreifens vor dem Tunnel, die Sperrung einzelner Fahrstreifen im Tunnel und gegebenenfalls der Zufahrten Buschkrugallee und Britzer Damm wurden im vergangenen Jahr knapp 1000 Mal angewendet. 696 Mal waren Autofahrer auf ihrer Fahrt Richtung Norden betroffen, 229 Mal betraf es Verkehrsteilnehmer auf dem Weg gen Süden.

Doch nicht nur an den Anschlussstellen, an denen kurz darauf auf der Stadtautobahn Staugefahr in einem Tunnel besteht, werden Zufahrten im Sinne der Verkehrslenkung dicht gemacht. Die Auffahrt Siemensdamm in Charlottenburg auf die Stadtautobahn A100 in Fahrtrichtung Süden wird sehr häufig gesperrt. 2012 wurde diese Zufahrt 266 Mal gesperrt, im vergangenen Jahr wurde 355 Mal die Auffahrt geschlossen. Damit wird verhindert, dass im Berufsverkehr noch mehr Fahrzeuge auf die stark befahrene Rudolf-Wissell-Brücke fahren. Und wenn es sich auf der Brücke über Spree und Schleusenkanal nicht schon staut, dann spätestens auf der Höhe des ICC und dem Dreieck Charlottenburg.