Eine Polizeikontrolle, eine Streife, ein Zivilfahrzeug und selbst eine Straßensperre hatten ihn nicht stoppen können. Erst ein Wildschutzzaun beendete die 80 Kilometer lange Verfolgungsfahrt eines mutmaßlichen Autodiebs. Bis kurz hinter Müllrose im Kreis Oder-Spree war der 19-Jährige von Köpenick aus gekommen, in halsbrecherischem Tempo war er in Richtung polnische Grenze gerast, bis Zivilfahnder der Polizei und brandenburgische Beamte seine filmreife Flucht gemeinsam beendeten.
Kurz nach Mitternacht war der schwarze Audi A3 Zivilbeamten an der Spindlersfelder Straße in Höhe Glienicker Straße aufgefallen. Als die Polizisten den Wagen kontrollieren wollten, gab der Fahrer Gas und flüchtete über das Adlergstell und die Autobahn A117, ohne auf rote Ampeln zu achten. Bei Waltersdorf lenkte der 19-Jährige den bereits mit gestohlenen polnischen Kennzeichen versehenen Wagen auf die A113 und dann auf den Berliner Ring in Fahrtrichtung Osten.
Einsatz der „Soko Grenze“
Am Parkplatz Skaby wollten Beamte den Wagen erstmals stoppen, der mutmaßliche Autodieb fuhr kurz langsamer, beschleunigte dann aber erneut die Fahrt in Richtung Frankfurt (Oder). Hinter dem Autobahndreieck Spreeau schalteten sich auch Polizeibeamte der brandenburgischen „Soko Grenze“ in die Verfolgung ein. In Höhe der Raststätte Kersdorfer See passierte ein Zivilwagen der Berliner Polizei den Audi, dessen Fahrer den Wagen jedoch rücksichtslos rammte und weiterfuhr. Auch der Versuch, den rabiaten Autodieb mit einer Sperre aus quer gestellten Einsatzfahrzeugen aufzuhalten, mussten die Brandenburger Beamten aufgeben. Weil der Dieb keine Anstalten machte, zu stoppen, sei die Sperre aufgelöst worden, um einen Zusammenstoß zu vermeiden.
Zwischen den Anschlussstellen Müllrose und Frankfurt (Oder) auf der A12 unternahm der Dieb den erneuten Versuch, einen Einsatzwagen zu überholen. Dieses Mal verlor der 19-Jährige jedoch die Kontrolle über den Wagen und kam jenseits des Seitenstreifens der Autobahn an einem Wildschutzzaun zum Stehen. Der junge Pole versuchte zwar noch, zu Fuß zu fliehen, konnte aber von Beamten der „Soko Grenze“ festgenommen werden. Der Tatverdächtige wurde in Frankfurt (Oder) in Polizeigewahrsam genommen. Der 19-Jährige soll einem Richter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.
Orginalkennzeichen waren abmontiert
Die Nachforschungen der Polizei ergaben, dass der Audi an der Straße „Am Berg“ nahe der Wendenschlosstraße gestohlen worden war. Die Originalkennzeichen waren abmontiert und die gestohlenen eines Seat angebracht worden. Die Besitzerin des Wagens hatte den Diebstahl noch nicht bemerkt.
In der jüngsten Vergangenheit hatte es in Berlin und Brandenburg mehrfach Verfolgungen von Autodieben gegeben. Vor gut zwei Wochen konnte ein 29 Jahre alter Pole im Stadtgebiet von Frankfurt (Oder) von Einsatzkräften der „Soko Grenze“ gestoppt werden. Er hatte in Berlin einen BMW gestohlen. Mitte Januar konnte ein in Berlin von einem 31-Jährigen entwendeter Audi A6 nach einer Verfolgung auf der Bundesstraße 112 bei Booßen aufgehalten werden.


