Obwohl die Seniorin bereits vor einer Woche als Drogenhändlerin entlarvt war, hat eine 76 Jahre alte Barbesitzerin scheinbar unbeeindruckt weiter Kokain an ihre Gäste verkauft.
In der Nacht zu Donnerstag beendeten Einsatzkräfte einer Polizeihundertschaft das illegale Treiben in dem Lokal an der Westfälischen Straße in Berlin-Halensee. Der überwiegende Teil der Barbesucher stand nach Polizeiangaben offensichtlich unter Drogeneinfluss. Bei vier Gästen entdeckten die Polizisten kleine Mengen Rauschgift.
Die Bar wurde geschlossen, die 76-Jährige erneut festgenommen, soll sich aber mittlerweile wieder auf freiem Fuß befinden.
Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, handelt es sich bei der mutmaßlichen Koks-Dealerin um Hildegard H. aus Charlottenburg. Die ältere Dame, die getrennt von ihrem Mann eine Gartenlaube bewohnt, soll bereits seit mehreren Jahren die Pächterin der Bar sein. Ihr Sohn und ihre Tochter sollen dort mehrfach als Aushilfen gearbeitet haben.
Wie die Morgenpost im Umfeld des Lokals erfahren hat, sei es ein offenes Geheimnis, dass die 76-Jährige mit Drogen zu tun habe. Einem Nachbarn habe sie einmal gesagt, „in meinem Laden verkehren 1000 Jahre Knast, aber die Jungs sind alle in Ordnung“.
Drogenbriefchen gefunden
Die Polizei hatte seit längerer Zeit wegen des Verdachts des Drogenhandels in der Bar ermittelt. Bereits am 31. Januar 2014 hatte die Polizei die Bar auf richterliche Anordnung durchsucht und Drogenbriefchen gefunden, die Kokain enthielten, teilte die Polizei mit. Die 76-Jährige und ein 40 Jahre alter Mitarbeiter waren festgenommen worden. Bei der folgenden Durchsuchung der Wohnung der Seniorin hatte die Polizei neben 35 Gramm Kokain auch eine Feinwaage und Verpackungsmaterial beschlagnahmt.
Am Sonnabend vergangener Woche war die Barbesitzerin zwar einem Ermittlungsrichter zum Erlass eines Haftbefehls wegen Drogenhandels vorgeführt worden, doch der 76-Jährigen wurde Haftverschonung gewährt. Die weiteren Ermittlungen der Drogenfahndung ergaben dann, dass sich die Beschuldigte trotz des schon eingeleiteten Strafverfahrens nicht davon abhielten ließ, ihren Besuchern in der Bar weiterhin Rauschgift zu verkaufen.
Kurz vor Mitternacht sei es dann zur erneuten Drogenrazzia gekommen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Der Verdacht des öffentlichen Drogenkonsums bestätigte sich. Insgesamt seien sechs Strafermittlungsverfahren eingeleitet worden, unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.
pol/plet





