Obdachlose

Erstes Berliner Kälteopfer - 55-Jährige erfriert im Park

Anwohner hatten die Frau am vergangenen Mittwoch unter der Putlitzbrücke in Berlin-Moabit entdeckt. Retter der Feuerwehr fanden die Frau bei Temperaturen weit unter Null Grad entkleidet im Schnee.

Foto: Steffen Pletl

Die starken Nachtfröste der vergangenen Woche sind vorerst überstanden. Doch die Kälte hat offenbar ein Todesopfer gefordert. Wie erst am Montag bekannt wurde, hat eine Obdachlose die mehrtägige Frostperiode während der vergangenen Woche nicht überlebt. Bei der verstorbenen Person handelt es sich um eine Frau.

Die 55-Jährige ist am vergangenen Wochenende in einem Krankenhaus in Mitte gestorben. nach Angaben der Polizei soll nun eine Obduktion klären, ob die 55-Jährige erfroren ist. Die Vermutung liege jedoch nahe, sagte ein Polizeisprecher. Wann das Untersuchungsergebnis vorliegen wird, sei noch unklar. Das Krankenhaus wollte zu dem Fall keine Stellungnahme abgeben.

Unter der Brücke entdeckt

Anwohner des Stephankiezes in Moabit hatten die Frau am vergangenen Mittwoch gegen 22.20 Uhr an der Quitzowstraße nahe der Salzwedeler Straße unter der Putlitzbrücke entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Die Einsatzkräfte fanden die Frau bei Temperaturen weit unter Null Grad. Eine Sprecherin der Feuerwehr sagte, die Frau wurde entkleidet im Schnee gefunden. „Wir haben sie mit starken Unterkühlungen in die Charité gebracht“, sagte die Sprecherin.

Sie habe während des Transportes kurzzeitig das Bewusstsein verloren. Das könne vorkommen, wenn der Körper einer stark unterkühlten Person langsam wieder warm wird. Zu weiteren Rettungsmaßnahmen konnte die Sprecherin keine Angaben machen.

Frau soll Hilfe abgelehnt haben

Bekannt war die Frau bei den Nachbarn nur unter dem Vornamen Marion. Nach Aussagen von Anwohnern des Kiezes nahe dem U-Bahnhof Westhafen, habe die Frau seit März 2013 auf der Straße gelebt und auf einer Parkbank übernachtet. Sie habe aus ihrer Wohnung ausziehen müssen, heißt es. Die Bewohner haben die Frau bei eisigen Temperaturen regelmäßig mit Decken und Lebensmitteln versorgt. Auch das Ordnungsamt, die Polizei und Mitarbeiter des Kältebusses der Berliner Stadtmission hätten nach Angaben einiger Bewohner versucht, die Frau davon zu überzeugen, in eine Notunterkunft zu gehen. Dies habe die Frau aber regelmäßig abgelehnt.

Leider könnten die Mitarbeiter, die nachts mit dem Kältebus unterwegs sind, niemand gegen ihren Willen zwingen, eine Notunterkunft aufzusuchen. Die Fahrer würden in solchen Fällen ihnen bekannte Schlafplätze regelmäßig aufsuchen, hieß es bei der Stadtmission.

Am Montag legten mehrere Menschen, die die wohnungslose Frau offenbar gekannt hatten, zum Gedenken Kerzen und einige Blumen auf der Parkbank nieder, auf der die 55-Jährige viele Monate übernachtet hatte.

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