Verkehr

Auf der Maaßenstraße werden die Autos ausgebremst

Die quirlige Maaßenstraße im Abschnitt zwischen Nollendorf- und Winterfeldtplatz soll für Fußgänger attraktiver werden. Mehr Sitzgelegenheiten, mehr Grün und mehr Fahrradständer sind geplant.

Foto: Berlin.de

Der Umbau der Schöneberger Maaßenstraße zu Berlins erster Begegnungszone rückt näher. Im September sollen die Bauarbeiten beginnen. In einer Informationsveranstaltung für die Anwohner stellte das Planungsbüro LK Argus jetzt die aktuellen Ergebnisse vor. Die quirlige Maaßenstraße im Abschnitt zwischen Nollendorf- und Winterfeldtplatz soll vor allem für den nicht motorisierten Verkehr, besonders für Fußgänger, attraktiver werden. Mehr Sitzgelegenheiten, mehr Grün und mehr Fahrradständer sind geplant.

Autofahrer und Radfahrer teilen sich die Straße

Die Belebtheit soll bleiben, aber die Sicherheit beim Überqueren der Straße steigen. Außerdem soll es nach den Wünschen der Anwohner auch mehr Angebote auf der Straße geben, die nichts kosten. Auch den Kindern und Jugendlichen aus den umliegenden Schulen, Kinderläden und Freizeiteinrichtungen, die ihre Ideen zur Neugestaltung einbringen durften, war das Fußgänger-Thema ähnlich wichtig wie vielen Senioren. Ein Vortrittsrecht für Fußgänger wie in der Schweiz gebe es jedoch im deutschen Recht noch nicht, sagte Eckhart Heinrichs, Geschäftsführer der mit der Planung beauftragten LK Argus GmbH.

Heinrichs stellte die bisherigen Eckpunkte der Planung vor. Danach wird in der neuen Begegnungszone künftig Tempo 20 vorgeschrieben sein. Heute darf zwar auch nur 30 Kilometer pro Stunde gefahren werden. Doch nach den Untersuchungen der Planer „funktioniert das nicht gut“. Anwohner berichten sogar von nächtlichen Show-Rennen, die besonders im Sommer die Menschen immer wieder aus dem Schlaf reißen.

Damit die Autofahrer in der Begegnungszone langsam fahren müssen, werden sie künftig an diversen Stellen abgebremst: durch einen verschwenkten Straßenverlauf, durch leicht erhöhte Kreuzungs- und Einmündungsbereiche (glatte, grün gefärbte Betonsteine) sowie durch eine schmalere Fahrbahn. Autofahrer und Radfahrer teilen sich die Straße.

5000 Fahrzeuge pro Tag

Bei Tempo 20 geht auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung davon aus, dass Radfahrer nicht überholt werden müssen. Deshalb wird es keinen extra aufgemalten Radstreifen auf der Fahrbahn geben. Sollte ein Auto doch mal einen Radfahrer überholen wollen, muss es warten, bis die Gegenfahrbahn dies zulässt. Die Spur wird nicht so breit sein, dass das Auto den Radfahrer bei Gegenverkehr überholen kann. „Es wird zwei volle Richtungsfahrbahnen geben“, so Heinrichs. Mit 5000 Fahrzeugen pro Tag und bei Spitzenzeiten von 500 Fahrzeugen pro Stunde sei es gut machbar, an Hindernissen vorbeizufahren.

Wie viel die Umgestaltung kosten wird, steht noch nicht fest. Die Entwurfsplanung soll im März vom Bezirk und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in die endgültige Form gebracht werden. Auch die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg soll den Plänen noch zustimmen, kündigte Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) an. Horst Wohlfarth von Alm, Gruppenleiter für Grundsatzangelegenheiten der Straßenplanung in der Senatsverwaltung schätzt die Kosten grob auf mehrere 100.000 Euro.

Weitere derartige Begegnungszonen soll es in der Kreuzberger Bergmannstraße geben. Dort soll die Bürgerbeteiligung Ende des Jahres oder Anfang 2015 beginnen. Mit einer Umsetzung wird nicht vor 2016 gerechnet – auch aus Kostengründen. Für den Checkpoint Charlie als dritter Begegnungszone in Berlin sollen Fördermittel beantragt werden.

Auch 50 Parkplätze entfallen

An der Maaßenstraße, die Modellcharakter hat, werden auf beiden Seiten der Straße Flächen für Fußgänger gewonnen. Obwohl die Breite von Hauswand zu Hauswand nach Angaben der Planer 34 Meter beträgt, gibt es immer wieder problematische Situationen auf den Geh- und Radwegen. „Das enge Miteinander erzeugt einfach Konflikte“, konstatierte Verkehrsplaner Heinrichs. Um Platz für die Fußgänger zu schaffen, werden nicht nur die Straßen schmaler, es werden auch alle 50 Parkplätze entfallen.

„Rund 2000 Parkplätze sind im Kiez fußläufig, also im 500-Meter-Radius erreichbar“, sagt Heinrichs. Kritik einer enttäuschten 70-jährigen Anwohnerin, die monierte, dass sie dann ihre Einkäufe nicht mehr vor der Tür ausladen könne und wohl wegziehen müsse, begegnete Heinrichs mit dem Argument, sie könne dafür doch kurz in der zweiten Spur halten. „Das Miteinander in einer Begegnungszone funktioniert nur, wenn man sich sieht“, so Heinrichs. Der Leiter des Außendienstes vom Ordnungsamt des Bezirks warnte aber gleich, dass ein längeres Halten in der zweiten Reihe auch künftig geahndet werde.

„Im Sommer wie am Ballermann“

Drei Möglichkeiten nannte Heinrichs, wie der Konflikt mit den wegfallenden Parkplätzen gelöst werden könnte. Um im Umfeld Plätze zu schaffen, könnte die Einführung der Parkraumbewirtschaftung überlegt werden. Erfahrungsgemäß verschwinde dann jedes fünfte bis sechste Auto, wenn das Parken Geld kostet. „Das wäre sicherlich eine intelligente Lösung, würde aber Zeit brauchen“, so Heinrichs weiter. Es blieben also die Möglichkeiten, den Wegfall zu akzeptieren oder im Umfeld beispielsweise durch Schrägparken Plätze zu schaffen.

Viele Anwohner lobten die Planung. Etliche forderten aber auch, sie dürfe nicht auf den Verkehr beschränkt werden. Die ausufernde Gastronomie an der Maaßenstraße sei das Problem. „Das ist im Sommer wie am Ballermann. Und jetzt schaffen wir noch ergänzende Flächen für die Kneipengäste“, befürchtete ein Anwohner. Bürgermeisterin Angelika Schöttler sicherte zu, dass der Bezirk dafür sorgen werde, dass sich die Gastronomie nicht weiter ausdehne. Der Bestand werde nicht verändert, aber neue Kneipen würden nicht genehmigt.