Internet-Forum

Hier fühlen sich Berlins Radfahrer besonders gefährdet

Mit der Zahl der Radfahrer in Berlin steigen auch die Risiken. Der Senat hat ein Internet-Forum dazu eröffnet. Ein Überblick über die zehn bislang am häufigsten dort diskutierten Konflikte.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Das vom Senat eröffnete Internetforum zur Radfahrersicherheit stößt bei den Berlinern auf eine große Resonanz. In nur fünf Tagen nach der Freischaltung haben fast 14.000 Nutzer die Web-Seite www.radsicherheit.berlin.de besucht, die Inhalte wurden 131.000 Mal abgerufen.

Die Besucher haben inzwischen mehr als 2400 Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssicherheit eingebracht und fast 1300 Kommentare abgeben. In der Kritik stehen vor allem das Zuparken von Radwegen und das Parken von Autos in der zweiten Reihe. Es gibt aber auch viele konkrete Vorschläge, etwa zu klareren Vorfahrtsregelungen und besseren Ampelschaltungen an Kreuzungen.

Der Web-Dialog kann noch bis 10. Dezember 2013 geführt werden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will dann die 20 Vorschläge mit der größten Unterstützung prüfen.

Die Berliner Morgenpost gibt einen Überblick über die zehn bislang am häufigsten auf www.radsicherheit.berlin.de diskutierten Konflikte.

In unserer Grafik sehen Sie die im Folgenden beschriebenen am häufigsten diskutierten Situationen und Straßen (siehe Nummerierungen 1 bis 10).

Parken auf Radwegen (1)

Ganz vorn in der Debatte steht ein allseits bekanntes, fast überall in der Stadt zu beobachtendes Problem: Radstreifen auf den Straßen, so sie denn vorhanden, werden von Autofahrern oft zugeparkt. Viele Beispiele werden genannt: etwa die Wilhelmstraße in Mitte, die Greifswalder und Danziger Straße in Prenzlauer Berg oder die Müllerstraße in Wedding. Radfahrer, so Internet-User "Dude", würden damit in höchst gefährliche Situationen gebracht, wenn sie abrupt nach links auf die Straße ausweichen müssten. Sein Vorschlag: "Es scheint nur eines wirklich zu helfen – empfindliche Geldstrafen, gepaart mit Punkten." Dafür erntet er viel Zustimmung im Netz .

Parken in zweiter Reihe (2)

Ähnlich engagiert wird das Problem "Parken in der zweiten Reihe" debattiert. Häufig genannt wird dabei die Oranienstraße in Kreuzberg. Dort scheine das Parken in zweiter Reihe mittlerweile Volkssport zu sein, beklagt ein "Gast". Seine Forderung "Bitte strikt abkassieren!" User "mk" hält die Oranienstraße gar für "die gefährlichste Straße in Berlin". Er beklagt das Fehlen gesonderter Radwege, achtlos von Autofahrern geöffnete Türen, Parken und Halten in zweiter Reihe sowie den starken Bus- und Lieferverkehr. User "bicitour" schlägt vor, eine der Parallelstraßen (Waldemarstr.) zur Fahrradstraße zu erklären, der Kopfsteinpflaster-Teil dort könnte für einen Radweg geteert werden.

Fehlende Radstreifen (3)

"Berliner 2015" schreibt, dass auf der Sonnenallee in Neukölln Radstreifen die Sicherheit erhöhen könnten. Es komme dort oft zu "brenzligen Situationen". Zwischen Wildenbruchstraße und Pannierstraße seien wegen der breiten Fahrspuren nicht einmal Umbaumaßnahmen erforderlich, meint"ChrMll". Die Neuköllner Bezirksverordneten hätten diesen Vorschlag allerdings bereits 2011 abgelehnt, schreibt indes Wolfram Däumel.

Radwegebenutzungspflicht (4)

Die Pflicht, ausgewiesene Radwege zu nutzen, wird von den Nutzern vielfach kritisiert. Beispiel Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Durch parkende bzw. haltende Autos sei es dort nahezu unmöglich, auf den Radweg zu fahren, konstatiert "tinoko". Zudem seien die Kreuzungsbereiche wegen der rechtsabbiegenden Fahrzeuge für Radfahrer gefährlich. Er schlägt vor, die Benutzungspflicht für Radfahrer auf der Schönhauser Allee ganz aufzuheben und wie in München Informationsschilder aufzustellen, um die Akzeptanz des Radfahrens auf der Fahrbahn zu erhöhen. Der Radweg gehöre heutzutage einfach auf die Straße, unterstützt ihn "Marcel".

Vorfahrt in der Fahrradstraße (5)

Die Linienstraße in Mitte ist eine der wenigen Straßen in Berlin, die speziell für Fahrradfahrer ausgewiesen sind. Doch was nützt dies, wenn ihnen dort immer wieder von Autofahrern die Vorfahrt genommen wird. Diese würden die Fahrrad-Straße gern als "Schleichweg" nutzen, wird im Internetforum beklagt. Mit den Aufbau von Pollern könnte dies verhindert werden, so der Vorschlag von "jemuenze". Und "omsels" möchte die derzeit dort geltende Rechts-vor-links-Regelung aufheben.

Neue Brücke ohne Radweg (6)

Auf der neuen Kynastbrücke fehle der Radweg in Richtung Treptow, kritisiert "Claudia". "Die Fahrspuren sind sehr eng, so dass ein Radfahrer auf der Brücke die Autofahrer blockiert." Eine hohe Bordsteinkante erhöhe zudem das Sturzrisiko für Radfahrer, wenn er spontan ausweicht. "Wie kann man nur eine solche Straßenführung ohne Radweg bauen?", fragt auch Christoph Schuppan.

Kein Platz auf Fahrradstraße (7)

Auch die Alberichstraße in Biesdorf ist eine Fahrradstraße. Doch am Morgen und Nachmittag sei sie als Zufahrt zu zwei Schulen " regelmäßig von Elterntaxis zugeparkt bzw. so stark befahren, dass für Radfahrer kein Platz bleibt", moniert "Michael Biesdorf". Im Kreuzungsbereich Dankratstraße/ lberichstraße komme es täglich zu unübersichtlichen Situationen. Für seine Vorschläge, die Alberichstraße zwischen Alfelder- und Balzerstraße zur Einbahnstraße zu erklären oder die Straße an der Klingenberg-Oberschule komplett für Autos zu sperren, erntet er viel Zustimmung im Netz.

Radfahrer und Fußgänger (8)

Dass Fußgänger und Radfahrer sich in die Quere kommen, dafür gibt es in Berlin viele Beispiele. In einigen Fällen sind Konflikte unvermeidbar, wie etwa am Altstädter Ring in Spandau. Der Radweg sei benutzungspflichtig und führe die Radfahrer direkt durch die vielen dort auf den Bus wartenden Menschen, kritisiert "BodoByszio". Sein Vorschlag: "Vernünftige Umfahrungsrouten schaffen und ausschildern. Zum Beispiel in Richtung Arcaden über die Galenstraße und durch den Münsinger Park."

Unklare Vorfahrtsregelung (9)

An der Kreuzung Maybachufer und Friedelstraße würden vier sehr befahrene Straßen auf einem verhältnismäßig großen Platz treffen, so "marc.eilhard". Es sei unklar, wer wann dort Vorfahrt habe. Zudem würden Übergänge für Fußgänger fehlen. "Ich hatte schon diverse Beinaheunfälle an dieser Kreuzung wegen der unklaren Vorfahrtsregelung", berichtet auch "Fahrradbaer". Er wünscht sich dort eine Verkehrsampel.

Gefährlicher Kreisverkehr (10)

Der Kreisverkehr am Großen Stern in Tiergarten ist nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Fahrradfahrer eine Herausforderung. Sie beklagen, dass die Ampelschaltungen einseitig die Autofahrer bevorzugen würden. User "shin" schlägt vor, die Ampelschaltung für beide zu überquerende Straßen nicht wie bis jetzt getrennt auf Grün schalten.

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