Die Pläne der Deutschen Bahn AG, sich in einem Bieterkonsortium mit zwei großen Schienenfahrzeugherstellern um den Weiterbetrieb der Berliner S-Bahn zu bewerben, hat für Aufregung in der Branche gesorgt. Mitbewerber fürchten, dass damit schon vor der Abgabe konkreter Angebote eine Vorentscheidung zu ihren Ungunsten gefallen sei. Zudem gibt es in der Branche kartellrechtliche Bedenken gegen das Vorgehen der Bahn. Hatte der Staatskonzern doch erst Ende 2013 europaweit einen Rahmenvertrag für den Kauf von bis zu 1380 Fahrzeugen für die Berliner S-Bahn ausgeschrieben. Damit könnte in den kommenden Jahren der gesamte Fahrzeugbestand der S-Bahn komplett ersetzt werden.
Legt sich das Unternehmen aber jetzt fest, mit einem Lieferanten ein Bündnis einzugehen, könnte dies die Ausschreibung ad absurdum führen, so ein Brancheninsider. Die Folge könnten Klagen anderer Schienenfahrzeughersteller sein. Langwierige Prozesse wiederum könnten den ohnehin knappen Zeitplan für die S-Bahn-Ausschreibung gefährden. Zudem vergebe sich Berlin mit einer frühzeitigen Festlegung auf einen Bieter den Verhandlungsspielraum.
Entscheidung soll zum Jahresende fallen
Der Senat plant, bis Ende 2014 darüber zu entscheiden, welcher Anbieter ab Dezember 2017 das Teilnetz Ring der Berliner S-Bahn betreibt. Die Deutsche Bahn will sich in einem Konsortium mit den Fahrzeugherstellern Siemens und Stadler um den milliardenschweren Auftrag bewerben. Ein entsprechender Vorschlag soll dem Bahn-Aufsichtsrat bei seiner Sitzung am 30. Januar vorgelegt werden. Danach wird sich die zum Bahnkonzern gehörende S-Bahn Berlin GmbH um den Betrieb der Ringbahnlinien S41 und S42 und mehrere Zubringerlinien kümmern, Siemens und Stadler übernehmen die Lieferung und Wartung der dafür benötigten 190 Doppelwagen. Dem Vernehmen nach ist eine Einsatzgarantie für die gesamte Lebensdauer der Züge von bis zu 40 Jahren damit verbunden.
Konsortium bereits 2012 gegründet
Für die Bahn wäre dies ein völlig neues Geschäftsmodell. Bisher hat das staatseigene Unternehmen die Wartung ihrer Fahrzeuge in eigenen Werkstätten selbst übernommen. So ist es bisher auch bei der Berliner S-Bahn. Offenbar gibt es aber Bedenken, allein gegen die große Konkurrenz ausländischer Staatsbahnen und privater Fahrzeughersteller ein wettbewerbsfähiges Angebot unterbreiten zu können. Daher der Entschluss, sich jetzt mit der Siemens-Sparte Rail Systems und der Stadler Pankow GmbH zusammenzutun, die bereits im September 2012 ein Konsortium für die S-Bahn-Ausschreibung gebildet haben.
Von den Mitbewerbern um den lukrativen S-Bahn-Auftrag wollte am Montag nur Bombardier Transportation Stellung beziehen. „Wir setzen bei der Ausschreibung auf ein offenes und faires Verfahren“, sagte ein Sprecher der in Berlin ansässigen Schienenfahrzeugsparte des kanadischen Konzerns.





