Bausanierung

Nicht asbestverseucht – ICC könnte billiger werden

Die Sanierung des Internationalen Congress Centrums könnte deutlich billiger ausfallen. Denn der Bau ist nicht asbestverseucht. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung zweier unabhängiger Experten.

Foto: Ihlow / pa/Helga Lade

Das Internationale Congress Centrum (ICC) in Charlottenburg ist nicht asbestverseucht. Zu diesem Schluss, der weitreichende Folgen für die Sanierungskosten des prominenten Gebäudes haben könnte, kommen zwei unabhängige Experten, der Diplom-Ingenieur und vereidigte Sachverständige für Gefahrstoffe am Bau, Rainer Tepasse, sowie der ehemalige leitende Baudirektor in der Senatsbauverwaltung, Jürgen Nottmeyer.

Für den Brandschutz der Dach-Stahlkonstruktion sei der anerkannte Asbest-Ersatzstoff Cafco eingesetzt worden, der nach ihren Recherchen als nicht krebserregend einzustufen ist. Daher sei eine aufwendige Sanierung der gesamten Dachkonstruktion nicht erforderlich. Tepasse und Nottmeyer zweifeln die Summe von 52 Millionen Euro an, die im Senat für die Gefahrstoffbeseitigung im ICC veranschlagt seien. „Wir haben Erkenntnisse, dass das für die Hälfte zu machen ist“, so Rainer Tepasse.

Doch die beiden gehen noch weiter. Sie halten es für einen Fehler, dass der Senat Investoren sucht, die das 1979 eröffnete ICC übernehmen sollen. Das Land Berlin solle Eigentümer dieses weltweit anerkannten Bauwerks bleiben, das längst eine eigene Marke sei. Es repräsentiere einen großen volkswirtschaftlichen Wert, habe damals immerhin fast eine Milliarde Mark gekostet und sei in gutem Bauzustand.

„Wenn im ICC erst einmal das Licht ausgeht, ist es auch bald tot“

Der Senat dürfe die Modernisierung nicht scheuen. Schon das Signal, dass er das Haus nicht mehr wolle, habe dessen Wert gemindert. „Da wird Gold verkauft“, moniert der 64-jährige Tepasse, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Degas, der Deutschen Gesellschaft für Anlagensicherheit und Projektmanagement. Die war bereits am BER, an der Staatsbibliothek sowie in den Autobahntunneln Flughafen Tegel und Ortskern Britz tätig, vor allem bei der Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination.

Jürgen Nottmeyer, 84, kennt das ICC wie kaum sonst jemand. Er war in der Senatsbauverwaltung von 1969 bis 1979 für das Gebäude verantwortlich, betreute es und machte auch die Endabrechnung. Die beiden Experten sind ohne Mandat tätig, sie handeln aus bürgerschaftlichem Engagement und wollen, „dass sich die öffentlich Verantwortlichen Mühe machen mit guten Bauwerken“.

Die gegenwärtige Diskussion über die vermeintlichen Nachteile des Kongresszentrums – zu wenig nutz- und vermarktbare Fläche, zu hohe Betriebskosten – werde dem Rang des Hauses und seinen Möglichkeiten nicht gerecht, meinen sie. Die für Mai geplante Schließung sei gefährlich. „Wenn im ICC erst einmal das Licht ausgeht, ist es auch bald tot“, mahnt Tepasse.

Senat will nur maximal 200 Millionen Euro beisteuern

Es gebe Möglichkeiten, das Haus in Teilen geöffnet zu halten und parallel zu sanieren. Dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) haben sie ihre Analyse schon in einer Kurzform vorgestellt. Nun hoffen sie, bald mit Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) über ihre Bestandsaufnahme und die daraus resultierenden Ideen sprechen zu können.

Trotz zahlreicher Untersuchungen und Gutachten ist nicht klar, wie viel eine Sanierung und Modernisierung tatsächlich kostet. Die Angaben schwanken zwischen 200 und 400 Millionen Euro. Der Senat hat sich zwar auf diesen Weg verständigt, will aber nur maximal 200 Millionen Euro beisteuern. Den Rest soll ein Investor übernehmen.

Tepasse und Nottmeyer weisen darauf hin, dass die Kosten der Modernisierung wesentlich von der künftigen Nutzung abhingen, das gelte schon für so grundsätzliche Bereiche wie Heizung und Lüftung. Eine häufig genannte Summe von 330 Millionen Euro inklusive der Gefahrstoffsanierung sei nur ein Orientierungswert.

Asbest-Ersatz Cafco möglicherweise nicht krebserregend

Die einzig feste Kostensumme sei die für die Gefahrstoffsanierung. Und hier sehen die Experten in ihrer Analyse große Einsparmöglichkeiten. Sie sind nach ihren Recherchen überzeugt, dass der im ICC verwandte Asbest-Ersatz Cafco, ein künstlicher Mineralstoff, als nicht krebserregend einzustufen ist. Das Feuerspritzputz-Produkt Cafco sei seit seiner Zulassung in Deutschland durch das Institut für Bautechnik in seiner chemischen Zusammensetzung unverändert genehmigt und zertifiziert. Das gelte sowohl für die zulässigen Faserlängen und -durchmesser als auch für den seit 2006 geforderten Nachweis der Biolöslichkeit.

Dort, wo im Gebäude saniert oder modernisiert werde, müsse auch Cafco entfernt und erneuert werden. Das sei aber nur in einem Teil des Daches der Fall. Tepasse schätzt, dass es nur noch 100 bis 200 „Schwachstellen“ gebe, an denen Gefahrstoffe beseitigt und ausgetauscht werden müssten. Das könnten in Einzelfällen auch asbesthaltige Produkte sein. Die meisten seien aber von der Messe Berlin bereits in den 90er-Jahren ausgetauscht worden.