Messe-Tourismus

Berlin ist Deutschlands beliebtester Kongress-Standort

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Wolfgang W. Merkel und Brigitte Schmiemann

Foto: Paul Zinken / dpa

Mit 340 Veranstaltungen pro Tag ist Berlin der beliebteste Standort in Deutschland für Kongresse und Tagungen. In der internationalen Konkurrenz liegt die Stadt inzwischen auf Platz drei.

Berlin ist Deutschlands Kongresshauptstadt. Insgesamt listet die Berliner Tourismusgesellschaft Visit Berlin 123.900 Kongresse und Tagungen auf, die 2012 in der Stadt stattfanden. Das entspricht 340 Veranstaltungen pro Tag. Gegenüber 2011 ist das ein Plus von sieben Prozent und gegenüber 2003 sogar von 71 Prozent. 10,5 Millionen Tagungsgäste zählte „Visit Berlin“. Für 2013 liegen noch keine abschließenden Zahlen vor.

Damit belegt die Hauptsstadt in Deutschland die Spitzenposition bei Kongressen. Allerdings gibt es kein offizielles Ranking, denn andere deutsche Städte wollen keine detaillierten Zahlen preisgeben, auch nicht die nationale Tagungszentrale German Convention Bureau. So manche Stadt, die nicht ganz oben mitspielt, verweigere sich dem Vergleich, heißt es.

Es existieren jedoch ein spezielles Ranking zu Tagungen internationaler Verbände und eine Umfrage unter Konferenzveranstaltern zum Image deutscher Tagungsstädte. In beiden steht Berlin ganz oben. Betrachtet man die Metropolregionen, verteilt es sich etwas anders. Dann liegt der Großraum München knapp vor Berlin/Potsdam, es folgen Köln/Düsseldorf und Rhein/Main (Frankfurt/Mainz/Wiesbaden).

Berlin trotz finanzstarker Konkurrenz aus Asien beliebt

In der Kategorie „Kongresse internationaler Verbände“ verzeichnet die International Congress & Convention Association die deutsche Hauptstadt mit 172 derartigen Tagungen im vergangenen Jahr auf Platz eins in Deutschland. International hat sich Berlin von Platz 4 auf Platz 3 hochgearbeitet. Mehr internationale Verbands-Events konnten weltweit nur Wien (195) und Paris (181) anziehen. Auf den Plätzen 4 und 5 folgen Madrid (164) und Barcelona (154).

Das internationale Kongressgeschäft sei hart, sagt Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin: „Wir befinden uns in einem aggressiven Wettbewerbsumfeld mit finanzstarken Wettbewerbern in Asien und den arabischen Golfstaaten, die um Kongresse buhlen. Der Aufstieg auf Platz 3 zeigt, dass Berlin von internationalen Kongressplanern als Top-Kongressstandort wahrgenommen wird.“

Die Veranstalter achten bei der Wahl des Ortes vor allem auf drei Kriterien: Erreichbarkeit, Infrastruktur und Preis-Leistungs-Verhältnis, wie eine Umfrage des Europäischen Instituts für Tagungswirtschaft an der Fachhochschule Wernigerode im Auftrag unter anderem vom Europäischen Verband der Veranstaltungs-Centren ergab.

Zwei Milliarden Euro Umsatz durch Tagungsboom 2012

Vom Tagungsboom profitieren Hotellerie und Gastronomie: 6,6 Millionen Hotel-Übernachtungen buchten die Kongressbesucher 2012, neun Prozent mehr als im Jahr davor und fast dreimal mehr als noch 2003.

Ökonomen haben ausgerechnet, dass jeder Tagungsgast 187 Euro in der Stadt ausgibt, insgesamt flossen 2012 also fast zwei Milliarden Euro nach Berlin. Auch dies ein bedeutender Zuwachs: acht Prozent in einem Jahr und rund 100 Prozent in zehn Jahren. 35.000 Vollzeit-Arbeitsplätze beruhen auf der Tagungsbranche und fast 250 Millionen Euro an Steuereinnahmen.

Ein Aushängeschild des Tagungs- und Messegeschäfts ist das sanierungsbedürftige Internationale Congress Centrum (ICC). Mehr als zehn Interessenten haben sich inzwischen beim Berliner Senat beworben, um es zu sanieren. Darunter sind Betreiber von Einkaufscentern und Projektentwickler. Auch die Management für Immobilien AG aus Essen, die in Berlin das Forum Steglitz, die Gropiuspassagen und alle Arcaden-Shopping-Center betreibt, hat Interesse.