Für Berlins Grundschüler sollte es beim Essen ab 1. Februar 2014 alles besser werden. Ihre Eltern müssen dann sogar mehr für die mittägliche Verpflegung zahlen. Doch die Schüler der John-F.-Kennedy-Schule in Berlin-Zehlendorf fürchten eine Verschlechterung.

Auch sie sollen zum 1. Februar einen neuen Essensanbieter bekommen. Einverstanden sind sie damit aber nicht. Schulleiter Reinhard Roth ist verärgert. „Künftig soll Sodexo für uns kochen, obwohl wir mit unserem bisherigen Caterer Green Unlimited sehr zufrieden waren.“

Auch bei der jüngsten Testverkostung hätte sich der Essensausschuss seiner Schule wieder für Green Unlimited entschieden, sagt Roth. „Das ist ein lokaler Anbieter, der sich obendrein für soziale Projekte engagiert.“ Mit dem Essen seien die Schüler sehr zufrieden gewesen.

Ärger über undemokratisch verordneten Caterer

Was Lehrer, Schüler und Eltern besonders ärgert, ist die Tatsache, dass ihnen jetzt ein Caterer verordnet worden ist. „Dabei sollte das neue Ausschreibungsverfahren für Schul-Caterer demokratischer sein und den Schulen mehr Mitspracherechte zubilligen“, sagt Roth. Bei der Verkostung hätten sich die Mitglieder des Essensausschusses seiner Schule, je zwei Lehrer, Eltern und Schüler, eindeutig für Green unlimited ausgesprochen. „Wir haben uns sorgfältig auf die Verkostung vorbereitet und sehr differenziert bewertet“, sagt Roth. Da aber das Ergebnis stark von dem der bezirklichen Ersatzjury abgewichen sei, wäre es ungültig gewesen. Seine Schule müsse deshalb mit Sodexo Vorlieb nehmen.

Die Eltern wollen sich das nicht gefallen lassen. Sodexo kommt für sie als Caterer nicht infrage. „Wir werden in dieser Woche die Schulkonferenz einberufen und beraten, wie es weitergehen soll“, sagt Roth. „Wir wehren uns.“

In insgesamt 48 Fällen habe das Urteil der bezirklichen Ersatzjury herangezogen werden müssen. Die Essensausschüsse dieser Schulen seien zu stark vom Votum der Bezirkstester abgewichen. Dass es diese Ersatzjury vom Bezirksamt gibt, liegt laut Bildungsverwaltung an den komplizierten Vergaberichtlinien. Wenn der Eindruck entstehen könnte, dass der Essensausschuss schon vor der Verkostung für sich einen Entschluss gefasst habe und dadurch einen Anbieter durchweg positiv und die anderen durchweg negativ bewertet hat, müsse auf das Ergebnis der neutralen Ersatzjury zurückgegriffen werden.

Schulen üben Kritik an Ersatzjurys

Mehrere Schulen monieren aber, dass bezirkliche Ersatzjurys, die bei jeder Verkostung dabei waren und parallel ihr Urteil fällten, zum Teil wahllos zusammengesetzt waren. Bezirksamtsmitarbeiter, die zufällig Zeit gehabt hätten, hätten verkosten müssen. Im Gegensatz dazu hätten sich die Schuljurys intensiv vorbereitet und genau über die Bedingungen informiert. Diese Erfahrung hat auch die John-F.-Kennedy Schule gemacht.

In der Bildungsverwaltung heißt es indes, dass die Schule viele Möglichkeiten habe, die Qualität des Caterers zu kontrollieren. Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), verweist auf den Essensausschuss der John-F.-Kennedy-Schule. „Der kann Anfang Februar sofort mit der Kontrolle beginnen.“ Der Caterer habe die Pflicht, mit den Ausschussmitgliedern zusammenzuarbeiten und eventuelle Mängelanzeigen innerhalb von zwei Werktagen zu bearbeiten. Würden Qualitätsstandards nicht eingehalten, könne der Ausschuss den Caterer zu seinen Sitzungen einladen und über die Probleme reden.

„Die Eltern haben jetzt die Möglichkeit, schnell Einfluss zu nehmen“, sagt Stoffers. Auch könne einem Caterer viel schneller gekündigt werden. Die Vertragslaufzeit gehe maximal bis zum 31. Juli 2017. In beiderseitigem Einvernehmen könne zum 31. Januar oder 31. Juli eines Jahres gekündigt werden. „Außerdem hat die Schule das Recht zur fristlosen Kündigung.“

Beanstandungen sollten nicht emotionalisiert sein

Besagte Essensausschüsse, in denen Eltern, Lehrer und Schüler vertreten sind, sollen von Februar an auch für die Qualitätssicherung verantwortlich sein. Doch wie diese Kontrolle zu erfolgen hat, ist nicht ganz klar. Die versprochenen Schulungen, die schon vor den Testessen stattfinden sollten, stehen immer noch aus. Einen Termin gibt es nicht, genau so wenig ist die geplante Handreichung zur Qualitätssicherung fertig.

„Die Essensausschüsse haben die Möglichkeit, den Vertrag mit dem Caterer zu beenden, wenn es Mängel gibt“, sagt Erika Takano-Fork vom Landeselternausschuss. Allerdings sei darauf zu achten, dass die Beanstandungen nicht emotionalisiert seien, sondern sachlich von den Schulen an die Bezirksämter weitergegeben werden, so die Elternvertreterin.

Insgesamt ist Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zufrieden mit dem Ablauf der Verfahren. 351 Grundschulen hätten sich an den Ausschreibungen beteiligt. Dabei habe es keine einzige Klagen vor der Vergabekammer gegeben. Sodexo ist nach den Neuausschreibungen trotz des zurückliegenden Schulessenskandals ein Gewinner. Der Großcaterer punktete vor allem mit seinen kurzen Warmhaltezeiten.

37 Euro pro Monat statt bisher 23 Euro

Ebenfalls dazugewinnen konnte der Anbieter Luna durch den relativ hohen Bio-Anteil. Einer der Verlierer ist Drei Köche. Der Caterer hat nach eigenen Angaben rund die Hälfte der belieferten Schulen verloren. Ganz neu auf dem Berliner Markt des Schulessens ist die Firma Z-Catering, die bisher nur für Betriebe gekocht hat.

Ob nun tatsächlich alles besser wird, können die Schüler vom 1. Februar an beurteilen. Dann soll das neue Essen auf dem Tisch stehen, und von da an müssen die Eltern höhere Essensbeiträge zahlen. Künftig werden für die Grundschüler mit Hortvertrag 37 Euro monatlich fällig statt bisher 23 Euro.