Die Nervosität ist an diesem Mittwoch allen Anwesenden im Bürgersaal Steglitz-Zehlendorf anzusehen. Der zweite Bezirks-Termin der Verkostung für das Schulmittagessen steht auf dem Programm. Auch die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist gekommen, um die neue Qualität des Essens selbst zu testen.

An allen Grundschulen wird derzeit das Schulessen nach einer neuen einheitlichen Musterausschreibung neu vergeben. Die Caterer sollen nicht mehr nach dem günstigsten Preis ausgesucht werden, sondern nach der Qualität, und die soll von den Schülern, Eltern und Lehrern selbst getestet werden. Es gibt Gulasch und Kartoffeln sowie saisonale Gemüsepfanne mit Reis. Essensausschüsse von 100 der 360 Grundschulen haben diese Gerichte bereits in verschiedener Ausführung probiert.

An diesem Mittwoch ist auch die neunjährige Anni von der Zinnowwald-Grundschule dabei. Per Los wurde sie mit zwei weiteren Schülern ausgewählt, weil es an ihrer Schule unter den Kindern zu viele Bewerber für den Essensausschuss gab. Anni ist gut vorbereitet. Sie kennt die Kriterien, die sie bewerten soll, und testet Geruch, Aussehen, Mundgefühl und Geschmack. „Das Gulasch schmeckt, nur das Gemüse ist etwas hart“, sagt sie.

Kontrollen in Produktionsküchen werden verändert

Die Senatorin hält sich mit Kommentaren über das Essen zurück. Nichts soll den Ablauf des Verfahrens stören. Sollte ein Caterer Verfahrensfehler monieren und so die Auswahl infrage stellen, würde der gesamte Zeitplan ins Wanken geraten. Bis Mitte November dauern die Verkostungen. Einen Monat später läuft dann die Frist vor der Vergabekammer ab.

Ab 1. Februar muss das neue Essen an allen Grundschulen auf dem Tisch stehen, denn dann müssen die Eltern dafür auch die höheren Beiträge von 37 Euro monatlich zahlen. Bisher kostet das Essen für die Eltern 23 Euro. Dem Caterer stehen dann statt der bisher 2 Euro 3,25 Euro pro Mahlzeit zur Verfügung. Doch so lukrativ, wie es sich zunächst anhört, scheint das Geschäft für die Caterer mit dem Schulessen nicht zu sein. Denn die Qualitätsmaßstäbe in den Ausschreibungen sind hoch, und auch Kontrollen in den Produktionsküchen sind künftig anders als bisher vorgesehen.

Im Bezirk Steglitz-Zehlendorf haben sich nur vier Caterer für die insgesamt 28 Schulen beworben. Vier Grundschulen konnten mit ihrem Essensausschuss gar nicht an der Verkostung teilnehmen, weil es für sie jeweils nur einen Bieter gibt. Die anderen können zum Teil nur unter zwei Anbietern wählen. Von einem echten Wettbewerb kann da kaum die Rede sein. Lediglich die Dunant-Grundschule, die für die Caterer wegen der großen Schülerzahl lukrativ ist, kann zwischen vier Bietern den Besten aussuchen.

Auswahl zwischen Anbietern schwankt von Bezirk zu Bezirk

Ganz anders sah das in dieser Woche im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg aus. Dort gab es 14 Caterer, die gültige Angebote für die 30 Schulen abgegeben haben. Eine Schule soll sogar zwischen zwölf Caterern gewählt haben. Die Schüler mussten also 24 Gerichte kosten und vergleichen. Doch das ist offenbar eher die Ausnahme. Insgesamt haben sich mehr als 20 Caterer an der Ausschreibung beteiligt. Die Verteilung ist jedoch unterschiedlich. In Marzahn-Hellersdorf beispielsweise gab es für die 36 Grundschulen sieben Bewerber.

„Möglicherweise sind es die langen Fahrtwege, die die Schulen in Steglitz-Zehlendorf unattraktiver machen für die Caterer“, sagt Cerstin Richter-Kotowski (CDU), Schulstadträtin von Steglitz-Zehlendorf. Doch auch wenn die Auswahl zwischen den Anbietern geringer ist als erhofft, dürfte sich die Qualität des Essens an allen Schulen verbessern.

Vorgeschrieben ist laut Ausschreibungsbedingungen jetzt zum Beispiel die Verwendung von saisonalen Produkten. Das schließe die Verwendung von chinesischen Erdbeeren, die im vergangenen Herbst eine Massenerkrankung an den von Sodexo belieferten Schulen auslöste, praktisch aus, sagt Scheeres. „Neu ist, dass die Vorgaben nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch kontrolliert werden“, betont Cornelia Partmann vom Landeselternausschuss. Sollte die Qualität des Essens nachlassen, kann der Vertrag mit dem Caterer zum nächsten Halbjahr gekündigt werden.