Sie muss kräftig zugetreten haben, das Loch in der Tür ist groß und rund wie ein Fußball. „Hier“, sagt der Makler, „hat die Kickboxerin trainiert und den Sandsack nicht getroffen.“ Er öffnet sein Jackett, das altersschwache Parkett knarrt unter seinen Ledersohlen. „Cool, oder?“ Nicht wenige der Menschen vor ihm nicken, einige lachen sogar. Da steht eine größere Gruppe, die sich eine Mietwohnung anschaut, im Schillerkiez in Neukölln. Nur ein Besucher traut sich: Ob das Loch vor einem Einzug repariert werde, fragt er. Der Makler deutet ein Kopfschütteln an. Er geht nicht darauf ein.
Muss er auch nicht.
Es sind ja genug Leute zur Besichtigung gekommen. Die unsanierte Wohnung wird vermietet, für mehr als neun Euro Kaltmiete plus Courtage. Auch mit Loch in der Balkontür. Und derjenige, der gefragt hat nach der Reparatur, bekommt die Wohnung eben nicht. Noch vor ein paar Jahren hätte der Makler hier wohl nicht gestanden. Weil niemand Courtage gezahlt hätte für die Bude.
Der Schillerkiez am Rande des Tempelhofer Feldes ist die Geschichte einer Überraschung. Nicht so sehr, dass aus einer billigen Wohngegend eine teure wird, weil keine Flugzeuge mehr über die Dächer donnern, seit der Flughafen Tempelhof geschlossen wurde. Eine Überraschung ist es, weil vor den Haustüren etwas geschehen ist, das an die Geburt eines ungewünschten, aber dann umso inniger geliebten Kindes erinnert.
Das Tempelhofer Feld zeigt, wie sich der Bürgerwille drehen kann
Aus dem Flugfeld ist ein Ort geworden, der Menschen bietet, was es in Großstädten eigentlich nicht gibt. Freier Horizont und genug Platz für alle. Als der Flughafen im Jahr 2008 gegen den Widerstand vieler Berliner geschlossen wurde, waren die Stimmen besonders laut, die ein Konzept für die weitere Nutzung forderten. Da entstehe sonst eine „Hasenheide XXL“, hieß es. Eine Steppe voller Drogendealer, versoffener Camper und bissiger Hunde. Es sah so aus, als müsse eine Leere dringend gefüllt werden. Sogar ein Gewerbezentrum war im Gespräch und ein Filmpark. Wie absurd das heute klingt.
Das Tempelhofer Feld zeigt, wie sich der Bürgerwille drehen kann. Und stellt die Regierung auf die Probe, ob sie das berücksichtigen will. Heute sammelt die Initiative „100 % Tempelhof“ Unterschriften dafür, dass hier gar nichts gebaut wird. Erst mal zumindest, denn bei Veränderungen einer so großen Fläche sollen die Bürger mitbestimmen, sagen sie. Und das geht nicht mehr, wenn die Stadt die Grundstücke erst verkauft hat.
Es engagieren sich Leute, die gern auf dem Feld sind. Und solche, die eben nicht nicken, wenn sie eine teure Wohnung mieten sollen mit einem Loch in der Balkontür. Weil sie es nicht mögen, wenn jemand sagt: Nehmt es, wie es ist – oder geht! Es sind Leute, die nicht glauben, dass Wohnungen ausgerechnet auf dem Tempelhofer Feld den Markt entspannen werden.
Und da sind Leute, die eine Rechnung offen haben mit dem Senat, seit der Volksentscheid gegen die Schließung des Flughafens scheiterte. Obwohl sie mit 530.231 Unterschriften mehr Unterstützer hatten als die Partei des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus 2006 an Stimmen gewinnen konnte.
Die Initiative hatte am Montag nach eigenen Angaben 190.000 Unterschriften gesammelt – wie viele gültig sind, muss noch ausgezählt werden. Insgesamt brauchen sie 174.000 gültige Stimmen, noch bis Montagabend kann unterschrieben werden. Der Landeswahlleitung zufolge waren bisher allerdings rund 16 Prozent der abgegebenen Unterschriften ungültig, weil sie zum Beispiel von Menschen kommen, die nicht abstimmungsberechtigt sind. Aber egal, ob die Initiative Erfolg haben wird oder nicht: Schon jetzt ist das für den Senat eine bedrohliche Menge.
Andererseits: Die Landesregierung hat gute Gründe aus ihrer Sicht, nicht nachzugeben. Auch, weil sie sagt, dass sich mit neuen Wohnungen der Mietmarkt entspannen lasse. Zumal sie verspricht, dass städtische Gesellschaften dort auch bezahlbare Wohnungen bauen sollen. Auf dass es Makler, die teure Wohnungen mit zertretenen Türen vermieten wollen, schwerer haben.
Bausenator Michael Müller kennt Tempelhof gut
Aber das ist nicht alles. Wie auch, wenn es um das größte Bauprojekt der Stadt für die kommenden drei Jahrzehnte geht? Mit wertvollem Boden und Aufträgen in Milliardenhöhe in einer Stadt, in der die Projekte der Wiedervereinigung abgeschlossen sind. In einer Stadt, die Geld braucht und Motoren für die Konjunktur. Wann lässt sich schon ein ganzes Quartier entwickeln in einer wachsenden Hauptstadt?
Der Mann, der für das Konzept verantwortlich ist, das der Senat bereits vor Jahren auch unter dem Druck der Öffentlichkeit entwickelt hat, kennt Tempelhof gut. Er ist hier aufgewachsen, als Junge hat er Flugzeuge von der Airport-Terrasse aus beobachtet, er hat Süßigkeiten genascht beim Tag der offenen Tür der Amerikaner. Von seiner Wohnung am Platz der Luftbrücke aus geht er am Wochenende auf dem freien Feld oft mit seiner Familie spazieren. Der Mann ist Bausenator Michael Müller (SPD), er hat keine Zeit für Sentimentalitäten.
Anfang März, im Jahr 2013: Der Senator steht in der ehemaligen Flughafenhalle und blickt auf 500 Leute. Müller präsentiert den „Masterplan“ für das Tempelhofer Feld der Öffentlichkeit und schaut in viele wütende Gesichter. Seine Stimme wird etwas lauter.
Pläne haben sich unter dem Druck der Öffentlichkeit verändert
„Es muss auch erlaubt sein, dass ich darauf reagiere, wenn ich angesprochen werde“, sagt Müller ins Mikrofon und doziert über Mitbestimmung. „Nicht ersetzen von Parlamenten heißt Partizipation.“ Dann verhaspelt er sich: „Sondern ergänzend zu dem, was in Parlamenten, Politik und Verwaltung einfließt, den Bürgerwillen einfließen zu lassen, und auch zu verändern.“
Was meint er? Dass der Bürgerwille verändert, was in der Politik geschieht? Oder dass die Politik den Bürgerwillen verändert, bis er passt? So empfinden es viele, der Unmut wächst. Müller sagt, es sei legitim, wenn Bürger sagten: „Wir finden das nicht gut. Baut nicht zehn Häuser, sondern drei.“ Darüber könne man reden, sagt er. „Dafür sind wir da“.
Tatsächlich, die Pläne haben sich verändert. Sie sind behutsamer geworden, wiederum unter dem Druck der Öffentlichkeit. Man muss nur auf den Flächennutzungsplan aus dem Jahr 2007 schauen, damals sollte deutlich mehr vom Feld bebaut werden. Nun werden 230 Hektar der insgesamt 355 Hektar in der Mitte frei bleiben. Erst mal. Ein Gesetz, das die Freifläche länger schützt als das Versprechen eines auf Zeit gewählten Politikers, das gibt es nicht.
Warum schützt der Senat die Flächen nicht?
„Ich sehe für die kommenden Legislaturperioden keine politische Kraft, die an dieses Feld herangehen würde“, so Müller. Er sagt oft, dass die freie Fläche nicht „angeknabbert“ werde. „Anknabbern“, das klingt nach einem delikaten Stück Land. „Trotzdem prüfen wir gerade, ob man die 230 Hektar freie Fläche auch gesetzlich vor einer Bebauung schützen kann“, sagt Müller. Um eine zusätzliche Hürde aufzubauen. Damit so eine Regelung auch Bestand habe, müsse sie aber sehr sorgfältig ausgearbeitet werden.
Es ist ein weiches Versprechen, das der Senator da gibt. Man muss fragen: Warum schützt der Senat die Flächen nicht, wenn er sie nicht bebauen will?
Nachdem sich spätestens nach Stuttgart 21 die Verwaltungen in europäischen Ländern um Modelle bemühen, Bürgerwillen einzubinden, ohne die Gestaltung wirklich aus der Hand zu geben, lädt auch der Berliner Senat zu Veranstaltungen. Mitarbeiter der Behörden räumen ein, man sei auf der Suche nach dem passenden Format. Der Senat listet dem Parlament auf Nachfrage auf, wie viele Bürger telefonisch befragt wurden, wie viele zu Podiums-Diskussionen kamen. Sie schreiben auch, dass es Infotische mit Plänen gab und Kinderbetreuung mit Papierfliegern und Kreidemalern.
Platz für Argwohn bei Bürgern
Allein: Wie die Anregungen der Bürger dokumentiert wurden, wie sie einfließen, ist kaum nachvollziehbar. Das wird in Behördenkreisen eingeräumt, und das lässt Platz für Argwohn. Gibt es wirklich Einfluss? Die Sache mit dem Wasserbecken zum Beispiel. Das ist ein Thema, über das Senator Müller sagt, dass sich daran alle „besoffen reden“. Aber dazu später mehr.
Es ist Markttag am Maybachufer. Vor der Kneipe Ankerklause hat die Initiative „100% Tempelhof“ so etwas wie einen Stand aufgebaut. Ein Fahrrad mit Brett auf dem Sattel, Zetteln und Kugelschreibern. Viel hat die Initiative nicht. Vor allem ein Drachenladen hat Geld gegeben, was logisch ist, weil auf dem Tempelhofer Feld viele Besucher einen Drachen steigen lassen. Die Klemmbretter für Unterschriften haben sie aus Schildern gebastelt, die kürzlich noch für den Energie-Volksentscheid in der Stadt standen. Marie trägt eine grüne Jacke, sie ist einer der Helfer, eine charmante junge Frau. „Haben Sie schon für das Tempelhofer Feld unterschrieben?“, fragt sie Passanten mit einem Lächeln.
Daneben steht Michael Schneidewind vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Wir sammeln Unterschriften, damit die Bürger überhaupt eine Wahl haben, darum geht es jetzt.“ Wenn die Innenfläche des Feldes nicht verkauft und bebaut werden soll, warum regele der Senat das nicht gesetzlich? Anders als der Name „100 %“ vermuten lasse, gehe es ihnen nicht darum, dass sich auf dem Feld nichts ändern dürfe. Sie wollen aber nicht, dass Veränderungen unumkehrbar sind, wie nach einem Verkauf der Flächen, sagt Schneidewind. Planungen für diesen Ort, die sollen viele Leute mitbestimmen.
Starten sollen die Bauarbeiten 2016 am Tempelhofer Damm
In einem Punkt ist die Initiative in prominenter Gesellschaft: Die Architektenkammer Berlin kritisiert den Senat, die Planungen fänden größtenteils „hinter verschlossenen Türen“ statt. „Man kann Wettbewerbe veranstalten, so viel man will, wenn die Baufelder und der Flächennutzungsplan seit Jahren feststehen und man nichts verändern darf, dann macht das wenig Sinn“, sagt die Präsidentin, Christine Edmaier. „Wir müssen dringend auf die Bremse treten.“
Zumal die Fachwelt entsetzt sei über die Banalität der Wohnblocks, die auf den veröffentlichten Luftbildmontagen für den Tempelhofer Damm zu sehen sind. Sie wünsche sich, dass der Senat unabhängige Vermittler einsetze, um Wünsche von Bürgern und Planern transparent zu dokumentieren. „Hier könnte sich die Architektenkammer Berlin auch einbringen.“ Das ist ein Angebot der Präsidentin.
Starten sollen die Bauarbeiten 2016 am Tempelhofer Damm, 2018 am Südring, dann am Schillerkiez. Oben am Columbiadamm könnte es ab 2025 weitergehen. Das Feld soll langsam, aber sicher erschlossen werden. Ein langer Zeitraum, der kaum zu überblicken ist. Auch davor haben die Gegner ein bisschen Angst. Dass am Ende doch alles bebaut wird.
Wer wollte das teure Wasserbecken?
Klarer ist die Sache mit dem Wasserbecken, das vor dem Flughafengebäude entstehen soll, als Teil einer Parkanlage. Klar sind aber nur die hohen Kosten. Mehr als zwölf Millionen Euro. Warum es dieses teure Becken geben wird, hat laut Senat allerdings auch mit Bürgerwillen zu tun. Man habe die Wünsche der Bevölkerung bei den Planungen berücksichtigt, deshalb gebe es das große Becken. Kritiker sagen, das Becken gebe es nur, damit Messen und Veranstaltungen ein schickeres Umfeld haben. Und zwölf Millionen Euro sind viel Geld.
Als jedenfalls im November im Ausschuss für Stadtentwicklung drei Stunden über das Becken gesprochen wurde, kam der CDU-Abgeordnete Stefan Evers zu dem Schluss: Zumindest im Ergebnis habe die „Überzeugungsarbeit nicht funktioniert“.
Eigentlich geht es bei dem Becken um die Frage, was mit dem Regenwasser passiert, das auf dem Gelände anfällt. Aber nur eigentlich.
6. November 2013, Ausschuss für Stadtentwicklung. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sagt, eine Bürgerbefragung habe ergeben, dass sich 90 Prozent der Befragten auch Wasser auf dem Feld wünschten. „Ehrlicherweise fiel es uns im Senat schwer, diese Forderung plausibel in das Programm reinzuschreiben“, sagt Lüscher. Ein Badesee hätte die Möglichkeiten überstiegen. Tilmann Heuser vom BUND sagt, er sei bei dieser Senats-Befragung im Jahr 2009 auch angerufen worden. Da habe er selbst gesagt, Wasserflächen fände er ganz gut. Soll heißen: Dieses Becken hat so niemand gewollt.
Beim Wasserbecken ist der Bürgerwillen versickert
Bausenator Müller klagt sogar über „Diffamierungen“: Das Wasserbecken werde „Designbecken“ oder „Regattastrecke“ oder sonst wie genannt. Dabei habe man Bürgerwünsche einbezogen. Die Bürger könnten sogar ihre Füße reintauchen. Christoph Schmidt, Geschäftsführer der „Grün Berlin GmbH“, die den Park plant und verwalten soll, erklärt im Ausschuss noch mal die ganze Sache. Er sagt, dass Wasser auch so versickern könne, dann bräuchte man aber eine größere Fläche als geplant. Er spricht von „Grauwasser“, „Klärstufen“ und „Schwertlilien“ und fragt: „Wo bitte ist hier zu viel Design?“
Wie man es dreht: Beim Wasserbecken ist der Bürgerwillen gewissermaßen versickert. So etwas kann eben auch bei Befragungen herauskommen. Oder hat die Verwaltung nicht richtig zugehört? Der BUND hat eine einstweilige Verfügung gegen den Baubeginn erwirkt, es gibt auch Planungsmängel. Vielleicht ist das gut für den Senat. Würden jetzt Bagger fahren, bevor der Bürgerentscheid entschieden ist, wäre die Stimmung hitziger.
Im Ausschuss jedenfalls liegen teilweise die Nerven blank. Als Tilmann Heuser vom BUND sagt, die geplante „Rundform“ des Parkes, gemeint ist der Zuschnitt der Wiesen, die frei bleiben sollen, würde Naturschutzgebiete zerstören, da platzt es aus Herrn Schmidt von der Grün GmbH heraus: „Die Rundform! Okay! Dass diese Rundform übrigens ein Trockenrasenbiotop mit autochthonem Saatgut aus dem Land Brandenburg erhält, haben Sie nicht erwähnt!“
Piraten suchen immer mittwochs nach Lösungen für Tempelhof
Draußen, auf dem Feld, ist es friedlich geblieben. Der weite Blick beruhigt die Menschen eben. Gut, es gab Personen, die eine Mitarbeiterin des städtischen Infostandes für die Baupläne als „Kapitalistensau“ beschimpft haben sollen. Die Initiative hat sich sofort davon distanziert.
Christine Edmaier, Präsidentin der Architektenkammer, rät dem Senat, nicht so weiterzumachen, auch wenn die Initiative nicht genug Unterschriften erreiche. „Die Gegner der Bebauungspläne könnten sich radikalisieren, das würde ein bisschen in die Richtung von Stuttgart 21 gehen.“
Wie könnte eine Beteiligung der Bürger am Tempelhofer Feld konkret aussehen? Unter Parteien beschäftigt sich kaum eine Kraft so hartnäckig mit dem Feld wie ein Squad der Piraten. Die Mitglieder sitzen, seit Jahren, immer mittwochs in einer Neuköllner Wohnung, sie suchen nach Lösungen. Die Piraten sind gegen einen Verkauf der Flächen, aber für Gestaltung.
Vorschlag eines Piraten: Tempelhofer Feld in Kreise aufteilen
Victor Aouizerat, Mitarbeiter der Neuköllner Fraktion, hat ein Modell vorgestellt. Es besteht aus Kreisen. Ein innerer Kreis, der laut Naturschutzgesetz unantastbar ist. Ein weiterer, äußerer Kreis, auf dem es nur Projekte auf Zeit gibt. Organisiert über eine Genossenschaft. Wer hier etwas unternehmen will, muss Mitstreiter finden, die ihre Stimme geben. „Das ist die Idee des Marktes“, sagt Aouizerat. „Er besteht aus beweglichen Ständen.“
Und, auch das soll möglich sein: Auf dem äußersten Kreis dürfen dauerhafte Projekte stehen. Aouizerat setzt darauf, dass Medien die Projekte vorstellen, damit nicht nur ein kleiner Kreis „Ausgewählter“ davon erfährt. Berliner könnten dann mit Empfehlungen und Bürgerbegehren beeinflussen. Verkauft werde nichts: Es gelten Pacht und Erbpacht.
Das klingt nicht einfach. Andererseits hat Berlin in den vergangenen Jahren einige Bürgerbegehren erlebt. Die meisten sind nur knapp gescheitert.
Tempelhofer Feld als Erbe für die Nachwelt
Joachim Kiau hat damals für den Erhalt des Flughafens gekämpft. Er nennt sich „Der Tempelhofer“, für die Initiative „100%“ habe er mit seinen Mitstreitern bis zu dieser Woche 15.068 Unterschriften gesammelt. Als Bürgermeister Wowereit damals die Flughafen-Unterstützer als „Die Gestrigen“ bezeichnet hatte, entgegnete ihm Kiau: „Wer die Vergangenheit leugnet, hat für die Zukunft keine Berechtigung.“ Er redet darüber, dass Tempelhof erhalten bleiben müsse als Ort, der Generationen an Freiheit erinnert.
Er spricht von Männern wie Willy Brandt und Richard von Weizsäcker, die der Nachwelt etwas hinterlassen hätten. Das wolle er auch schaffen. Etwas Einzigartiges hinterlassen. Auch jüngere Aktivisten der Initiative „100%“ sprechen über Erbe, wenn auch mit anderen Wörtern. Kerstin Meyer ist Expertin für Entwicklungszusammenarbeit, sie sagt: „Wir lassen unsere Diamanten eben im Boden“. Diamanten. Willy Brandt. Verschiedene Generationen, beide meinen das Gleiche. Dass ein Schatz nicht gehoben, sondern weitergegeben werden kann.
Bausenator Müller hatte die Initiative am Freitag bereits für gescheitert erklärt. Vielleicht hofft er, dass der Volkswille sich mal wieder dreht.




