Nur noch dieses Wochenende bleibt der Initiative „100 Prozent Tempelhof“, um die benötigen 174.000 Unterschriften für das Volksbegehren gegen die Bebauung am Rande des ehemaligen Flughafenareals zu sammeln.

Rund 140.000 Berliner hatten nach Angaben der Initiatoren bis Freitag für das Volksbegehren unterschrieben, nötig sind bis zum Sammelschluss am Montag noch knapp 35.000 Unterschriften.

Nach Einschätzung von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) werde das Quorum verfehlt: „Ich sehe noch nicht, dass es zu einem Volksentscheid kommt.“

Auch einem möglichen Volksentscheid sehe er gelassen entgegen. „Wenn es dazu kommt, ist das auch egal. Wir haben ja gesehen, dass man Volksentscheide nicht automatisch gewinnt“, sagte der Senator am Freitag und verwies auf den Volksentscheid zur Zukunft der Stromversorgung. Zudem gebe es viele Bürger, die den Bau von Wohnungen dort für sinnvoll halten. Eine klare Mehrheit der Berliner, das habe eine Umfrage im Auftrag seiner Verwaltung gegeben, stehe hinter den Bauplänen.

Gleich zwei Siegerentwürfe bei Architektenwettbewerb

Während sich die Initiative für die Erhaltung des kompletten Tempelhofer Feldes als Park einsetzt, will der rot-schwarze Senat eine 230 Hektar große Freifläche in der Mitte freihalten. Rund 50 Hektar sollen an drei Seiten des Areals mit Wohnhäusern und teilweise Gewerbeflächen bebaut werden.

Senator Müller erläuterte die nächsten Schritte, die in diesem Jahr am Tempelhofer Feld in Angriff genommen werden sollen. So solle zunächst das ehemalige Flughafengebäude weiterentwickelt werden. Die Hangardächer werden saniert. Das Gebäude soll für die Ansiedlung von Kreativ- und Bildungsunternehmen hergerichtet werden und Veranstaltungen häufiger für Besucher zugänglich sein. Die Arbeiten am geplanten Wasserbecken ruhen dagegen, bis über eine Klage des Naturschutzbunds BUND entschieden ist, teilte Müller mit.

Überraschend äußerte sich der Bausenator am Freitag auch zum Wettbewerbsergebnis für den Neubau der Landes- und Zentralbibliothek auf dem Tempelhofer Feld. Kurz vor Weihnachten hatte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bekannt gegeben, dass es gleich zwei Siegerentwürfe gebe. „MOA – Miebach Oberholzer Architekten“ aus Zürich sowie das Stuttgarter Büro „Kohlmayer Oberst Architekten“ wurden aufgefordert, ihre Vorschläge weiter auszuarbeiten. Welcher der Entwürfe realisiert wird, solle sich im Frühjahr entschieden, so Lüscher. Müller preschte nun jedoch schon vor: „ Mein Favorit ist das schwebende Raumschiff“, lobte Müller den futuristischen Entwurf der Stuttgarter.