City Tax

Berlin kassiert nun von seinen Touristen eine Bettensteuer

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Jeder Berlin-Besucher, der privat in die Hauptstadt kommt und in einem Hotel übernachtet, muss jetzt die sogenannte City Tax zahlen. Hoteliers sprechen von einem „großen Ärgernis“.

Seit dem Jahresbeginn müssen Berlin-Touristen eine sogenannte City Tax zahlen. Sie beträgt nach Angaben der Tourismusmarketingorganisation „Visit Berlin“ fünf Prozent des Netto-Übernachtungspreises ohne Frühstück. Bei einem Nettohotelpreis von 300 Euro fallen also 15 Euro an. Erhoben wird sie auf alle Buchungen ab dem 1. Januar 2014.

Reservierungen, die vor diesem Datum vorgenommen wurden, seinen nicht betroffen, auch wenn der Aufenthalt erst im Jahr 2014 erfolgt, heißt es weiter. Die Steuer wird dem Übernachtungsgast vom Hotelier in Rechnung gestellt und ist bei der Abreise zu zahlen. Ausgenommen von der Bettensteuer sind Geschäftsreisende.

Damit mussten die ersten Berlin-Touristen am Donnerstag bei der Abreise die neue Bettensteuern zahlen. Allerdings betraf das nur die wenigen Gäste, die sich ohne vorherige Reservierung in Hotels und Pensionen einquartiert hatten.

Für Berlins Hoteliers sei es ein „großes Ärgernis“, dass die Steuer so kurzfristig eingeführt worden sei, sagte am Donnerstag eine Sprecherin des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Etliche Hotels hätten ihr Abrechnungssystem nicht so schnell umstellen können. „Diese Häuser müssen nun kreative Lösungen finden.“

Auch Tina Brack, Direktorin des Design-Hotels Ellington in Schöneberg, nennt die kurzfristige Einführung „schwierig“. Es gebe noch viele ungeklärte Fragen. Dennoch sehe man im Ellington der Sache gelassen entgegen: „Wir haben unser System entsprechend umgestellt.“ Es habe auch schon die ersten Gäste gegeben, die die Steuer bezahlen müssen, weil sie erst im neuen Jahr Verlängerungstage gebucht haben. Diese hätten jedoch gelassen reagiert: „Weil es die Steuer in vielen anderen Städten und Ländern schon gibt, erschreckt sie die Gäste gar nicht so sehr“, sagt Tina Brack.

Das Berliner Abgeordnetenhaus hatte die City Tax erst am 12. Dezember 2013 beschlossen. Der Senat rechnet durch die neue Abgabe mit jährlichen Einnahmen in Höhe von rund 25 Millionen Euro.

Klagen von Hoteliers angekündigt

Der Verband Dehoga hatte im Vorfeld der Parlamentsentscheidung die Einführung der Bettensteuer scharf kritisiert und dem Senat Unfairness vorgeworfen. „Wir fühlen uns falsch behandelt“, sagte Dehoga-Präsident Willy Weiland Anfang Dezember. Der Verband richtete sich vor allem dagegen, dass die City Tax nicht extra auf der Hotelrechnung ausgewiesen, sondern von den Hoteliers gesondert abgeführt werden soll.

Zusätzliche Schwierigkeiten erwartet der Gaststättenverband wegen des hohen Anteils der Internetbuchungen. Da viele Reiseveranstalter große Kontingente an Zimmern viele Monate im Voraus buchten, sei es für Hoteliers kaum möglich, im Nachhinein festzustellen, welchen Zimmerpreis der Gast tatsächlich bezahlt habe. Das geplante Gesetz des Senates sieht in solchen Fällen vor, den Preis zu schätzen. Unklar sei jedoch, wer die Schätzung vornehmen soll.

Weiland hatte angekündigt, dass es Klagen von Hoteliers gegen das entsprechende Gesetz geben werde, sobald die ersten Steuerbescheide in den Übernachtungsbetrieben eintreffen. Der Verband selbst kann nicht rechtlich gegen die Bettensteuer vorgehen.

Mitte Dezember 2013 war die Zielmarke von 25 Millionen registrierten Hotelübernachtungen in Berlin erstmals überschritten worden. Für das gesamte Jahr rechnet „Visit Berlin“ mit mehr als 26 Millionen Übernachtungen. Die Zahl der Gäste, die in Hotels und Pensionen der Stadt eincheckten, liegt dann bei mehr als elf Millionen. Nicht gezählt werden Berlin-Touristen, die in Ferienwohnungen, bei Bekannten oder bei Angehörigen absteigen.

( dpa/sei/any )