Sie ist 2,60 Meter groß, zwei Tonnen schwer und hat weder Kopf noch Arme: Mit Hilfe von Luftkissen und eines Krans hat die Berliner Feuerwehr am Mittwochmittag aus dem Spreekanal nahe dem Auswärtigen Amt in Mitte eine Sandstein-Skulptur geborgen.
Bereits seit 9 Uhr morgens waren 20 Feuerwehrmänner, unter ihnen zwei Taucher, an der Schleusenbrücke im Einsatz, um die Skulptur möglichst unbeschädigt aus dem Wasser zu bergen.
Die etwa zwei Tonnen schwere Figur hat mehr als 50 Jahre in drei Meter Tiefe nahe dem Wehr an der Jungfernbrücke gelegen.
Im Herbst 2012 wurde sie bei Taucharbeiten vor dem Auswärtigen Amt entdeckt und dem Landesdenkmalamt Berlin gemeldet.
Weil mehrere Organisationen und Behörden – Feuerwehr, die Deutsche Stadt- und Gründungsgesellschaft und das Tiefbauamt – bei der Abstimmung beteiligt waren, konnte die Genehmigung zur Bergung erst jetzt in Kraft treten.
Mit Hilfe von Luftkissen, die mit Schlingen angebracht werden mussten, wurde die Figur unter Wasser zu einem Kran transportiert und daraufhin in einer rund fünf Meter breiten Mulde aus dem Wasser gezogen.
Die Bergung verlief den Experten zufolge problemlos, die Skulptur konnte ohne Schaden aus dem Wasser gezogen werden.
Doris Wollenberg vom Landesdenkmalamt kümmerte sich seit Mai 2013 um die Vorbereitungen für die Bergung der Sandsteinfigur, die bisherigen Untersuchungen zufolge vermutlich einst als eine von vier Figuren auf dem Dach der Neuen Münze (erbaut 1870/1871) stand - eine Münzprägeanstalt, die der Baumeister August Stüler geplant hatte und 1934 abgerissen wurde. „Etwa 80 Prozent sind erhalten, inklusive der Gewandfalten.“
„Wir freuen uns sehr, dass wir die Frauenfigur nun endlich bei Tageslicht zu sehen bekommen“, sagte Wollenberg im Anschluss, „anhand ihrer stehenden Haltung können wir jetzt erkennen, dass es sich entweder um die Figur ,Friede’ oder ,Überfluss’ handelt.“
Sowohl Kopf als auch Arme sind vollständig von der Figur abgetrennt, und auch ihr Fußbereich weist massive Schäden auf. „Sie ist mit Algen und Muscheln bedeckt, aber in einem besseren Zustand als wir erwartet haben.“
Wie die Skulptur ihren Weg in die Spree gefunden hat, ist noch ungewiss. Man geht davon aus, dass sie bereits im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde und vor mehr als 60 Jahren in die Spree abstürzte.
Zunächst wird der bedeutende Fund in das Bauteildepot des Landesdenkmalamtes in Friedrichsfelde gebracht, wo er gereinigt und gründlich auf seinen wahren Ursprung untersucht wird. Sollte es sich tatsächlich um eine der vier verlorenen Figuren der Neuen Münze handeln, plane man das Fundstück voraussichtlich im Museum der staatlichen Münze auszustellen, so Wollenberg.
dpa/sei











