Der U-Bahn-Bau in Berlins historischer Mitte gerät immer mehr in Verzug. Bereits seit Ende Oktober steht „Bärlinde“, die 700 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine direkt unter dem Schloßplatz still.
Gerade einmal 427 Meter hat sie seit ihre Taufe am 20. Juni 2013 zurückgelegt, rund 1200 Meter liegen auf den Weg bis zum Brandenburger Tor noch vor ihr. Eigentlich sollte „Bärlinde“ nach einer vierwöchigen Wartungspause ihre Arbeit längst wieder aufnehmen. Doch nun wird sich das Schneidrad mit einem Durchmesser von 6,70 Metern frühestens Anfang 2014 wieder drehen, wie eine Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestätigte.
Hintergrund sind offenbar erhebliche Grundwasserprobleme im Bereich der künftigen Bahnhofs „Museumsinsel“, der in unmittelbarer Nähe zu Spree und Spreekanal in bis zu 40 Meter Tiefe errichtet werden soll.
Bereits Mitte November hatte BVG-Chefin Sigrid Nikutta erklärt, dass es im Baustellenbereich Probleme mit dem Wasserzulauf gebe. Eine zunächst vermutete Undichtigkeit einer Spundwand habe sich aber nicht bestätigt, die Bauleute hätten das Problem in Griff. Nun sagte eine Sprecherin, dass vor einer Wiederaufnahme der Bohrarbeiten noch Messdaten zum Wassereinfluss auszuwerten seien. „Einen Wassereinbruch hat es aber definitiv nicht gegeben“, so die BVG-Sprecherin.
BVG macht sich an die „Betonkosmetik“ im U-Bahn-Tunnel
Bei der Firma Bilfinger, die im Auftrag der BVG die U-Bahn-Strecke errichtet, würden zudem in Kürze Betriebsferien beginnen. Daher habe man sich entschieden, den Tunnelvortrieb erst im Januar wieder aufzunehmen. Laut BVG sei der Tempoverlust nicht so groß, da die Zeit des Stillstands für Arbeiten genutzt werden, die eigentlich später ausgeführt werden sollten. Dazu gehöre die sogenannte „Betonkosmetik“, also das Verfugen der Betonringe, aus denen der U-Bahn-Tunnel gebaut wird.
Bauexperten halten es inzwischen für immer unwahrscheinlicher, dass die beiden geplanten, jeweils 1,6 Kilometer langen Tunnelröhren für die U5 bis Ende 2014 komplett gebohrt sein werden.
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