Kostenexplosion

Kanzler-U-Bahn wird 92 Millionen Euro teurer als geplant

Wieder wird ein Berliner Großprojekt deutlich teurer: Der Bau der U5 könnte 92 Millionen Euro mehr kosten als bislang geplant, sagte BVG-Chefin Sigrid Nikutta der Berliner Morgenpost.

Foto: Florian Schuh / dpa

Schon wieder wird ein Großprojekt in der Hauptstadt teurer als geplant. Die Kosten für den U-Bahn-Bau durch Berlins historische Mitte, die sogenannte Kanzler-U-Bahn, können auf 525 Millionen Euro steigen, kündigte die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, im Gespräch mit der Berliner Morgenpost an.

Bislang hat die BVG für den Bau der gut zwei Kilometer langen Tunnelstrecke zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor 433 Millionen Euro veranschlagt. Die in der aktuellen Kostenschätzung errechneten Mehrkosten von 92 Millionen Euro müssten der Bund und das Land Berlin als Auftraggeber für das Bauvorhaben tragen, so die BVG.

Verhandlungen über zusätzliche Finanzmittel habe es aber noch nicht gegeben, sagte Nikutta. Es gebe dafür bislang auch noch keine Notwendigkeit. Denn das im Sommer 2012 gestartete – und wegen seiner hohen Kosten stets umstrittene – Vorhaben würde noch innerhalb des Finanzrahmens liegen. „Bisher liegen wir sogar unter allen Kostenschätzungen“, betonte die BVG-Chefin. Auch für die Jahre 2014 und 2015 sei noch genügend Geld da.

Mehrkosten durch höhere Sicherheitsanforderungen

Allerdings müsste das Vorhaben von seinem Ende her gesehen werden. Die Fertigstellung der aus zwei Tunnelröhren und drei neuen Bahnhöfen bestehenden Strecke, mit der die bisherige Linie U5 (Alexanderplatz–Hönow) mit der sogenannten Kanzler-U-Bahn U55 (Hauptbahnhof–Brandenburger Tor) verbunden werden soll, ist derzeit für Herbst 2019 vorgesehen.

Der bis dahin zu erwartende Anstieg der Baupreise sowie zusätzliche Aufwendungen etwa für Öffentlichkeitsarbeit und die juristische Begleitung des Projekts seien in der jetzt erfolgten Neukalkulation der Gesamtkosten berücksichtigt, sagte Nikutta. Zudem seien zuvor nicht geplante Leistungen mit eingerechnet worden. Dazu gehöre zum Beispiel auch der drei Millionen Euro teure Bau eines Logistikhafens an der Spree, über den ein Großteil des durch den Tunnelbau entstehenden Erdaushubs abtransportiert wird.

Auch die höheren Sicherheitsanforderungen, die seit dem Archiveinsturz 2009 in Köln an den U-Bahn-Bau gestellt werden, verursachen laut Nikutta erhebliche Mehrkosten. So sei beispielsweise der vor wenigen Tagen eröffnete neue U6-Tunnel an seinen Enden aufwendig vereist worden, bevor er an das bestehende Netz angeschlossen wurde. Das Verfahren ist sehr teuer, verringert aber bei Arbeiten im Untergrund erheblich die Gefahr von Wassereinbrüchen. Weil das Grundwasser in Berlin vergleichsweise hoch steht, werden auch die bis zu 40 Meter tiefen Baugruben für die U-Bahnhöfe „Unter den Linden“ und „Museumsinsel“ vereist.

„Auf einen Monat mehr oder weniger“ komme es nicht an

Die BVG-Chefin betonte, dass bei dem anspruchsvollen Bauprojekt die Sicherheit im Vordergrund stehe. „Der Eröffnungstermin der U-Bahn wird am Ende nur ein nachrichtliches Datum sein. Falls wir aber irgendwo eine Havarie produzieren, dann gehen wir in die Geschichtsbücher ein“, sagte sie.

Die Verzögerungen der Arbeiten an der Museumsinsel hätten den im Bauplan bestehenden Zeitpuffer zwar verringert, aber nicht komplett aufgebraucht, versicherte die BVG-Chefin. Da aber etwas ganz Neues gebaut werde, komme es auch auf einen Monat mehr oder weniger nicht an. „Bei einem solch kompakten Vorhaben muss man immer 100-prozentige Sicherheit schaffen“, betonte Nikutta.

Wieder Defizit bei der BVG

Wirtschaftlich befindet sich die BVG weiter in schwierigem Fahrwasser. Das landeseigene Unternehmen wird auch dieses Jahr mit einem Defizit abschließen. Laut Nikutta wird es mit voraussichtlich 40 Millionen Euro jedoch deutlich kleiner ausfallen als geplant. Einkalkuliert war für 2013 ein Minus von 54 Millionen Euro. Der Schuldenberg von bereits jetzt rund 850 Millionen Euro dürfte damit weiter anwachsen. Nikutta ist dennoch zuversichtlich, dass ab 2016 ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht wird – unabhängig vom Schuldenstand.

Für die Nutzer der häufig überfüllten U2 (Pankow–Ruhleben) hat die BVG-Chefin noch eine gute Nachricht. Ab dem heutigen Sonntag werden auf der wichtigen Innenstadtlinie auch an Feiertagen und den Wochenenden lange Züge eingesetzt. „Damit wird sich das Platzangebot insbesondere in der vor uns liegenden Adventszeit deutlich erhöhen“, sagte Nikutta.

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