Durch Zufall haben am Freitagmorgen zwei Männer eine aufgedrehte Gasflasche in einer Bankfiliale entdeckt, bevor es mitten in der Berliner Innenstadt zu einer Explosion kommen konnte. Die beiden Zeugen hatten Glück, dass sie nicht selbst bei der versuchten Sprengung zu Schaden gekommen sind.

Es ist 4.50 Uhr in der Frühe, als die beiden Männer unterwegs von der Arbeit nach Hause an einer Filiale der Volksbank am Leipziger Platz in Mitte haltmachen, um Geld abzuheben. Als sie den Raum mit den Geldautomaten in der Filiale betreten, bemerken sie sofort den Gasgeruch in der Luft. Die Männer rufen die Polizei.

Schon Zigarettenglut hätte zur Entzündung führen können

Die Beamten stellen daraufhin nicht nur fest, dass an einem der Geldautomaten in der Bank bereits mit Werkzeugen herumgearbeitet wurde. Sie finden auch eine aufgedrehte Gasflasche neben dem Automaten, aus der offenbar bereits eine ganze Menge Gas entwichen ist. Den unbekannten Tätern war es jedoch nach Angaben der Polizei nicht gelungen, den Automaten mechanisch zu öffnen oder ihn zu sprengen. Sie riskierten jedoch eine Explosion.

Bereits geringe Mengen ausgeströmten Gases können in geschlossenen Räumen gefährlich sein, selbst wenn keine Explosionsgefahr besteht. Die Glut einer brennenden Zigarette etwa hätte zum Entzünden des ausgetretenen Gases und somit zu schweren Verbrennungen führen können.

Einige Taten in den vergangenen Wochen haben drastisch demonstriert, welch enorme Sprengkraft entsteht, wenn Kriminelle versuchen, mit einer Gasexplosion einen Geldautomaten zu öffnen. Ende Oktober sprengten Unbekannte einen Postbank-Automaten am Wilhelmsruher Damm in Reinickendorf und zerstörten damit die halbe Filiale – die Trümmer flogen bis zu 50 Meter weit.

Explosion macht Statiker-Gutachten notwendig

Im Juni detonierte der Automatenbereich einer Sparkassenfiliale an der Leipziger Straße in Mitte. Die Wucht der Explosion machte anschließend sogar ein Statiker-Gutachten für das gesamte Gebäude nötig.

Die Polizei reagierte am Freitag entsprechend vorsichtig und sperrte erst einmal das Areal um die Bankfiliale weiträumig ab. Dadurch waren auch Zugänge zu umliegenden Bürogebäuden versperrt, deren Mitarbeiter mussten in sicherer Entfernung warten. Auch die Evakuierung des Gebäudes habe die Polizei zwischenzeitlich erwogen, bestätigte ein Sprecher am Freitagnachmittag. Schließlich sicherten die Polizeibeamten jedoch nur die große, gelbe Gasflasche und lüfteten den Bankraum, um die Explosionsgefahr zu bannen.

Die Sicherung der Spuren am Tatort dauerte mehrere Stunden und war erst gegen 9.30 Uhr am Morgen abgeschlossen. Der Berufsverkehr wurde durch die Sperrung am Knotenpunkt Leipziger Platz aber nicht beeinträchtigt. Nachdem die Spurensicherung beendet war, wurde Entwarnung gegeben, und Polizisten begleiteten die Mitarbeiter umliegender Büros wieder zu den Gebäuden.

Sonderkommission „Giro“ ermittelt

Die Hintergründe der versuchten Sprengung sind bislang unklar. Hinweise auf die Täter gab es zunächst offenbar nicht. Ungeklärt blieb zunächst auch, warum die Täter ihr Vorhaben aufgegeben haben könnten. Die Polizei äußerte sich am Freitag nicht dazu, ob an Gasflasche oder Geldautomat eine Zündungsvorrichtung gefunden wurde, also eine Explosion unmittelbar bevorstand.

In den vergangenen Monaten sind in Berlin immer wieder Geldautomaten gesprengt worden. Häufig seien die Taten im Versuchsstadium stecken geblieben, oder die Sicherheitsfarbpatronen haben bei der Sprengung die Geldscheine unbrauchbar gemacht. „Bisher ist es den Tätern selten gelungen, brauchbares Geld zu entwenden“, sagte ein Sprecher der Polizei.

Wegen der Häufung der Taten hat das Landeskriminalamt jedoch die Sonderkommission „Giro“ gegründet, eine Ermittlungsgruppe, die sämtliche Fälle in Zusammenhang mit Geldautomaten bearbeitet und auch nach möglichen Zusammenhängen einzelner Taten sucht. Die Soko hat mit dem Leipziger Platz nun einen weiteren Fall zu bearbeiten.

Sprengung mitten in Magdeburg

Geldautomaten zu sprengen ist jedoch nicht nur bei Kriminellen in Berlin seit Monaten ein Trend. In der Nacht zu Freitag lieferten sich Räuber und Polizei in Magdeburg sogar eine Verfolgungsjagd und eine Schießerei. Um an das Geld im Automaten einer Bankfiliale zu kommen, lösten die Täter kurz nach drei Uhr eine Sprengung in der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt aus.

Beamte, die zufällig in der Nähe des Tatorts waren, überraschten die Täter offenbar. Die Räuber hätten dann sofort das Feuer eröffnet, hieß es. Die Beamten schossen zurück. Anschließend flüchteten die Täter in einem dunklen Wagen. Nach ihnen wird gefahndet.