Sogar ins Fernsehen hat es so eine Szene schon geschafft. Die Spezialeinheit kommt in den frühen Morgenstunden, um einen gesuchten Straftäter festzunehmen. Die Männer treten die Wohnungstür ein, stürmen voll bewaffnet hinein – doch in der Wohnung finden sie ein Rentnerpaar hochgeschreckt im Ehebett. Sie haben sich im Stockwerk geirrt.
Was im September im ARD-„Tatort“ als kleiner Gag am Rande auftauchte, geschah in der Realität in Berlin in den letzten fünf Jahren acht Mal. Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage aus der Piratenfraktion an Innensenator Frank Henkel (CDU) hervor. Bei diesen irrtümlichen Erstürmungen von Wohnungen durch Spezialeinheiten der Polizei wurden den Angaben zufolge drei Personen verletzt und dafür Schadenersatzforderungen in Höhe von 6812,90 Euro gestellt.
Eine Person erlitt Hautabschürfungen, jemand anderes litt in der Folge unter psychischen Problemen, ein Dritter wurde von einem Polizeihund in den Arm gebissen. Dieser letzte Fall liegt erst zwei Monate zurück: Mitte September wurde ein 21 Jahre alter Student in seiner Mariendorfer Wohnung von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) überwältigt. Ein Schock und zwei Operationen am zerbissenen Unterarm waren die Folge.
Fehlende Türschilder, Dunkelheit, irrige Angaben von Zeugen
Nach diesem Vorfall, der auch überregional Schlagzeilen machte, stellte Andreas Baum von den Piraten seine Fragen an den Innensenator, die jetzt beantwortet wurden. Für die acht Verwechslungen seit 2008 gebe es unterschiedliche Gründe, so Henkel. Unter anderem fehlende Türschilder, Dunkelheit, irrige Angaben von Zeugen oder „individuelle Fehler“ von Polizeibeamten.
Gerade die Begründung „Dunkelheit“ verwundert den Abgeordneten Baum: „Fehlt es an Taschenlampen als Ausrüstung? Dem werden wir in einer weiteren Anfrage nachgehen.“ Es sei „überraschend“, wie hoch die Zahl der Einsätze in falschen Wohnungen sei, so Baum.
Wie die Richtlinien bei der Polizei aussehen, um Verwechslungen zu vermeiden, kann der Innensenator in der Antwort nicht sagen. Die Qualitätsstandards für den Einsatz des Spezialeinsatzkommandos sind geheime Verschlusssache. Jedoch werde, so viel wird verraten, vor Einsätzen das Objekt „möglichst umfangreich aufgeklärt“.
500 Einsätze in Berlin das Jahr über
Durch beim Einsatz zerstörte Wohnungstüren und ein beschädigtes Fenster seien bei den Fehleinsätzen Schäden in Höhe von rund 21.000 Euro entstanden, heißt es weiter. Die Schäden würden von der Berliner Polizei schnellstmöglich reguliert. „Jeder dieser Fälle ist bedauerlich, und wir entschuldigen uns bei den jeweiligen Betroffenen“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich.
Irrtümer bei der Suche nach der richtigen Wohnung sind laut Polizei angesichts von 500 SEK-Einsätzen im Jahr in Berlin selten. Vielfach seien die ermittelnden Beamten bei der Bestimmung der Örtlichkeiten auf Aussagen von Zeugen angewiesen, die nicht immer stimmen müssen, so Redlich. Das SEK plane dann den Einsatz, vernehme die Zeugen aber nicht selbst noch einmal.
Auch ob Hunde in der Wohnung leben, die gestürmt werden soll, wird beim SEK geklärt und der Einsatz entsprechend vorbereitet. In sieben Fällen wurden seit 2008 Hunde vom SEK getötet, weil sie die Polizisten angegriffen haben, heißt es in Henkels Antwort.





