Mit solch einem massiven Einschreiten der Polizei hatten die mutmaßlichen Wohnungseinbrecher sicherlich nicht gerechnet. Zivilfahndern und Beamten eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) hatten die vier jungen Männer im Alter von 17 bis 23 Jahren nach einem beobachteten Einbruch in der Nacht zu Mittwoch in Steglitz gestoppt. Das Quartett war nach der Tat mit einem Mietwagen in Richtung Joachim-Tiburtius-Brücke gefahren, doch kurz vor Mitternacht war an der Kreuzung Filandastraße und Bergstraße die Flucht schlagartig zu Ende.
Der Ort für den Zugriff war von den Polizisten perfekt ausgewählt, ein möglicher Fluchtversuch über die Überführung der Schloßstraße war durch quer gestellte Funkstreifenwagen nahezu aussichtslos. Nach Berichten von Augenzeugen hatten sich je ein mit Beamten besetztes Fahrzeug vor und hinter den silberfarbenen Renault Clio gesetzt und die Einbrecher an der Kreuzung scharf ausgebremst. Die Wagen knallten aufeinander. Am Fluchtauto entstand vorne und hinten Blechschaden.
Die maskierten Elitepolizisten holten praktisch im gleichen Moment schon die Verdächtigen aus dem Auto heraus und erstickten deren Widerstand bereits im Ansatz. Im Polizeibericht hieß es später, dass drei der vier Festgenommenen Verletzungen davontrugen, die in einem Krankenhaus ambulant behandelt wurden. Anschließend wurden die mutmaßlichen Einbrecher in eine Gefangenensammelstelle gebracht.
SEK kommt bei Gefahrenlagen zum Einsatz
Der Fluchtwagen wurde für weitere Untersuchungen durch Kriminaltechniker sichergestellt. In dem Fahrzeug entdeckten die Beamten Gegenstände, die aus einem Einbruch stammen könnten. Da die von den Wohnungseinbruch betroffene Mieterin nach Polizeiangaben derzeit verreist sei, konnte das mutmaßliche Diebesgut zunächst nicht zweifelsfrei zugeordnet werden.
Die Einbrecher stehen im dringenden Verdacht am Dienstagabend gegen 23 Uhr in eine Wohnung in der Straße Birkbuschgarten südlich des Steglitzer Stadtparks eingestiegen zu sein. Dafür gibt es Augenzeugen. Auch der Fahrzeugtyp und das Kennzeichen waren bereits bekannt, als die Männer die Wohnung wieder verließen. Somit war es für die Polizei nicht übermäßig schwer, das Fluchtfahrzeug zu lokalisieren, zu observieren und eine geeignete Stelle für die Festnahme zu planen.
Weshalb dafür auf die Unterstützung einer SEK-Einheit zurückgegriffen wurde, wollte die Polizei am Mittwoch wegen der noch andauernden Ermittlungen nicht mitteilen. Die 23, 22 und 18 Jahre alten Männer sowie der 17-jährige Jugendliche sollten im Verlauf des Tages von Kriminalbeamten eines Fachkommissariats vernommen werden, hieß es lediglich.
Kräfte der Spezialeinheiten kommen in der Regel dann zum Einsatz, wenn besondere Gefahrenlagen vorliegen. Möglicherweise gab es Informationen, dass ein oder mehrere Verdächtige bewaffnet sein könnten und diese Waffen bei einer Festnahme einsetzen würden. In diesem Fall würde allein eine solche Annahme ausreichen, um den Einsatz eines SEK-Trupps zu veranlassen, sagte ein Kriminalbeamter.
Täter waren allesamt polizeibekannt
Nachdem in Berlin die Anzahl der Einbrüche in Wohnungen und Häuser in den letzten Jahren zugenommen hatte, ist inzwischen eine Umkehr des Trends zu beobachten. Von Januar bis Ende September dieses Jahres seien nach Angaben der Senatsinnenverwaltung und der Polizei 6064 Wohnungseinbrüche erfasst worden. Das sind 717 Fälle weniger als im gleichen Zeitraum des Jahr 2012 und entspricht einem Rückgang von 10,6 Prozent.
Trotz einer leichten Zunahme von 2,8 Prozent der Einbrüche in Einfamilienhäuser (1572 Fälle, plus 43), ergab sich insgesamt ein Rückgang der Einbrüche von 8,1 Prozent in den ersten neun Monaten dieses Jahres. In diesem Zeitraum konnte die Polizei – auch wegen neu eingerichteter spezieller Fahndungseinheiten – 140 Tatverdächtige fassen und die Aufklärungsquote von 2,9 auf nun 6,1 Prozent erhöhen.
Alle vier in Steglitz gefassten Tatverdächtigen waren bereits polizeibekannt und durch unterschiedliche Straftaten in Erscheinung getreten. Zwei der Männer seien wegen Einbruchs in Polizeiakten geführt worden, einer von ihnen werde als Intensivtäter gelistet, sagte eine Polizeisprecherin. Dass heißt, der Mann war in der Vergangenheit wegen mindestens zehn begangenen Delikten innerhalb eines Jahres auffällig geworden.




